Neuer Lampenstreit

Leopold Museum gegen Naschmarkt-Leuchten

Wien
25.11.2009 16:14
Wien hat einen neuen Lampenstreit: Nach den monatelangen - inzwischen beigelegten - Querelen rund um Kärntner Straße und Graben erhitzen nun die für den Naschmarkt bzw. die Wienzeile vorgesehenen modernen Leuchten die Gemüter. Anstelle politischer Konkurrenz zürnt diesmal eine Kulturinstitution der Stadt - das Leopold Museum.

Durch die neuen Lichtkörper werde ein historisches Straßenleuchtenensemble in Form hundert Jahre alter Laternensockel mit Jugendstilmotiven (Bild) zerstört, kritisierte Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Museums.

Bis zum Mai 2010 soll das Standareal im Bezirk Mariahilf für rund 800.000 Euro ein einheitliches Lampendesign erhalten, weshalb die zu beiden Seiten stehenden alten Kandelaber weichen müssen. Mit der Montage der neuen Modelle, die an grauen Masten befestigt werden und deren flache, geschlossene Unterseite in halbkugelartigen Aufsätzen eingefasst sind, wurde bereits begonnen.

"Wien glaubt oftmals mit schlechten Lösungen 'modern' zu sein und zerstört dabei die letzten städtebaulichen Ensembles, wie das Gebiet um den Naschmarkt", so Weinhäupls Diagnose. In anderen europäischen Großstädte würden zur Erhaltung des Charakters historischer Laternenensembles in sensiblen Zonen Abgüsse hergestellt.

"Autobahn-Ambiente statt Weltstadt-Flair"
In der Bundeshauptstadt sei nicht einmal im Bereich des Otto-Wagner-Ensembles an der Wienzeile sensibel verfahren worden: "Hier wurden nun überdimensionale Masten in den Boden gerammt", klagte der kaufmännische Direktor. "Wir wollen weder Denkmalschutzaktivisten noch Verhinderer der Moderne sein", versicherte Weinhäupl. Man sei lediglich gegen schlechte und nicht umgebungsgerechte Lösungen.

Ein schlechtes Licht auf den Naschmarkt wirft der neue Leuchtentyp auch für Richard Weihs, grüner Bezirksrat in Mariahilf. Frei nach dem Motto "Autobahn-Ambiente statt Weltstadt-Flair" würden still und heimlich kahle, gesichtslose Masten aufgestellt, zeigte sich Weihs von SPÖ-Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann enttäuscht. Denn die VP-Vorsteherin der Inneren Stadt habe sehr wohl durchsetzen können, dass wieder die "passenden historischen Lampen" aufgestellt wurden, erinnerte Weihs an den - mittlerweile ebenfalls historischen - Schlagabtausch zwischen Ursula Stenzel und Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP).
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