22.12.2018 06:00 |

Mentale Kraft

Fitness für die Psyche

Nicht nur unsere Muskeln brauchen regelmäßiges Training in Verbindung mit Ruhephasen. Nur so können sie stark und leistungsfähig bleiben. Das Gleiche gilt auch für die mentale Kraft. 

Die Bedeutung von körperlicher Fitness für die Gesundheit ist mittlerweile recht hoch bemessen. Psychische Leistungsfähigkeit hingegen wird noch zu wenig beachtet. „In der heutigen, auf ständige Erreichbarkeit ausgerichteten, Arbeitswelt ist es leider nicht angesagt, gezielte, regelmäßige Pausen zu machen und sich auf seine mentale Fitness zu konzentrieren“, erklärt Hubert Neuper. Der Sportmanager und ehemalige Skispringer war selbst von Burn-out betroffen. Nach seiner Sportlerkarriere arbeitete er als Pilot, dann Sporthilfe-Chef (rief die World Sports Awards ins Leben), organisiert nun den Skiflugweltcup am Kulm, betreibt eine Skischule und einen Skiverleih in Bad Mitterndorf, hält Vorträge sowie Seminare.

Gewinnen im Kopf
„Als Sportler habe ich gelernt, dass es wichtig ist, erst den Verstand zu beruhigen. Dies gelingt durch Übungen, bei denen ich mich auf das Atmen konzentriere. Dann kann ich mir den Zustand vorstellen, den ich haben möchte“, erläutert der 58-Jährige. „Mein Burn-out war die Folge davon, dass ich aufgehört habe, das Leben als fantastisch wahrzunehmen. Ich habe zugelassen, dass mein Verstand nur noch düstere Gedanken produziert.“Wie kann man verhindern, mental in „Schieflage“ zu geraten bzw. diese wieder ausgleichen? „Erster Schritt ist das Annehmen der Situation und erkennen, dass das gesamte Leben im Hier und Jetzt stattfindet. Ein weiterer Punkt ist, darüber zu reden. Dies löst nicht die Probleme, aber ändert den Blickwinkel. Man darf jedoch nicht erwarten, dass die Veränderungen von heute auf morgen eintreten.“

Mentales Training
Für das Erreichen der psychischen Stärke gelten die gleichen Faktoren wie beim Muskelaufbau: Training in Verbindung mit Erholungsphasen. Wer seinem Körper die Ruhe verwehrt, erreicht keine Verbesserung, sondern durch Überlastung nur das Gegenteil. „Für körperliche Fitness wird hierzulande anscheinend bestens gesorgt, und auch wenn man bereits psychisch krank ist, weiß man, wohin man sich wenden kann. Doch wer setzt vorher an, bei den vielen gesunden Menschen, die sich manchmal belastet fühlen?“, fragt Prof. Rudolf Öhlinger, Eigentümer der Anima-Mentis-Gruppe, die im Oktober 2018 das erste Vorsorgezentrum für Seelenfitness in Wien eröffnet hat. Hier erhalten die Kunden Anleitungen etwa für Stressmanagement, Achtsamkeit, Entspannung oder Ernährung, alles in entsprechender Atmosphäre.

„Ich mache täglich in der Früh nach dem Aufstehen ein Programm mit Dehnen und Atemübungen“, beschreibt Hubert Neuper sein mentales Training. „Danach kann ich den Tag mit einer positiven Einstellung beginnen. Jeder muss das richtige Werkzeug für sich selbst finden. Wichtig ist Kontinuität. Dabei reicht es z. B. schon, sich auf einen einzigen Atemzug zu konzentrieren.“

Regina Modl, Kronen Zeitung

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