Di, 19. Februar 2019
14.01.2019 06:00

Neue Technologien

Digitale Revolution in der Medizin

Künstliche Intelligenz, Telemedizin oder Robotik werden das Gesundheitssystem und das Berufsbild des Arztes tiefgreifend verändern. Diesem Thema widmete sich ein Symposium der Österreichischen Ärztekammer.

Sprechende Smartphones, selbstfahrende Autos oder Roboter in Fabriken sind nichts Ungewöhnliches mehr. Im Rahmen des Symposiums „In-Fusion 2018“ der Österreichischen Ärztekammer im November vergangenen Jahres beschäftigten sich Experten mit Chancen und Risiken der neuen Technologien im Gesundheitsbereich sowie mit der Frage, ob wir bald keine Ärzte mehr brauchen.

Ärztlicher Rat aus der Distanz
Während jeden Tag Hunderttausende Patienten die Wartezimmer der Ordinationen füllen, versprechen Internet-Dienstanbieter den „besseren Arzt“ per Online-Service samt Video-Kopplung. Immer mehr Menschen nutzen digitale Angebote, um verschiedene Körperfunktionen wie Blutdruck, Blutzuckerspiegel oder Puls kontinuierlich zu messen. Informationen werden über Smartphone- oder Fitness-Apps zuhauf dokumentiert, medizinische Informationen wie Anamnese, Blutwerte oder Befunde in Arztpraxen direkt in Computersystemen erfasst. Die intelligente Verknüpfung dieser gewaltigen Datenmengen durch leistungsfähige Computersysteme birgt die Möglichkeit, ein ganzheitliches Bild der Gesundheit jedes einzelnen Menschen zu zeichnen. „Dies hat viele Vorteile, aber auch ein Missbrauchs- Potenzial. Beispielsweise könnte die Gefahr bestehen, dass Arbeitgeber oder Versicherungsanbieter den Zugang zu diesen Daten verlangen“, gibt Univ. Prof. Mag. Dr. Konrad Paul Liessmann, Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik, zu bedenken.

Eine vernünftige Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht die Behandlung von Patienten nicht nur in Kliniken und Ordinationen, sondern auch in entlegenen Regionen ohne Mediziner in der Nähe, zu Hause am Unfallort oder in Katastrophengebieten. Bei schwierigen Fällen kann eine medizinische Einbeziehung von Spezialisten mittels Telekonferenz erfolgen. Der ärztliche Rat aus der Distanz ist in vielen Ländern aufgrund geografischer Gegebenheiten längst Standard oder hilft, einen Ärztemangel zu kompensieren. In der Schweiz bieten Unternehmen bereits Telemedizin bzw. Beratungsservice mit Video-Ärzten rund um die Uhr, Rezepte für Halsweh, Rückenschmerzen etc. werden gleich elektronisch ausgestellt. „Bei uns ist Telemedizin etwa in Bereitschaftsdiensten gebräuchlich. Für eine Ausweitung auf diesem Sektor brauchen Ärzte jedoch mehr Rechtssicherheit, die Klärung von Haftungsfragen sowie die Entwicklung eines Honorarsystems“, erklärt Dr. Karl Forstner, Präsident der Ärztekammer Salzburg.

Mensch gegen Maschine
Der Einsatz von Maschinen im Gesundheitsbereich nimmt stetig zu. Roboter sind teilweise zu erheblich komplexeren sowie feineren Eingriffen fähig, und in der Diagnostik werden Ärzte bereits von der Technik übertroffen. Wie eine Studie der Universität Heidelberg (D) zeigt, stellte bei einem Versuch mit 100 Bildern von bösartigen Melanomen und gutartigen Muttermalen das Computerprogramm häufiger die richtige Diagnose als 58 Hautärzte (darunter 30 Spezialisten). An der MedUni Wien ist eine der neuesten Errungenschaften ein automatisches, digitales Netzhaut-Screening, um ohne Hilfe des Arztes Diabetes am Auge zu diagnostizieren. Dies führt allerdings nicht zur totalen Automatisierung. Die Algorithmen eignen sich nur für eingeschränkte Bereiche, sind für Probleme außerhalb von klaren Spielregeln zu komplex und mit derzeitigen Rechenleistungen nicht möglich. Es benötigt enormes Expertenwissen, um die Regeln/Parameter festzulegen, und die letzte Verantwortung liegt beim Menschen.

„Der Wandel wird vor allem Disziplinen betreffen, deren zentrale Aufgabe die Erkennung von Mustern und deren Interpretation ist, aber auch viele andere Bereiche herausfordern. Hier sollten wir uns die Frage stellen, ob Fachwissen und Fachkompetenz wirklich alles sind, was uns zu Ärzten macht. Wie sieht es mit Empathie und Einfühlungsvermögen aus? Entwickeln wir diese Dimension ausreichend? Die humanistische Dimension kann durch Algorithmen nämlich nicht ersetzt werden“, so Dr. Forstner.

Regina Modl, Kronen Zeitung

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