Promille-Sperre

Pilotprojekt mit “Alkolocks” in Österreich möglich

Österreich
24.11.2009 12:08
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat am Dienstag eine Diskussion über die Einführung sogenannter "Alkolocks" in Österreich angestoßen. Risikolenker könnten zur Verwendung der Autotelefon-großen Geräte verpflichtet werden, die die Inbetriebnahme eines Kfz erst nach einem Alkotest mit unbedenklichem Ergebnis erlauben. In mehreren Ländern laufen bereits erfolgreiche Pilotprojekte mit den "Alkotest-Zündungen", auch das Verkehrsministerium kann sich einen Feldversuch vorstellen.

Othmar Thann, Direktor des KfV, brachte die Diskussion am Dienstag via Radio Ö1 ins Rollen. "Wir sind gerade dabei, die Rahmenbedingungen für ein Pilotprojekt zu prüfen", kündigte der Verkehrsexperte an. Das KfV ist eine gemeinnütze Einrichtung mit ÖAMTC, ARBÖ, AUVA und privaten Versicherungsunternehmen als Mitgliedern. Es betreibt auch Institute für Verkehrserziehung und Verkehrspsychologie, mit denen unter anderem Alkolenker bei einer sogenannten Nachschulung in Berührung kommen.

Wie ein Alkolock funktioniert, zeigt das krone.tv-Video oben.

KfV und Ministerium denken bei einem Pilotprojekt in erster Linie an Risikolenker und Berufskraftfahrer. Alkolock könne beispielsweise als Teil einer Langzeittherapie für Rückfall-Alkolenker eingesetzt werden. Die Hersteller haben die Alkotest-Geräte (im Bild ein Alkolock des Herstellers Dräger) ursprünglich für Risikounternehmen wie Atomkraftwerke und Chemiefabriken als Zutritts- und Bedienkontrolle für Labors oder Maschinen entwickelt. Das Alkolock war eine Weiterentwicklung für Fernfahrbetriebe, stieß dann auf das Interesse von Verkehrsministerien in aller Welt.

Daten aus Pilotprojekten überzeugen
Thann zufolge gibt es in Kalifornien, Asien, Australien und skandinavischen Ländern Versuche bzw. wurden Geräte dort eingeführt. Er kann sich vorstellen, dass auch in Österreich solche Feldversuche durchgeführt werden könnten. Allerdings meinte der KfV-Direktor, dass ein derartiges System erst in zwei, drei Jahren ausgereift ist und dann umgesetzt werden könnte.

Die Daten jedenfalls würden für die Verwendung des Alkolocks sprechen, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Laut der Bures-Sprecherin Susanna Enk weist das Material aus dem EU-Projekt "Supreme" ein um die Hälfte geringeres Risiko für Unfälle mit Verletzungsfolgen aus, wenn diese Geräte im Einsatz sind. Die Rückfallquote bei Alkolenkern würde um bis zu 95 Prozent verringert.

In erster Linie sei aber die Eigenverantwortung der Lenker gefordert, so Enk. Nicht zuletzt deshalb habe man auch die jüngste Verkehrssicherheitskampagne gegen Alkohol am Steuer gestartet (siehe krone.at-Bericht in der Infobox). Darüber hinaus kann man sich aber die Einführung eines Pilotprojekts in Österreich vorstellen. In Schweden beispielsweise gebe es Regelungen in dieser Hinsicht schon seit geraumer Zeit. Pilotprojekte gibt es laut Ministerium unter anderem bereits in Spanien und Belgien.

ARBÖ: Abwarten, was höhere Alkoholstrafen bringen
Der Autofahrerklub ARBÖ zeigte sich von der Vorstellung eines Pilotprojektes am Dienstag wenig begeistert: "Zuerst einmal schauen, was das neue Verkehrssicherheitspaket bringt, bevor man mit neuen Maßnahmen experimentiert", so der ARBÖ. Seit September müssen Autofahrer zum Beispiel schon ab 0,8 Promille mindestens 800 Euro zahlen, verlieren einen Monat den Führerschein und müssen - neu - ein Verkehrscoaching absolvieren und selbstverständlich auch selber zahlen. Wiederholungstätern wird in Zukunft der Führerschein länger entzogen als bisher. Man solle nun zuerst abwarten, wie diese Maßnahmen greifen.

Die Wirkung von Alkolocks sei unter Experten nicht unumstritten, meint der ARBÖ. In manchen Ländern werden Alkolocks auf freiwilliger Basis überlegt, aber nur für Buschauffeure, Lkw-Lenker und sonstige Berufslenker. In anderen Ländern werden sie als Mittel gegen Wiederholungstäter getestet. Die technische Zuverlässigkeit sei nicht eindeutig geklärt (Können die Geräte durch Beifahrer übertrickst werden?) und viele rechtliche Fragen blieben offen, so der ARBÖ: "Was, wenn das Gerät nicht funktioniert?"

Auch ÖAMTC und Verkehrspsychologen skeptisch
Auch Gregor Bartl, Verkehrspsychologe und Geschäftsführer von "alles-führerschein.at", und der Autofahrerklub ÖAMTC zeigten sich skeptisch gegenüber der Einführung von Alkolocks. Bartl wies darauf hin, dass die Systeme einerseits einfach auszutricksen seien und auch langfristig keinen Lerneffekt für Alkolenker hätten. Auch der Einbau sei extrem teuer. "Daher setzen sich diese Systeme in Europa nur in Schweden durch, da dort sehr lange Distanzen zu fahren sind und das Auto nicht durch öffentliche Verkehrsmittel ersetzt werden kann", so der Verkehrspsychologe.

Der ÖAMTC plädierte wie der ARBÖ dafür, zuerst einmal die Effekte der verschärften Strafen abzuwarten. Zündsperren wie "Alkolocks" könnten aber eine Option sein, "wiederholt auffällige Alkolenker zusätzlich zu sanktionieren", meinte Mario Rohracher, Chef der ÖAMTC-Interessensvertretung. Das allein werde aber keinesfalls reichen. "Gerade bei Hochrisikolenkern braucht es einen Maßnahmenmix aus medizinischer und psychologischer Betreuung." Ein Pilotprojekt, wie vom Verkehrsministerium vorgeschlagen bezeichnete der ÖAMTC-Experte als "diskussionswürdig".

Hersteller: 10.000 Alko-Fahrten in vier Jahren vermieden
Der Kritik zum Trotz berief sich der Alkolock-Hersteller Dräger auf eine Studie der finnischen Verkehrsregisterbehörde (AKE), wonach durch entsprechende Geräte seit der Einführung im Juli 2005 bereits rund 10.000 Alkoholfahrten in Finnland vermieden werden konnten. Das wären etwa sechs bis sieben pro Tag.

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