Do, 20. September 2018

Infektionen

10.09.2018 06:00

Der Feind in meinem Mund

Unbehandelte Entzündungen des Zahnfleisches können schwerwiegende Folgen für unser Gebiss haben. Sogar der Verlust von Zähnen droht. Pflege und regelmäßige ärztliche Kontrolle können dies verhindern. 

Parodontitis, die Entzündung des Gewebes rund um die Zähne, ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. In Österreich ist Schätzungen zufolge eine Million Menschen betroffen. Typische Anzeichen: schlechter Geschmack im Mund, zurückweichendes Zahnfleisch und im fortgeschrittenem Stadium gelockerte oder gewanderte Zähne.

Stille Gefahr
Greift die Infektion auf tiefere Regionen des Zahnhalteapparates über oder gelangen die aggressiven Bakterien gar in die Blutbahn, kann dies nicht nur zu Zahnverlust führen, sondern wird gefährlich für den ganzen Körper. „Schwangere haben ein erhöhtes Risiko, eine Frühgeburt zu erleiden oder ein Kind mit geringerem Geburtsgewicht zur Welt zu bringen. Auch stehen Herz-Kreislauferkrankungen und Wechselbeziehungen mit Diabetes in Zusammenhang mit Parodontitis“, erklärt Univ.-Ass. Dr. Hady Haririan, Universitätszahnklinik Wien und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie.

Erkennen und behandeln
Ab dem Alter von 35 Jahren, besonders bei Rauchern, steigt das Risiko einer Erkrankung. Bei über 65-Jährigen sind schon rund zwei Drittel betroffen. Eine parodontale Grunduntersuchung, die von den Zahnärzten mittels spezieller Sonde durchgeführt wird, gibt Aufschluss, ob eine Entzündung des Zahnhalteapparates vorliegt und wie ausgeprägt diese ist.„ Durch gezielte Parodontitistherapie und nicht nur professionelle Zahnreinigung, wie oft fälschlich geglaubt wird, lässt sich die Erkrankung erfolgreich behandeln“, erklärt der Experte. Bei Vorliegen einer Parodontitis benötigt es mehrere Sitzungen beim Zahnarzt, bis Entzündungsfreiheit wiederhergestellt ist.

Richtige Mundhygiene
Nach erfolgreicher Therapie ist dann auch wieder eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung die Grundlage für stabile und gesunde Verhältnisse im Mund. „Leider wird die Parodontitistherapie derzeit - wenn überhaupt - nur teilweise von den Krankenkassen unterstützt. Dabei wäre es so wichtig, dass in den Zahnerhalt investiert würde, um teure Folgekosten, wie Zahnprothesen oder Implantate zu vermeiden“, erklärt Dr. Haririan. Selbst, wenn durch eine zahnärztliche Untersuchung festgestellt wurde, dass keine Parodontitis vorliegt, empfiehlt der Experte, zweimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung durchzuführen. Richtiges Putzen, gesunde Ernährung und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind unerlässlich.

Daten & Fakten

  • In einer gesunden Mundflora tummeln sich über 1000 verschiedene Bakterienarten.
  • Der häufigste Grund, dass ab dem 40. Lebensjahr Zähne gezogen werden müssen, ist Parodontitis. 
  • Etwa 70 Prozent aller Erwachsenen leiden an Zahnfleischerkrankungen.
  • Global belaufen sich Zahnbehandlungskosten in Folge der hohen Zuckerzufuhr auf jährlich rund 128 Milliarden Euro.

Mag. Regina Modl, Kronen zeitung

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