Di, 21. Mai 2019
11.05.2019 06:00

Jobs entscheidender

Armutsbekämpfung: Ein Tropfen auf dem heißen Stein

Mit neuer Steuerreform, Familienbonus, Mindestsicherung etc. soll die Zahl der 1,2 Millionen Armen weiter sinken. Entscheidender allerdings sind Jobs. Arm ist laut Statistik, wer maximal 60% des in Österreich üblichen mittleren Haushaltseinkommens hat. Für eine Person sind das 1259 Euro monatlich, für zwei Erwachsene plus zwei Kinder 2643 Euro. Nach dieser Definition gelten 1,23 Millionen Menschen oder 14,3 Prozent der Bevölkerung als arm; im Europavergleich relativ wenige (siehe Tabelle) und immerhin 187.000 weniger als noch 2008.

Laut EU-Ziel müssten bis 2020 weitere 50.000 Personen aus dieser Gruppe herausfallen. Der schon geltende Familienbonus sowie die Steuerreform (Senkung der Steuerstufen sowie des Sozialversicherungsbeitrages) sollen gezielt Kleinverdienern dabei helfen.

„Laut unserer bisherigen Simulation hat die Senkung der Sozialbeiträge für Geringverdiener eine relativ starke Wirkung für Teilzeitkräfte, sonst wird man sie nicht groß sehen. Außerdem wird Armutsgefährdung nach dem Haushaltseinkommen bestimmt, bei mehreren Personen in der Familie verwässert sich der Effekt daher“, weiß Wifo-Expertin Silvia Rocha-Akis.

Überdurchschnittlich viele Haushalte mit Kindern unter 10 betroffen
Haushalte mit Kindern unter zehn Jahren seien somit überdurchschnittlich, jene mit Kindern über 18 unterdurchschnittlich von Armut betroffen. Weiters gelten die Entlastungen großteils Berufstätigen, die Steuern zahlen. „Von den Erwerbstätigen sind aber nur neun Prozent armutsgefährdet, bei den Arbeitslosen ist der Anteil hingegen viereinhalb Mal so groß.“

Automatisch mehr Arme bei steigenden Bezügen Langzeit-Beschäftigungslose, Frauen, Pflichtschulabsolventen sowie Nicht-Österreicher haben jedenfalls ein überproportional hohes Armutsrisiko.

Dazu kommen Tücken der Statistik: Wenn etwa dank Steuersenkung die Netto-Bezüge der Berufstätigen steigen, dann steigt auch die 60%-Schwelle, und mehr Menschen mit geringem Einkommen (Arbeitslosengeld usw.) gelten dann automatisch als arm. Rechnet man noch die laut Prognose künftig etwas höhere Arbeitslosenrate, dann dürften die Steuer-Maßnahmen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben.

„Das wichtigste Mittel zur Armutsbekämpfung bei Arbeitsfähigen ist der Arbeitsmarkt. Durch Bildung und Weiterbildung die Chancen zu heben ist der größte Hebel“, meint Silvia Rocha-Akis.

Christian Eebert, Kronen Zeitung

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