Di, 18. September 2018

Grazer NMS-Direktorin:

13.09.2018 06:30

„Dahinter sein, damit Vulkan nicht ausbricht!“

200 Schüler, 70 Prozent davon mit nichtdeutscher Muttersprache, mehr als die Hälfte mit muslimischem Glauben - das ist die NMS (Neue Mittelschule) Karl Morre in Graz in Zahlen. Die „Steirerkrone“ hat bei der Direktorin Monika Ullah nachgefragt, was wirklich hinter den nackten Zahlen steckt…

Probleme bei der Integration sind der Grazer NMS-Direktorin Monika Ullah nicht fremd. Sie weigert sich aber strikt gegen eine Pauschalverurteilung: „Die meisten islamischen Eltern sind lieb, bemüht, höflich. Es gibt muslimische Eltern, die mich mit ,Küss die Hand, Frau Direktor‘ begrüßen. Aber es gibt auch Fälle, da wird Lehrerinnen aus kulturellen Gründen der Handschlag verweigert.“

Oft sei die Haltung der Eltern auch eine Frage der sozialen Schicht. Hier müsse mehr Aufklärung her. Ullah: „An unserer Schule sprechen wir Klartext, mit den Schülern und den Eltern.“

Schule sei jedenfalls ein großes „Abfanglager von diversen Problemen. Was es draußen gibt, wird in die Schule getragen, das reicht von Radikalität über die Sektenproblematik bis hin zu Drogen und Mobbing.“

Vorfälle, wo Radikalität entstehen hätte können
Fälle von radikalem Islamismus sind Ullah in ihrer Schule nicht bekannt. Aber: „Es hat in den vergangenen Jahren Vorfälle gegeben, wo man das Gefühl hatte, dass Radikalität entstehen könnte. Da wird genau hingeschaut, wird nachgefragt, werden Maßnahmen ergriffen, etwa in Form der Schulsozialarbeit.“

Harmonie in der Schule sei im Übrigen ein Schwerstauftrag: „Man muss immer dahinter sein, muss ständig etwas aufdecken und Lösungen suchen. Damit wir nie sagen müssen: Jetzt bricht der Vulkan aus. Schule muss oft Probleme kompensieren, die aufgrund einer zeitlichen Einschränkung im Elternhaus nicht bewältigt werden können. Die meisten unserer Eltern arbeiten ja.“

Der Zwang zum Kopftuch
Keine uneingeschränkte Freude hat Ullah mit kopftuchtragenden Mädchen: „Wir fragten Mädchen, die in unserer Schule Kopftuch tragen, warum sie das tun. Sie sagten, es sei freiwillig. Das glaube ich nicht immer. Wenn aber ein Mädchen wirklich freiwillig ein Kopftuch trägt, habe sich nichts dagegen. Wenn es aufgezwungen wird, bin ich für ein Verbot.“

Christliche Feste und der Turnunterricht
Wenn im Musikunterricht christliche Lieder geübt werden, gibt es bei muslimischen Kindern schon einmal Widerstand. Andererseits werden christliche Feste wie die Adventkranzsegnung gemeinsam gefeiert. Ullah: „Ich bin auf unsere Religionslehrer sehr stolz. Hier wird Hand in Hand gearbeitet. Fällt einer der beiden aus, übernimmt der andere alle Kinder. Dann werden eben die Weltreligionen durchgenommen.“ Dass das Miteinander der Religionen nicht überall so rund läuft, lässt Ullah erahnen, wenn sie sagt, dass es sehr darauf ankomme, welche Einstellung ein islamischer Pädagoge habe.

Nicht ganz friktionsfrei geht es beim Turn- und Schwimmunterricht zu. Ullah: „Islamische Mädchen sind dabei, aber das ist immer wieder Thema.“

Alles paletti in Graz?
Also ist bis auf „Kleinigkeiten“ alles paletti in  Grazer Schulen? Ullah: „Es ist doch nie alles in Ordnung. Ich zweifle nicht, dass es an Schulen alles geben kann.“

Gerald Richter
Gerald Richter

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