01.12.2018 06:00 |

Welt AIDS Tag 1.12.

Positiver Selbsttest - was nun?

Die Diagnose von HIV erfolgt in vielen Fällen immer noch sehr spät. Aber jeder sollte seinen Status kennen, damit im Ernstfall schnell behandelt werden kann.

Die rote Schleife ist dieser Tage wieder vermehrt in den Blickpunkt gerückt. „Red Ribbon“, steht für Solidarität. Für Aufklärung, Wege aus der Angst und Isolation hin zu frühzeitiger, effizienter Behandlung. Der Welt-AIDS-Tag wurde 1988 von der WHO ins Leben gerufen und findet immer am 1. Dezember statt, um eben diese Ziele zu erreichen. Aktuell heißt das 90-90-90: Jeweils mindestens 90% aller Betroffenen sollten eine Diagnose haben, mit Medikamenten versorgt werden, deren Wirkung auch eintritt. Bei uns ist das weitgehend der Fall, in vielen anderen Ländern noch nicht.

Das Virus greift die Immunabwehr an
Die Abkürzung HIV steht für „Human Immunodeficiency Virus“ oder „Humanes Immunschwäche-Virus“, von AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) spricht man, wenn bereits Krankheiten aufgetreten sind, weil sie der geschwächte Körper nicht mehr abwehren kann. „Trotz unermüdlicher Aufklärungs- und Präventionskampagnen der AIDS-Hilfen und der effizienten Therapie aller diagnostizierten HIV-positiven Personen liegt die Neuinfektionsrate in Österreich schon seit Jahren stabil bei mehr als einer neuen Diagnose pro Tag. Und das, obwohl bei uns für so gut wie alle Patienten der Zugang zur Therapie gegeben ist und optimal behandelte Patienten praktisch nicht infektiös sind“, berichtet Dr. Horst Schalk aus Wien, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft niedergelassener Ärzte zur Betreuung HIV-Infizierter.

War die Erkrankung in den 1980er-Jahren noch ein absolutes Todesurteil, kann sie heutzutage nicht nur gut behandelt, sondern die Viruslast in vielen Fällen soweit verringert werden, dass diese unter die Nachweisgrenze fällt. Damit ist auch keine Weitergabe mehr und eine normale Lebenserwartung möglich.

Sofort nach der Diagnose behandeln
Dr. Schalk: „Nach heutigen Leitlinien wird unverzüglich nach der Diagnose mittels spezifierter Tests bei erfahrenen Ärzten mit einer antiviralen Therapie begonnen. HIV-positive Patienten erhalten in Österreich stets die beste und im Regelfall modernste Behandlung - egal, wie lange sie bereits infiziert sind.“ Eigentlich sollten die Zahlen ja rückläufig sein, bleiben aber seit Jahren - mit kleinen Schwankungen - gleich. „Die derzeit eingesetzten Therapien sind hochpotent, extrem nebenwirkungsarm und für den Patienten leicht einzunehmen - meist nur eine Tablette täglich. Unserer Erfahrung nach führt dies zumindest bei einem Teil der Menschen zu einem risikoreicheren Sexualverhalten“, meint der Experte.

Immer noch besteht das Hauptproblem darin, dass bei der Hälfte der HIV-Neudiagnosen in Europa bereits eine Immunschwäche vorliegt, weil die Abklärung zu spät erfolgt. Als wichtigste Gründe gelten fehlendes Problembewusstsein und Symptomfreiheit. Lediglich etwa zwei Wochen nach der Ansteckung können sich grippeähnliche Anzeichen zeigen. Auch bei ungeklärten fieberhaften Erkrankungen mit Hautentzündungen oder Herpes bei jungen Menschen (Sexualanamnese) sollte genauer untersucht werden. Ein seit heuer erhältlicher Heimtest (man benötigt nur einen Blutstropfen) soll die Schwellenangst nehmen, es werden aber anonyme Testungen von diversen Institutionen angeboten, man kann auch ganz offiziell in ein Labor gehen. Im Zuge der Schwangerenuntersuchung ist ebenfalls eine Erhebung des HIV-Status vorgesehen.

Diagnostisches Fenster von 12 Wochen
„Die Nachfrage bei den HIV-Selbsttests war heuer in den Sommermonaten sehr stark. Im vergangenen Monat wurde er kaum mehr verlangt. Ein wichtiger Punkt ist die Information über das diagnostische Fenster, das rund 12 Wochen beträgt. Ein Ergebnis hat nur dann Aussagekraft, wenn der letzte Risikokontakt mindestens so lange zurückliegt. Die Sensitivität und Spezifität des Testes sind sehr hoch und liegen bei über 99,5 bis 99,8 Prozent. Die Schnelltests sind sogenannte Prä-Tests, das heißt, bei positivem Resultat muss ein Arzt aufgesucht werden und ein HIV-Labortest erfolgen“, berichtet Apotheker Mag.pharm. Andreas Berger aus Wien. Innerhalb von 72 Stunden kann mit entsprechender Behandlung eine Infektion unter Umständen sogar verhindert werden.

Daten & Fakten

  • 1983 wurde HIV zum ersten Mal beschrieben

  • Seit seiner Entdeckung hat HIV etwa 39 Millionen Menschenleben gefordert

  •  510 neue Infektionen gab es im Vorjahr in Österreich.

  • 8000-9000 Menschen leben derzeit mit HIV/AIDS hierzulande.

  • 41% aller Patienten weltweit erhalten keine Therapie

  • Im Vorjahr wurden weltweit mehr als 1,8 Millionen neue Infektionen diagnostiziert.

Ansprechstellen, Info
HIV-Helpline AIDS-Hilfe: 0800/25 22 89, Mo-Fr. 10.00-17.00 www.aids.at
Veranstaltungen: www.weltaidstag.at
Weitere Infos: www.aidsgesellschaft.info

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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