Eine ältere Dame adjustiert ihre Ohropax während sich ihre Lippen textsicher mitbewegen. Ein Bankertyp erzählt seiner Sitznachbarin, dass Sänger Adel Tawil stets ohne seine schüchterne Mitstreiterin Annette Humpe tourt. Zwei aufgebrezelte Mädels können sich nicht entscheiden, ob sie mitkreischen oder mit den Burschen in der Reihe hinter ihnen kokettieren sollen. Und ein Eso-Freak setzt das erste Mal zum Mittanz-Ritual an.
Konsensband der Stunde
Ein Blick in das Publikum bei der Eröffnungsnummer des Konzerts in der Grazer Stadthalle ließ keine Zweifel offen: Ich+Ich ist die Konsensband der Stunde - der Erfolg des Duos unterstreicht diese Hypothese. Mit niederschwelligen Texten über das Gute im Menschen und gefälligen Melodien haben sie einen Mix gefunden, der in Zeiten der allgegenwärtigen Krise Sicherheit verbreitet. Ich+Ich ist Poptimismus pur.
Instrumentale Bescheidenheit und eine Fokussierung auf Tawils vor allem in den stillen Momenten famose Stimme sind die Ingredienzien, durch die zumindest eine Hälfte des Konzerts wirklich sympathisch geriet. Zwischendurch wurden jedoch immer wieder Nummern derart mit Sound und einer überkandidelten Lichtshow voll gepfropft, dass sie von der eigenen Fülle überrollt wurden. Das verwirrte dann nicht nur die Seniorin, sondern auch den Esoteriker, der dazu schlicht keinen Tanzrhythmus fand. Und die Teenies mussten bei ihrem Flirt derart brüllen, dass sie wohl heute noch heiser sind.
von Christoph Hartner, "Steirerkrone"
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