Fr, 16. November 2018

Jubiläum

07.11.2018 05:30

Der November 1918: Ein steirischer Schicksalsmonat

Es war ein Schicksalsmonat für die Steirer: Vor genau 100 Jahren, im November 1918, wurden die Weichen von der Monarchie zur Republik gestellt. Ein Wunder der Geschichte: Nach den Verheerungen des Weltkriegs und den blutigen Zusammenstößen in Wien lief die Ausrufung der Republik in Graz völlig gewaltfrei ab.

Wir schreiben den 6. November 1918: Es ist gerade einmal einen Monat her, seit der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und der Entente unterzeichnet worden ist. Die Bevölkerung leidet unter den Verheerungen des Ersten Weltkriegs, unter Krankheiten, Hunger, Plünderungen. Da nehmen eine Frau und 59 Männer die Geschicke des einstigen Herzogtums in ihre Hand. Sie treffen sich in der Grazer Landstube, bilden eine provisorische Landesversammlung und beschließen kraft ihres Amtes den Beitritt des Landes Steiermark als „gesonderte, eigenberechtigte Provinz“ zum neu gegründeten Staat Deutschösterreich.

„An diesem Tag waren die Rahmenbedingungen allerdings noch unklar“, analysiert Historiker Helmut Konrad. „Weder war die Staatsform entschieden, denn der Kaiser hatte noch nicht auf seinen Anteil an den Regierungsgeschäften verzichtet. Noch waren die Grenzen klar, denn der entstehende Staat beanspruchte ein Territorium mit neun Millionen Einwohnern.“

„Volk hat die Regierung übernommen“
Fünf Tage später ist es soweit, der Kaiser dankt ab: „Das Volk hat durch seine Vertreter die Regierung übernommen“, lässt er in der „Kronen Zeitung“ verlauten. Der Startschuss für eine historische Zeitenwende. Die Monarchie ist Geschichte, die Republik wird ausgerufen. Am 12. November 1918 eilen 20.000 Menschen auf den Franzensplatz vor dem Grazer Schauspielhaus, um Zeugen der Ausrufung der Republik Deutschösterreich zu werden.

„Der Platz wird seither nach der Freiheit benannt, eine Freiheit allerdings mit ungewisser Zukunft“, wie der ehemalige Direktor des Grazer Landesarchivs, Josef Riegler, in einem Aufsatz schreibt. „Kaiser gab es keinen mehr, das einstige Kronland Steiermark war ausgeblutet, erschöpft. Der lang ersehnte Friede trug das Kleid der Niederlage“

Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger

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