Goalie als CL-Held

Keeper Sinan Bolat köpfelt Standard Lüttich ins Glück

Fußball
10.12.2009 14:21
Lionel Messi, Europas Fußballer des Jahres 2009, erwärmte am Mittwochabend die Barca-Herzen im Kühlschrank Kiew, Mario Balotelli erfreute die heißblütigen Tifosi. Aber der Mann des Abends am letzten Champions-League-Spieltag 2009 war Sinan Bolat. Der glatzköpfige Keeper stürmte in der 95. Minute nach vorne und köpfelte Standard Lüttich gegen AZ Alkmaar zum 1:1 und damit als Dritter der Gruppe H noch in die Europa League, in der die Belgier im Frühjahr ein möglicher Gegner von Salzburg sein könnten.

"Sinan Bolat bringt Lüttich in Ekstase", schrieb die Zeitung "De Standaard". Der türkische U21-Teamspieler fasste es selbst kaum. "Das ist verrückt", meinte der Retter zu seinem Coup. Außer sich vor Freude und wie von einer Tarantel gestochen war er jubilierend fast übers gesamte Spielfeld gerannt. Während die Niederländer ungläubig und verdutzt ihr Schicksal verkraften mussten, gelang es Bolats Mitspielern kaum, den entfesselten Goalie wieder einzufangen. "Es war pures Glück", sagte Bolat zum ersten Tor eines Keepers aus dem Spiel in der CL-Historie.

Auf- und durchatmen konnten auch zwei Große, deren Aufstieg bis zum Finale in der Gruppe F auf der Kippe gestanden war. "Dies ist einer der glücklichsten Tage meiner Trainerlaufbahn", sagte Coach Josep Guardiola vom FC Barcelona nach dem 2:1 in Kiew gegen Dynamo. "Barca übermittelte Europa eine klare Botschaft: Der Titelverteidiger wird sich die Krone nicht so leicht abjagen lassen", meinte "El Periodico".

Verletzungssorgen um Messi
Europameister Xavi in seinem 100. CL-Match und Messi mit einem sehenswerten Freistoßtor in der Schlussphase hatten das frühe 0:1 letztlich in ein 2:1 verwandet. Als Gruppensieger blicken die Katalanen nun gelassen der Auslosung am 18. Dezember in Nyon entgegen. Die Sorge treibt sie aber vor dem Stadt-Derby am Samstag um: Messi ist verletzt. Er zog sich laut seinem Arbeitgeber eine Verstauchung des rechten Knöchels bei einer Attacke eines Gegners zu. "Ich habe mir den Fuß ein wenig verdreht", meinte Messi, der für die Partie gegen Espanyol fraglich ist.

Balotelli-Show in Mailand
Vorlage zum 1:0 durch Samuel Eto'o und Schütze des Treffers zum 2:0-Endstand gegen Rubin Kasan: Zum Matchwinner in Mailand schwang sich Balotelli auf. Und er wurde im emotionalen Fußball-Land entsprechend gefeiert. "Einer wie Balotelli hat das Zeug, ein Spiel in jedem Moment zu entscheiden. Er sollte für das Nationalteam in Betracht gezogen werden", befand Inter-Chef Massimo Moratti nach dem ersten Heimsieg in der Königsklasse seit über einem Jahr.

Eto'o, Nutznießer der brillanten Balotelli-Schau, meinte: "Mario ist noch jung, aber heute war er fantastisch, einfach perfekt." Die "Gazetta dello Sport" schrieb sogar vom "magischen" Balotelli: "Ausgerechnet Super-Mario rettet Mourinhos Weihnachten". Von einem wackelnden Trainerstuhl wollte Jose Mourinho allerdings gar nichts wissen. "Bei Inter hat mir niemand vorher gesagt, dass mein Job auf dem Spiel stünde", meinte der Portugiese.

4:0-Packung für Debrecen
Den höchsten Erfolg des Abends feierte in Pool E Olympique Lyon mit dem 4:0 zu Hause gegen VSC Debrecen. Den Gruppensieg sicherte sich AC Fiorentina mit dem 2:1 in Liverpool. Diesen hatte in Gruppe H Arsenal schon vor dem Kehraus fix in der Tasche. Daher bot Arsene Wenger eine Nachwuchsauswahl auf, die sich in Piräus dem Mitaufsteiger Olympiakos 0:1 geschlagen geben musste.

Stuttgart stand nach elf Minuten als Sieger fest
Die Gruppe G beendete der FC Sevilla (1:0 daheim gegen Glasgow Rangers) auf Rang eins vor dem VfB Stuttgart. Die Schwaben, die daheim seit zehn Pflichtspielen sieglos waren, schafften im ersten Spiel unter ihrem neuen Schweizer Trainer Christian Gross durch ein 3:1 gegen Unirea Urziceni den Aufstieg und schrieben damit Geschichte. Marica (5.), Träsch (8.) und Pogrebnjak (11.) sorgten innerhalb von 6:05 Minuten für die schnellste je herausgeschossene 3:0-Führung.

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