Verkehrsstörend

Wirrer Schilderwald: 260.000 Schilder und Plakate in Tirol

Tirol
13.06.2010 09:37
Tirols Straßennetz umfasst rund 1.200 Kilometer Bundesstraße, 1.200 Kilometer Landesstraße und 170 Kilometer Autobahn. Entlang der Strecke stehen rund 130.000 Verkehrszeichen und nochmals so viele Werbetafeln. Verkehrsexperte Hannes Müller kritisiert: "Der Schilderwald ist viel zu dicht und gehört ausgeholzt."

Der Kampf der Verkehrsexperten des Tiroler Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) gegen den Schilderwald dauert schon Jahrzehnte. Bereits 1995 hatte der damalige KfV–Chef Max Gheri im "Krone"-Interview wörtlich gefordert: "Es müssten zwei Drittel der Schilder verschwinden, damit sie überhaupt noch wahrgenommen werden können." Tatsächlich sind es seither mehr geworden!

Nur 6 von 10 Schildern werden wahrgenommen
"Der Schilderwald verwirrt die Autolenker", sagt Hannes Müller vom KfV und begründet: "Pro Sekunde hat das menschliche Auge zwei Millionen Wahrnehmungspunkte im Blickfeld. Davon sind aber nur 160 verarbeitbar und überhaupt nur 16 gehen bewusst ins Gehirn. Schon bei einem sehr geringen Tempo von beispielsweise 40 km/h hat der Verkehrsteilnehmer bei dichter Zeichenfolge Informationslücken. Selbst ein erfahrener Autolenker, der schon seit Jahrzehnten fährt, kann unseren Untersuchungen zufolge nur rund 60 Prozent der Zeichen bewusst wahrnehmen."

Viele Verkehrsschilder Jahrzehnte alt
Vor lauter Bäumen sieht kein Mensch mehr den Wald: Das seit Jahren versprochene Abholzen der Verkehrsschilder findet nicht statt. Im Gegenteil: Neue werden montiert. Müller fällt dazu ein: "Nur selten wird Rücksprache mit den Experten gehalten. Der Verkehrsfluss funktioniert eigentlich nur noch deshalb, weil der Autofahrer die vielen Hinweise selektiv wahrnimmt und darauf reagiert." Bei einer Überprüfung von Verkehrszeichen kamen die KfV–Experten darauf, dass "jedes natürlich seine eigene Geschichte hat – aber die kann bis zu 30 Jahre alt sein und gehört neu geprüft, ob sie heute noch ihre Berechtigung hat."

Während bei der Menge der Verkehrszeichen nicht gespart wird, werden Bodenmarkierungen spärlich eingesetzt. Doch gerade sie würden auf Landesstraßen mehr bringen als der Schilderwald!

von Günther Krauthackl, Tiroler Krone

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