04.10.2019 13:07 |

Unentdecktes Juwel

Laos: Eine Flusskreuzfahrt auf dem Mekong

Atemberaubende Natur, ehrliche Gastfreundschaft und ein Hauch von göttlicher Ruhe dominieren die Flusskreuzfahrt auf dem Mekong und laden zur Entdeckungsreise in Laos ein.

Sabaidi in Laos! Eine Flusskreuzfahrt auf dem Mekong ist mehr als eine Reise in die Ferne. Die Wasserstraße Asiens beeindruckt mit wunderschönen Landschaften und unvergesslichen Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Aber die vermeintlich langsame Strömung des Flusses und das Boutique-Schiff „Mekong Pearl“ laden auch zum Entspannen ein. Die perfekte Kombi für abenteuerlustige Gäste, die zwischendurch Zeit für sich brauchen.

Dass die Uhren bei den Laoten anders beziehungsweise gar nicht ticken, spürt man als Reisender, wenn man entlegene Dörfer besucht, die noch nicht ans Stromnetz angebunden sind. Die Sonne treibt die Menschen auf die Reisfelder hinaus, und der Mond führt sie wieder in die Holzhäuser zurück. Doch wer Gast auf der „Mekong Pearl“ ist, hört auf das helle Klingeln einer Glocke und den Gongschlag. Sie ertönen nur dann, wenn sich die Passagiere für einen Ausflug fertig machen müssen oder das köstliche Essen bereit steht. Eigentlich auch die einzigen Dinge, die man im Urlaub wissen muss.

Nachdem die „Mekong Pearl“ die Grenzregion von Laos, Thailand und Myanmar, das „Goldene Dreieck“, durchquert hat, liegt sie für ganze zwei Tage in Lunang Prabang, der ehemaligen Kaiserstadt. Goldene Tempelanlagen, nette Lokale und Boutiquen laden zum Flanieren ein. Der Schein von riesigen Buddha-Statuen und melodische Gesänge strömen aus den heiligen Stätten. Besucher, die ihre Schuhe ausziehen, können sich diesem Ritual anschließen und die Atmosphäre hautnah erleben. Lust auf authentisches Touristen-Programm? Dann ist der tägliche Nachtmarkt auf der Hauptstraße der 50.000-Einwohner-Stadt, die zum Weltkulturerbe zählt, ein Fixtermin.

Handgemachte Elefanten-Stofftiere, selbstgewebte Tücher und geschöpfte Notizbücher gehören ins Sortiment der unzähligen Händler. Eigentlich wird den Urlaubern geraten zu verhandeln. Rechnet man aber von Kip in Euro um und zählt die investierten Stunden in das Handwerk dazu, sind die Souvenirs mehr als günstig: Zwei Tage lang webt eine Laotin an einem Schal mit aufwendigem Elefanten-Muster und verlangt dafür sechs Euro. Dennoch ertappt man sich selbst immer wieder beim Feilschen. Ein Besuch in der einstigen Residenz der Royals, die jetzt ein Nationalmuseum ist, gehört auch zu jedem guten Touristenprogramm dazu. Fahrzeugliebhaber werden beim Anblick der Autosammlung garantiert weiche Knie bekommen.

Besonders beeindruckend ist in Luang Prabang der Bettelgang der Mönche um 5 Uhr morgens. 300 Männer gehen in ihren orangen Outfits kilometerlang durch Orte und sammeln von den Gläubigen Essen. Vor allem kleine Fäuste voll mit gekochtem Reis landen in den Töpfen der heiligen Männer. Am Ende teilen sie ihre Gaben vor dem Tempel. Während dieser Zeremonie herrscht absolutes Sprechverbot! Also kein „Sabaidi“ an die zum Teil verschlafenen Mönche.

Diesen einfachen Gruß sollte man sich als Tourist bereits vom ersten Tag an merken, denn wer das Land entdecken will und abgelegene Dörfer besucht, wird mit diesem Wort willkommen geheißen und kann mit einem laotischem Hallo gleich ein wenig Freundlichkeit zurückgeben. „Mekong Pearl“-Reisende besuchen nämlich auch das Dorf der Hochlandlaoten „Hmong“, die sich am Mekong angesiedelt haben. Bereits wenn das Schiff anlegt, herrscht bei den kleinen Bewohnern große Aufregung. Touristenbesuche dienen den Kindern quasi als Fernseh- und Internetersatz, denn Strom gibt es hier keinen.

Als westlich sozialisierter Mensch fragt man sich immer wieder, ob die Dorfbewohner mit ihrem einfachen Lebensstil überhaupt zufrieden und glücklich sein können. Doch etwas Bewundernswertes strahlen die „Hmongs“ aus. Nach dem Motto: Ihr besitzt zwar eine Uhr, wir aber haben die Zeit. Meldet sich das schlechte Gewissen immer noch, dann kann man sich zum Beispiel an einer Spendenaktion für die vielen Kinder beteiligen.

Wenige Kilometer von diesem Dorf entfernt, lädt der Kuang-Si-Wasserfall zu einer Abkühlung ein. Das Naturspektakel breitet sich über mehrere Terrassen aus und ist die perfekte Fotokulisse für Grüße an die Daheimgebliebenen. Vor allem am Vormittag kann dort noch in Ruhe gebadet werden, denn ab Mittag strömen die Touristenbusse aus der ehemaligen Kaiserstadt zum türkis-blauen Highlight. Einer von vielen Pluspunkten, mit der „Mekong Pearl“ das Land zu bereisen, ist nämlich, dass man die Sehenswürdigkeiten ohne Andrang besichtigen kann. Wer die Tausenden Buddha-Statuen in der überschaubaren Pak-Ou-Höhle besucht, ist froh um diesen Vorteil.

Ein einzigartiges Erlebnis für alle Touristen ist die Freundschaftszeremonie im Dorf Ban Kok. Ein Schamane segnet weiße Bänder, die anschließend von den Dorfbewohnern an die Hände der Besucher gebunden werden. Bevor der Schmuck wieder aufgeknüpft und in den Mekong geworfen wird, sollten sie drei Tage lang getragen werden. So sagen es zumindest die Geister, denn die laotischen Völker gehören dem Animismus an und glauben daher nicht an Buddha, obwohl im Dorf ein Tempel steht. Für die Laoten gleicht dieser Akt fast einem Kirchtag, denn sie kommen nicht einfach mit ihrer Alltagskleidung, sondern putzen sich so richtig heraus. Ein weiterer Grund für das Sonntagsoutfit ist die Grillerei mit den Gästen auf einer Sandbank.

Als Abschluss der Mekong-Reise gibt es nicht nur skurrilerweise Bratwurst, sondern auch laotische Spezialitäten wie Reisschnaps. Wer glaubt, dass es sich hierbei um ein „Wasserl“ handelt, der hat sich getäuscht. Der Weg über die weiche Sandbank zum Boot bietet so einige Stolperfallen für ungeübte Landgänger. Aber wer weiß, vielleicht haben die Geister dem braun-grauen Schlamm des Mekongs verjüngende Wirkung verliehen ...

Katharina Pirker, Kronen Zeitung

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