Mi, 24. Oktober 2018

Lira im freien Fall

10.08.2018 17:24

Trump befeuert Türkei-Krise mit neuen Sanktionen

Im diplomatischen Konflikt um einen in der Türkei inhaftierten US-Pastor heizt US-Präsident Donald Trump die Krise um den Verfall der türkischen Währung Lira mit einer Verdoppelung von US-Strafzöllen an. Trump teilte am Freitag auf Twitter mit: „Ich habe gerade eine Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium hinsichtlich der Türkei bewilligt.“ Um den Verfall der Lira zu bremsen, rief der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan unterdessen sein Volk auf, Dollar, Euro und Gold in Lira umzutauschen. Erdogan sprach am Freitag bei einer Kundgebung in der Schwarzmeerregion Bayburt von einem „nationalen Kampf“.

„Wenn ihr Dollar, Euro oder Gold unter dem Kopfpolster habt, geht zur Bank und tauscht es in türkische Lira. Dies ist ein nationaler Kampf.“ Noch während Erdogan sprach, stürzte die Lira auf 6,23 zum Dollar. Kurz zuvor hatte er gesagt, die Türkei befinde sich angesichts des Verfalls der Währung in einem „Wirtschaftskrieg“, und er gab sich kämpferisch. „Wir werden diesen Wirtschaftskrieg nicht verlieren“, sagte der türkische Staatschef nach dem Freitagsgebet in Bayburt. Erdogan hat schon wiederholt ausländische Verschwörungen für die Währungskrise verantwortlich gemacht.

Erdogan: „Sie mögen ihre Dollar haben, wir haben unser Volk“
Bei einem Auftritt in der Schwarzmeerstadt Rize rief er seine Anhänger am Donnerstagabend auf, die „verschiedenen Kampagnen gegen die Türkei“ zu ignorieren. „Sie mögen ihre Dollar haben, doch wir haben unser Volk, unser Recht und unseren Gott“, sagte der islamisch-konservative Politiker. Am Freitagvormittag stürzte die Lira um zwölf Prozent ab und erreichte erstmals die Marke von sechs Lira zum Dollar. Am Ende des Handelstages wurde sogar ein Sturz von 19 Prozent verzeichnet.

Wirkt sich Währungsverfall auf europäische Banken aus?
Wegen des Währungsverfalls wachsen auch die Sorgen über die Auswirkungen auf europäische Banken. Die „Financial Times“ berichtete am Freitag, die Europäische Zentralbank (EZB) prüfe die Auswirkungen der Währungskrise auf Banken wie die spanische BBVA, die italienische UniCredit und die französische BNP Paribas, die besonders exponiert seien, weil sie hohe Anteile an türkischen Banken besitzen.

Der Absturz der Lira erfolgt inmitten eines erbitterten Streits mit US-Präsident Trump um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson, der vergangene Woche zur Verhängung von gegenseitigen Sanktionen führte. Zwar sind die Sanktionen noch eher symbolisch, da trotz eines hochrangigen Treffens in Washington am Mittwoch keine Einigung in dem Streit gelang, befürchten viele Beobachter nun aber weitere Strafmaßnahmen.

Pastor drohen bis zu 35 Jahre Haft
Brunson werden Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und zur Bewegung um den im US-Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu 35 Jahre Haft für den US-Pastor. Erdogan macht Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Vergangene Woche wandelte ein Gericht die Untersuchungshaft wegen gesundheitlicher Probleme Brunsons in Hausarrest um. Festgehalten wird er damit weiterhin. Erdogan fordert von den USA die Auslieferung Gülens.

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