Nach der ersten Runde der Gruppenphase bzw. 16 Partien durften erst 25 Treffer bejubelt werden. Schlechter war der Schnitt zu diesem Turnierzeitpunkt noch nie. Mit einem Schnitt von 1,56 Toren pro Spiel liegt die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent auch weit hinter Italien 1990 zurück, als mit durchschnittlich 2,21 Treffern die bisher wenigsten Tore bei einer Endrunde erzielt worden sind.
Bei der WM 2006 in Deutschland konnten hingegen in den ersten 16 Spielen 39 Treffer bejubelt werden - dennoch wurde mit 2,30 Toren vor vier Jahren letztlich der zweitschlechteste WM-Schnitt erzielt.
Die FIFA sieht ihr Premiumprodukt trotz vieler langweiliger Spiele aber nicht in Gefahr. "Es ist zu früh, irgendwelche Schlüsse zu ziehen", lautet das Statement des Weltverbands. Das erste Spiel der zweiten Runde in der Gruppenphase (Südafrikas 0:3 gegen Uruguay) hob zwar den Torschnitt, konnte allerdings vom Spielniveau wohl nur wenige Fans von den Fernsehsesseln reißen.
Nur Deutschland gelang ein Kantersieg
Bis zur 0:3-Schlappe Südafrikas hatte nur eine einzige Mannschaft mehr als zwei Tore erzielt, nämlich Deutschland beim 4:0 über Australien. Mehr als zwei Tore in einem Spiel gab es außerdem bei Brasilien - Nordkorea (2:1). Sonst regiert der Minimalismus: Im ersten Viertel der insgesamt 64 WM-Partien gab es zwei torlose Spiele, fünfmal ein 1:0, fünfmal ein 1:1 und zweimal ein 2:0. Nur vier der 32 Teams haben beim ersten Auftritt mehr als ein Tor erzielt - neben Deutschland und Brasilien nur Südkorea und die Niederlande.
"Ich denke, dass alle Teams, die hier sind, effizient spielen müssen", sagte Brasiliens Trainer Carlos Dunga. Die Zauber-Kicker des Rekordweltmeisters haben den neuen internationalen Fußball-Kanon perfekt verinnerlicht. Strategischer Minimalismus wie beim 2:1 gegen Nordkorea bringt auch drei Punkte. Ein Trend zeichnet sich daher auf jeden Fall ab: Bedingungslose Offensive wird nicht als Erfolgsrezept angesehen, die meisten Teams laufen mit nur einer Spitze ein. Das 4-2-3-1-System wird wohl die WM bestimmen.
Stürmer mit Ladehemmung - kapitale Patzer der Goalies
Die Stürmer hatten bisher übrigens meist Ladehemmung. Erst das neunte WM-Tor wurde von einem Angreifer erzielt. Ghanas Asamoah Gyan traf gegen Serbien - per Elfmeter. Danach verteidigten die deutschen Stürmer Miroslav Klose und Cacau ihren "Berufsstand". Der Niederländer Dirk Kuyt zeigte immerhin sein Abstaubertalent, trotz der Treffer von Japans Keisuke Honda und des Slowaken Robert Vittek kamen die Stürmer erst zu sechs Treffern.
Noch weniger überzeugen konnten bisher nur manche Torhüter: Englands Schlussmann Robert Green griff bei seinem WM-Debüt im Spiel gegen die USA bei einem harmlosen Schuss von Clint Dempsey daneben und kostete seinem Team so zwei Punkte. Algeriens Torhüter Chaouchi legte nur einen Tag später einen ähnlich peinlichen Auftritt hin, als er im Spiel gegen Slowenien den Ball mit der Schulter zum 0:1 in die Maschen beförderte.
Bisher nur zwei Spiele ausverkauft
Nicht gerade prächtig ist bisher auch die Zuschauerstatistik, obwohl die Stadien natürlich über ein sehr großes Fassungsvermögen verfügen. Bisher fand neben dem Auftaktmatch Südafrika gegen Mexiko nur noch der Auftritt der deutschen Nationalelf gegen Australien vor ausverkauftem Haus statt. Bei vielen anderen Spielen blieben hingegen etliche Plätze frei.
Dennoch konnte man sich über die Geräuschkulisse wohl selten beschweren - dank "Nervtröte" Vuvuzela. Das mit 120 Dezibel geblasene Instrument ist damit bisher zum eindrücklichsten Erlebnis der WM 2010 geworden. Hoffentlich bleibt es nicht das einzige...
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