06.08.2019 08:00 |

Forschungshochburg

Roboter-Autos kurven auf steirischen Straßen

Der Mensch hinterm Lenkrad liest, arbeitet, schläft – und das Auto fährt ganz von alleine. Eine Vision, an der weltweit Firmen und Forscher arbeiten, intensiv auch in der Steiermark, in Österreichs Testregion für selbstfahrende Autos. Eine Mega-Herausforderung: Sie sollen sich im Verkehr so verhalten wie menschliche Lenker.

Der Wagen des Paketzustellers steht in der ersten Spur, das kann dauern. Auto für Auto überholt, eines bleibt stur stehen. Es hat keinen menschlichen Fahrer, wird von einem Rechner gesteuert – und hält sich strikt an die Verkehrsregeln.

Ein fiktives Beispiel, mit dem Jost Bernasch verdeutlicht, welche Problemstellungen noch gemeistert werden müssen, bis automatisierte Fahrzeuge tatsächlich unser Straßenbild prägen: „Wie verhalten sie sich korrekt, aber auch sinnvoll?“

Bernasch ist Geschäftsführer von Virtual Vehicle. Das Grazer Forschungs- und Entwicklungszentrum ist neben Firmen wie Magna und AVL ein steirischer Motor im Bereich autonomes Fahren – ein globaler Mega-Trend, der unsere Gesellschaft grundlegend verändern könnte.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen fünf Stufen. Stufe 2 sind gängige Assistenzsysteme im Wagen. Stufe 5 wäre das tatsächlich fahrerlose Fahren. Dazwischen liegt Stufe 3 – und die hat es in sich: Das Auto fährt prinzipiell selbstständig, der Mensch soll aber, gerade bei Gefahr, eingreifen. Dieses Zusammenspiel ist eine große technische Herausforderung, an der auch in der Steiermark geforscht wird.

„Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Fahrzeugs ist wichtig“, sagt Bernasch. Das autonome Auto soll sich am besten so verhalten, wie es auch Menschen tun würden, etwa wenn entgegenkommende Fahrer durch Handys abgelenkt sind. Dazu wurde heuer ein neuartiger Fahrsimulator eröffnet, der das menschliche Verhalten in verschiedenen Verkehrssituationen erfasst. Von diesen Daten lernen dann die selbstfahrenden Autos.

400 Kilometer Autobahn sind schon digitalisiert
Doch getestet soll nicht nur virtuell werden, sondern auch auf den realen Straßen. 2017 wurde die Steiermark zu einer Testregion ernannt (Alp.Lab). Vorerst gilt die Konzentration den Autobahnen: 400 Kilometer sind laut Gerhard Greiner von Alp.Lab schon digitalisiert, „zentimetergenau mit allen Bodenmarkierungen“.

Im Abschnitt Graz-West bis Laßnitzhöhe gibt es zusätzliche Sensoren. Greiner: „Wir beobachten den realen Verkehr, um ihn besser simulieren zu können.“ Je realistischer die Simulation ist, umso besser sind die Roboter-Autos auf den echten Verkehr mit seinen Millionen möglichen Situationen vorbereitet. Der Schritt auf die Straße selbst ist ein großer. Vereinzelte Manöver wurden auf den Autobahnen schon getestet. In Österreich ist der Rahmen des Erlaubten im Vergleich zu anderen Ländern allerdings sehr eng.

Dabei wären die Forscher für den nächsten Schritt schon bereit: die Stadt mit ihrem noch viel komplexeren Verkehr. Wieder wären große Datenmengen von Kreuzungen und Straßen notwendig, um den Verkehr simulieren zu können. Freiwillige Städte vor...

Jakob Traby
Jakob Traby
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