Er sei von Sekowitsch "wie ein kleiner Welpe" geschlagen worden, behauptete der Angeklagte. Er habe sich in dieser Situation "vor Wut nicht kontrollieren können" und das Messer benützt, das er zum Selbstschutz seit Jahren bei sich trage. "Alles, was mir in die Hand gekommen wäre, hätte ich genommen", sagte der 27-Jährige. Er sei kein Mörder, "weil ich noch nie den Gedanken gehabt habe, jemanden zu töten. Ich habe meine Heimat verlassen, um nicht zu sehen, wie Leute getötet werden."
Der Staatsanwalt ortete demgegenüber "ein unverständliches, sinnloses Verbrechen" und verlangte, der Angeklagte müsse "die volle Härte des Gesetzes erfahren".
Opfer: "Lass dein Messer stecken"
Der 27-jährige Tschetschene war rein zufällig in das "Champ's Pub" gekommen, das Edip Sekowitsch unweit des Wiener Südbahnhofs betrieb. Der Mann hatte den letzten Zug nach Graz versäumt, wo er seine Mutter besuchen wollte. Er setzte sich daher an die Bar und begann zu trinken, wobei er mit Sekowitsch zu plaudern begann. Die Unterhaltung soll sich unter anderem um Religion und Politik gedreht haben und recht hitzig verlaufen sein.
Auf andere Lokalgäste machte der Tschetschene einen aggressiven Eindruck. Einer flüchtete sich sogar zu Sekowitsch hinter die Schank, wobei jenem auffiel, dass der 27-Jährige ein Klappmesser mit sich führte. "Lass dein Messer stecken", verlangte der als "Stier von Serbien" bekannt gewordene Boxer.
Fünf Messerstiche in Gesicht, Hals und Brust
Gegen 5.30 Uhr schloss Sekowitsch sein Lokal. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur mehr der Tschetschene und ein weiterer, unbekannt gebliebener Mann in der Gaststätte, der sich jedoch rasch davonmachte, als zwischen den beiden anderen ein Streit entbrannte. Sekowitsch soll den 27-Jährigen schließlich aus dem Lokal gewiesen haben.
Den ersten Stich ins Gesicht kassierte der unbewaffnete Sekowitsch noch im Eingangsbereich des Pubs. Er versuchte daraufhin, sein vor dem Lokal geparktes, abgesperrtes Fahrzeug zu erreichen. Der Tschetschene folgte ihm und stach dem 50-Jährigen vier weitere Male in Gesicht, Hals und Brust.
Hilflos auf der Straße verblutet
Sekowitsch versuchte sich laut Anklage noch zu wehren, indem er seine Armbanduhr über die Finger zog, damit einen provisorischen Schlagring bildete und dem Angreifer einmal auf den Kopf schlug. "Es war das letzte Aufbäumen eines tödlich getroffenen Mannes", sagte dazu der Staatsanwalt.
Denn der letzte Stich war Sekowitsch mit einer Tiefe von 15 Zentimeter in die Brust gedrungen und hatte Lunge und Herz beschädigt. Der frühere Boxchampion verblutete hilflos wenige Meter von seinem Lokal entfernt.
Verteidiger Lennart Binder behauptete, der Angeklagte habe sich "nur gewehrt". Sein Mandant habe das Lokal bereits verlassen gehabt und sei nur mehr zurückgekommen, weil er seinen Rucksack vergessen hatte. Sekowitsch habe ihm dann "nur Schwierigkeiten gemacht". Die Verhandlung wird am nächsten Mittwoch fortgesetzt. Im Fall eines Schuldspruchs droht dem Angeklagten lebenslange Haft.








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