Mo, 20. Mai 2019
08.05.2019 11:50

110.000 Euro weg!

Love Scam im Netz: Frau überwies alle Ersparnisse

Sie wollen nicht mehr einsam sein und träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Was spielt Geld da schon für eine Rolle. Doch Vorsicht: Skrupellose Betrüger sind auch im Internet unterwegs. Als Romance- oder Love- Scamming wird die Masche bezeichnet, mit der sich die vermeintlichen Freunde erst das Vertrauen und dann das Geld und die Daten des ausgesuchten Opfers erschleichen. Nicht selten bleiben dabei verzweifelte Frauen oder Männer mit „gebrochenem Herzen“ und leerem Konto zurück, wie ein aktueller Fall aus Deutschland zeigt.

Ein seriöses Foto, Komplimente, Aufmerksamkeit, vielleicht sogar falsche Liebesbekundungen. Betrüger machen vor nichts Halt, um ihre potentiellen Opfer um den Finger zu wickeln. Erst das harmlose Geplänkel über die Familie, über verstorbene Ehepartner und die Zukunftsplanung, dann die plötzlich auftretende Notsituation. Es wird Geld für eine dringende Operation benötigt, die Schulden für eine Immobilie des verstorbenen Mannes drücken oder das Flugticket für einen Besuch will bezahlt werden. Am Ende haben die gut organisierten Betrüger dabei nur ein Ziel: Ihre Opfer, die im Internet auf der Suche nach einer Freundschaft oder der neuen Liebe sind, in eine emotionale Abhängigkeit zu locken und ihnen letztlich das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Frau überwies alle Ersparnisse
So jetzt geschehen im hessischen Marburg: Der Kontakt der Geschädigten zu dem vermeintlichen US-Soldaten erfolgte bereits im Februar dieses Jahres über ein Internet-Portal. Dem mutmaßlichen Betrüger gelang es in der Folgezeit die 61-Jährige davon zu überzeugen, dass er in einer Notlage sei. In der Hoffnung auf eine Liebesbeziehung ließ die Frau alle Bedenken fallen und überwies in den nächsten Wochen auf Konten ins Ausland ihre gesamten Ersparnisse. Der Schaden beläuft sich auf etwa 110.000 Euro! Das Geld wird laut Polizei wohl für immer verschwunden bleiben.

Täter hochprofessionell
Nicht selten haben es die Betrüger aber auch auf die Daten der Opfer abgesehen. Kopierte Ausweispapiere und Co. verwenden sie dann, um Verträge auf den Namen der Opfer abzuschließen. Auch als Warenagenten setzen manche Betrüger ihre Opfer ein. Sie empfangen Pakete oder Waren und sollen diese ins Ausland an den vermeintlichen Freund weiterschicken.

In der Regel handelt es sich um hochprofessionelle Banden, die bestens geschult sind, das Opfer um die Finger zu wickeln und intimste Informationen zu erfragen. Da die Täter meist im Ausland sitzen, gestalten sich die Ermittlungen der Behörden entsprechend aufwendig und schwierig. In fast allen Fällen sehen die Opfer ihr Geld nie wieder.

So erkennen Sie Liebesbetrüger
Die Täter sprechen oft gut Englisch. Wer auf deutschsprachigen Singleportalen mit einer kurzen, unpersönlichen Nachricht in englischer Sprache zum Chatten eingeladen wird, sollte laut Polizei hellhörig werden. Wenn sich der Partner dann auch noch als US-Soldat vorstellt, der gerade in Afghanistan im Einsatz ist, sollten alle Alarmglocken schrillen, denn eben diese Masche kommt derzeit häufiger vor.

Die Profilbilder der Tatverdächtigen stammen häufig aus dem Internet, sind unscharf und nur in kleiner Auflösung vorhanden und haben mit dem mutmaßlichen Betrüger nichts zu tun. Beim Chatten überhäufen die Betrüger ihr Opfer mit Liebeserklärungen und Komplimenten und stellen ein gemeinsames Leben oder gar eine Hochzeit in Aussicht. Nicht selten bezeichnen die Täter das Opfer als „Ehemann oder Ehefrau“.

Schnell wird dann eine Verbindung in das Ausland hergestellt: Entweder der Partner ist bereits im Ausland oder er muss aus dringenden beruflichen oder familiären Gründen dort hin. Die „Scammer“ haben häufig eine Verbindung nach Westafrika und bitten um Geld, die Eröffnung eines gemeinsamen Kontos, den Versand von Päckchen oder um Ausweiskopien. Ein Tipp: Um einen ersten Verdacht zu bestätigen, kann man den Namen des Internetkontaktes mit dem Zusatz „Scammer“ in eine Suchmaschine eingeben.

Bleiben Sie skeptisch
Tipps der Polizei: Bleiben Sie skeptisch und sagen Sie „Nein“, wenn die Internet-Liebe Geld oder Daten fordert. Betrüger finden für alles eine Ausrede, auch wenn angeblicher Wohnort, Zielort und Adressat des Geldes unterschiedlich sind. Um einen ersten Verdacht zu bestätigen, kann man den Namen des Internetkontaktes mit dem Zusatz „Scammer“ in eine Suchmaschine eingeben.

Werden Sie zudem nicht zum „Zwischenhändler“ für Waren, es besteht die Gefahr, dass Sie sich selbst strafbar machen. Und: Scheuen Sie sich nicht die Polizei zu verständigen, wenn Sie Zweifel haben oder bereits auf einen Betrug reingefallen sind.

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