17.12.2018 18:09 |

Würfe auf Tangente

Causa Rapid: Polizeivideos bergen neuen Zündstoff

Die Vorfälle rund um das Wiener Derby am Sonntag sorgen nach wie vor für rege Diskussionen. Nachdem die „Rechtshilfe Rapid“, der Verein selbst und etliche Betroffene über Twitter teils schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben, veröffentlichte die Exekutive Videomaterial vom Derbymarsch der Hütteldorfer.

„Der Einsatz wurde einer ersten Evaluierung unterzogen“, heißt es auf dem Twitter-Kanal der Wiener Polizei. „Um diesen Einsatz nachvollziehbar zu machen und Anschuldigungen zu berichtigen, werden wir Auszüge aus dem Einsatzverlauf veröffentlichen.“

Südosttangente bei Ankunft noch nicht gesperrt
In einem der Videos ist zu sehen, dass von Rapid-Fans während des Marsches sehr viel Pyrotechnik gezündet wurde. Zudem seien auch „angrenzende Häuser, Fenster und Geschäftslokale“ sowie „unbeteiligte Zivilpersonen“ beworfen worden. Womit geworfen wurde, geht aus dem Tweet nicht hervor.

Im zweiten Video wird einer der Vorwürfe gegen die Exekutive entkräftet: Die sogenannte Rechtshilfe Rapid behauptete am Sonntag, die Südosttangente sei schon gesperrt gewesen, als der Fanmarsch eintraf. Dass Rapid-Fans die Verkehrsbehinderung herbeigeführt hätten, war laut „Rechtshilfe Rapid“ eine „bewusste Falschmeldung“.

Im Video ist nun zu sehen, wie von der Brücke Schneebälle auf die befahrene A23 geworfen werden. „Um mögliche schwere Verkehrsunfälle und gefährliche Situationen zu vermeiden“, sei die Sperre veranlasst worden, erklärt die Polizei.

„Rechtshilfe Rapid“ erneuert in Stellungnahme Kritik
In einer „Stellungnahme zum gestrigen Polizeiskandal“ übt die „Rechtshilfe Rapid“ am Montag erneut heftige Kritik am Vorgehen der Polizei. Schnee auf die meistbefahrene Autobahn Österreichs zu werfen sei zwar „nicht sonderlich intelligent, (...) inwiefern ein paar geworfene Schneebälle dafür geeignet sind, einen derart folgenschweren Einsatz auszulösen“, sei jedoch „fraglich“.

Nachdem anfänglich behauptet wurde, die A23 sei bei Eintreffen des Marsches bereits gesperrt gewesen, wird nun kritisiert, dass dies erst geschehen sei, als der Marsch an der Brücke ankam. Schließlich sei es gängige Praxis, die Südosttangente an der Stelle zu sperren, bis Auswärtsfans auf ihrem Weg in die Generali Arena vorbeimarschiert sind.

„Eskalation im Bereich des Stadions war zu erwarten“
Für die Exekutive war „aufgrund der vorliegenden Strafrechtsdelikte sowie aufgrund des aggressiven Verhaltens vieler Fans zu diesem Zeitpunkt eine Eskalation im Bereich des Stadions geradezu zu erwarten“, weshalb der Marsch angehalten wurde. Für vorsätzliche Gemeingefährdung könnten die Verdächtigen mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.

Um 15.43 Uhr folgte laut Polizei eine Durchsage über die Gründe der Anhaltung und das geplante weitere Vorgehen. „Anwesende führende Fangruppierungen schließen ein Mitwirken für sich und alle anderen Anwesenden aus“, erhebt die Exekutive Vorwürfe gegen die organisierte Fanszene.

Auch nach Einwirken von Mitarbeitern des SK Rapid hätten sich viele Fans geweigert, sich auszuweisen, wird weiter berichtet. Frauen, Kinder und gebrechliche Personen seien von der Polizei bevorzugt behandelt worden. Entsprechende Durchsagen hätten jedoch „ablehnende Rufe“ zur Folge gehabt.

Berufsfeuerwehr versorgte Fans mit warmen Getränken
Wie weiter erklärt wird, sei auch die Berufsfeuerwehr zur Hilfe gerufen worden, um die angehaltenen Fans mit warmen Getränken zu versorgen. Schon davor sei Trinkwasser verteilt worden. Hier und auch in anderen Punkten widersprechen die Tweets der Polizei jenen der eingekesselten Personen und der „Rechtshilfe Rapid“.

„Der gesamte Einsatz zu #fakSCR wurde durch eine Kommission der Volksanwaltschaft begleitet. Diese wird ebenfalls in weiter Folge einen dbzgl. Bericht legen“, heißt es in einem abschließenden Tweet.

Ort der Einkesselung sorgt für Kritik
Das Protokoll und die Videos entkräften einige Vorwürfe des Rapid-Anhangs. Ob jedoch der optimale Ort für die Einkesselung gewählt wurde - die Südosttangente war immerhin nach wie vor in unmittelbarer Nähe und hätte weiterhin beworfen werden können - sei dahingestellt. „Es ist geradezu hanebüchen, die Fans in genau diesem Gefahrenbereich festzusetzen und sie stundenlang oberhalb der Autobahn einzusperren“, schreibt die „Rechtshilfe Rapid“ in ihrer Stellungnahme.

Im Video: Rapid-Boss Krammer übt heftige Kritik an der Polizei

Auch Rapids Präsident Michael Krammer äußerte Kritik an der Exekutive, nachdem er sich am Sonntag selbst ein Bild von der Lage gemacht hatte. Fraglich ist, ob das zu einer Beruhigung der Lage beitragen wird. Krammer erneuerte seine Kritik in einer Pressekonferenz am Montag noch einmal und stellte in den Raum, dass das Vorgehen der Polizei schon im Vorfeld geplant gewesen sein könnte.

Pilz kündigt parlamentarische Untersuchung an
Auch Peter Pilz von der Liste Jetzt äußerte Kritik am Vorgehen der Polizei. Auf Facebok kündigte er an, eine parlamentarische Untersuchung anzustreben. Pilz und auch Peter Kolba äußern den Verdacht, dass es sich bei der Einkesselung um eine geplante, vorbereitete Aktion der Polizei gehandelt haben könnte.

Auch Pilz will nun „genau prüfen“, ob der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit missachtet worden sei. In seinem Posting mahnt er, dass die Abgeordneten dafür sorgen müssten, „dass über die Polizei nicht die Scharfmacher das Kommando übernehmen“.

Thomas Zeitelberger
Thomas Zeitelberger
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