Ulli S. hatte an einem Firmenausflug auf das Lachtal teilgenommen. Mit ihren Begleitern Ingrid B. (45) und Jürgen F. (32) fuhr die Top-Skifahrerin zweimal mit dem Sessellift, als sich das Wetter dramatisch verschlechterte: "Es hat geschneit, und es war nebelig. Da haben wir die Abfahrt 2 in die Zinkenschlucht gewählt. Zweimal hab ich ein Taferl mit der Wegbeschreibung gesehen, dann keinen Hinweis mehr."
Die Obersteirerin und ihre Freunde bekamen bald Unterstützung: "Acht Grazer Studenten wollten auch ins Tal. Wir haben beschlossen, miteinander abzufahren. Den Ernst der Lage hat keiner von uns erkannt..."
"Wie waren zu elft im Nirgendwo"
Ulli S. und ihre Begleiter fanden das zufällige Zusammentreffen auf der Piste interessant: "Keiner von uns hat da den Ernst der Lage erkannt. Wir waren halt zu elft im Nirgendwo und haben uns entschieden, dass wir runter müssen. Ich hab mit meiner Chefin, die in einer Hütte gesessen ist, telefoniert und ihr erklärt, warum wir später zum Essen kommen würden. Meine Chefin hat sich viel mehr Sorgen gemacht als wir."
Anführer der achtköpfigen Grazer Gruppe war der Technikstudent Georg G. (20): "Er ist vorausgefahren, hat die Lage für uns erkundet und uns Zeichen gegeben, wann es weitergeht." Die Gruppe wusste nicht, dass sie sich in den zur Gemeinde Pusterwald gehörenden Fuchsgraben verirrt hatte - einen Steilhang, dem geübte Alpinisten sogar im Sommer ausweichen. Vor den Augen von Ulli S. griff Georg G. gegen elf Uhr zum Handy: "Er hat kurz mit der Lachtal-Betriebsgesellschaft telefoniert und dann gesagt: 'Es geht weiter, ganz langsam.'"
"Gegen die Wucht einer Lawine bist du chancenlos"
Fünf Minuten später folgte ein mächtiges Rauschen: "Ich hab die Ingrid schreien gehört: 'Ulli, Lawine!' Da bin ich schon mitgerissen worden. Ich hab Äste gespürt, wollte mich festhalten, aber gegen die Wucht einer Lawine bist du chancenlos." Die Steirerin war bis zur Brust verschüttet, aber sie lebte. Ebenso ihre Kollegen - aber nur noch sieben Studenten: "Erst später hab ich gehört, was mit dem jungen Grazer geschah. Er war zu schwer verletzt, er hat es leider nicht mehr geschafft."
von Manfred Niederl ("Steirerkrone") und steirerkrone.at
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