12.09.2019 14:36 |

Künstliche Intelligenz

Geisterarbeit: Wo Menschen für Maschinen schuften

Künstliche Intelligenz (KI) ist in der IT der Werbeschmäh der Gegenwart. Sprachassistenten, Smartphones, Fernseher, ja selbst Haushaltsgeräte werden mit künstlicher Intelligenz angepriesen, um Nutzer- und Verkaufszahlen zu steigern. Die jüngsten Berichte über Menschen, die Anfragen bei Amazon Alexa, Google Assistant und anderen Diensten abtippen, zeigen aber: So intelligent, wie die Hersteller das verkaufen, sind Computer oft noch gar nicht. Vielmehr wird oft das Werk von Menschen als KI ausgegeben. Eine Microsoft-Forscherin nennt das Geisterarbeit.

Mary Gray, Forscherin bei Microsoft Research, hält die Versprechungen der IT-Industrie im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz für stark übertrieben. Tatsächlich verkaufe man allzu oft ganz normale menschliche Arbeit als Werk Künstlicher Intelligenz, kreidet sie an.

Darüber hat die Forscherin gemeinsam mit dem Informatiker Siddharth Suri ein Buch geschrieben, das den Titel „Ghost Work: How to Stop Silicon Valley from Building a New Global Underclass“ geschrieben. Mit dem IT-Magazin „Technology Review“ hat sie über ihre Thesen gesprochen.

„Beteiligung des Menschen wird gelöscht“
Im Interview sagt sie: „Für mich ist der dramatische Wandel, dass wir noch nie so viele Industrien hatten, die Leiharbeit als Automatisierung verkaufen - und so tun, als sei wirklich überhaupt keine Person mehr an dem Prozess beteiligt.“ Die Beteiligung jener meist auf Provisionsbasis beschäftigten Arbeiter, die für IT-Konzerne die Aufgaben angeblicher KI erledigen, werde gelöscht. Der Mensch wird zum Geisterarbeiter, der dem Computer zuarbeitet.

„Das spiegelt nicht wider, wie wichtig die Person ist“
„Das Problem ist, dass die Arbeitsbedingungen nicht widerspiegeln, wie wichtig die Person für diesen Prozess ist. Das verringert den Wert ihrer Arbeit und schafft unhaltbare Bedingungen“, sagt Gray. Über die IT-Konzerne sagt sie: „Wir haben eine Wirtschaft aufgebaut, die sich auf vorübergehend Beschäftigte stützt. Auftragnehmer füllen nicht mehr nur die Löcher. Das ist radikal. Der klassische Bürojob ist im Begriff, eliminiert zu werden.“

Das Problem: Der Mensch, dessen Arbeitsleistung als Werk einer Maschine verkauft wird, droht unter die Räder zu kommen. Gray: „Eine Übersetzung labeln, Trainingsdaten für Algorithmen bereinigen oder Inhalte moderieren, all diese Tätigkeiten erfordern einiges an Intelligenz und Aufmerksamkeit. Aber wir wissen nicht, wie wir das bewerten sollen.“

Auch „Geisterarbeiter“ brauchen Urlaub und werden krank
Damit der Mensch nicht zum auf Freiberuflerbasis zum Geisterarbeiter für eine intelligente Maschine werde, brauche es eine Rückbesinnung auf alte Tugenden. „Sie brauchen ein paar Dinge: Zugang zur Gesundheitsversorgung, bezahlte Freistellung, Zugang zu gesunden Arbeitsplätzen, zu Kollegen und zu Weiterbindungsangeboten.“ Nur so sei es möglich, sich zu organisieren, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und Neues zu lernen.

„Geisterarbeiter“ können sich nicht organisieren
Der Geisterarbeiter, der heute für Amazon, Google und andere IT-Konzerne Audioschnipsel abtippt, die irgendjemand dem Sprachassistenten des Unternehmens vorgesagt hat, haben diese Möglichkeiten oftmals nicht. Sie sitzen, global verteilt, zumeist allein zuhause vor dem Rechner und arbeiten auf Provisionsbasis Aufgaben ab. Obwohl sie eine tragende Rolle bei der Funktionalität angeblich künstlich intelligenter Systeme spielen, sind sie für den User nicht sichtbar - und für den Arbeitgeber austauschbare Hilfskräfte.

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