28.02.2019 07:00 |

Rhythmus der Gezeiten

Inseltraum Sansibar: Spaziergang mit Seestern

Inseltraum im Rhythmus der Gezeiten: Wenn sich auf Sansibar der Ozean zurückzieht, zeigt sich eine geheimnisvolle Meereswelt, die sich sogar zu Fuß erkunden lässt. Bunte Fische unter, weiße Sandstrände, Palmen und Gewürzfarmen über Wasser machen Sansibar zum idealen Zufluchtsort vor dem kalten Winter.

Inselurlaub und kein Meer in Sicht? Wenn sich rund um Sansibar das Wasser zurückzieht, ist für die Einwohner Schichtwechsel. Die Fischerboote sind auf Grund gelaufen. Die Besatzung hat jetzt Pause.

Statt Fischfang ist Erntezeit - auf den großen Seegrasfeldern direkt vor der Küste. Sie liegen eigentlich tief unter Wasser, bis die Ebbe die Pflanzen freigibt. In bunte Kanga-Tücher als Sonnenschutz gehüllt, machen sich die Frauen des Dorfes jetzt daran, die Pflanzen abzuernten. Später wird das Gras zu Nahrungsmitteln oder Kosmetika verarbeitet. Auch wenn der Lohn gering ist: Das als Kooperative organisierte Projekt soll Frauen im armen Land ein eigenes Einkommen ermöglichen.

Betreten nur mit allergrößter Vorsicht!
Mit den Gezeiten erschließt sich auch Sansibar-Besuchern eine einzigartige Möglichkeit. Im knöchelhohen Wasser, das jetzt in Türkis-, Blau- und Grüntönen schimmert, lässt sich der Meeresgrund sogar zu Fuß erkunden. Zwischen Seegrasfeldern und Riffen geht es vorsichtig ausschließlich über Sand Richtung offener Ozean.

„Passt auf, und steigt ja nicht auf die Riffe“, mahnt der Sansibari, der sich als Antonio vorgestellt hat und uns jetzt über das Watt einen Kilometer weit hinaus führt. Bunte Korallen, über 2000 Fischarten, leuchtende Seesterne, Muränen, Würmer, Krabben, Korallen – diesen maritimen Schatz gilt es rund um die Insel auf alle Fälle zu erhalten. Wehe dem, der sich hier ein Souvenir einsteckt – der Groll der Einheimischen ist ihm gewiss. Auch Strafen drohen. Denn Überfischung und Tourismus haben den Unterwasser-Kosmos Sansibars bereits in Gefahr gebracht.

Noch spektakulärer als beim Watt-Wandern mit Seestern und Nemo, wird es beim Abtauchen. Die mehrere 100 Kilometer langen Riffe, die dem Archipel vorgelagert sind, zählen bei Tauchern zu den Hotspots weltweit. Auch ohne Sauerstoffflasche – nur mit Schnorchel und Flossen – lässt sich die spektakuläre Unterwasserwelt bei Tages- und Halbtagesausflügen gut erkunden.

Zurück an Land, prägen entlang der Strände rund um Pwani Beach-Boys das Bild. Sie tragen die langen roten Roben und die Stöcke der Massai, der stolzen Stammeskrieger, die in Kenia und Tansania beheimatet sind. Anstatt auf Löwen haben es einige von ihnen aber eher auf das Geld der Touristen abgesehen. Ein mitunter nerviges „Spiel“, bei dem Gelassenheit gefragt ist. „Hakuna matata“ würde man auf Swahili sagen – es gibt keine Probleme; immerhin ist Urlaub. Also: Immer „pole pole“ – langsam, langsam.

50 Straßenkilometer von den Stränden Pwanis entfernt, im Westen der 1,3-Millionen-Einwohner-Insel, liegt die Hauptstadt Sansibar City mit der Altstadt Stone Town. Ein kultureller Schmelztiegel voller Gegensätze. Neben den Swahili haben vor allem Araber und Inder, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf das Eiland kamen, die Hauptstadt zum zentralen Handelspunkt im Indischen Ozean avancieren lassen. Prunkbauten der Sultane, Hindu-Tempel, Moscheen, kleine Basare, Häuser mit kunstvoll geschnitzten Holztüren, aber auch bröckelnde Fassaden, rostige Wellblechdächer - ein gewisser morbider Charme - prägen das Stadtbild.

Die unzähligen kleinen Gassen bilden ein Labyrinth, in dem es immer neue Details und Kleinode zu entdecken gibt. Von den „persischen Bädern“ über Museen und der Church of Christ bis zum angeblichen Geburtshaus des legendären Queen-Sängers Freddie Mercury. Da Teile der Stadt streng muslimisch geprägt sind, sollten Besucherinnen auf freizügige Kleidung verzichten. Auch im Bezug auf Homosexualität gelten strenge Regeln – noch strenger als im ostafrikanischen Tansania, zu dem die Insel gehört.

Auf den Märkten in Stone Town mischen sich die Gerüche von fangfrischem Fisch mit jenen von hier produzierter Seife, Nelken, Vanille und Muskat. Händler aus Südostasien, Arabien und Indien brachten alle möglichen Früchte und Gewürze schon vor langer Zeit auf das Eiland, das fortan als „Gewürz-“ und „Nelkeninsel“ bekannt wurde. Auch Pfeffer und Ingwer gedeihen prächtig.

Zurück am Strand von Pwani Mchangani, hat die Flut das Wasser zurückgebracht. Sansibari tauschen den Beach-Fußball wieder gegen Fischernetze und Urlauber die Pool-Liege gegen das Strandhandtuch. Jetzt ist endlich die Zeit für eine Abkühlung im Ozean.

Thomas Leitner, Kronen Zeitung

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