Philippinen-Massaker
Elf weitere Leichen gefunden: Jetzt schon 57 Tote
Die Verantwortlichen für das Massaker würden der Justiz nicht entkommen, erklärte Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo. Die Justiz werde sie jagen, bis sie gefasst seien. Arroyo rief den Mittwoch zum nationalen Trauertag aus. Arroyos Berater Eduardo Ermita forderte die Verdächtigen auf, sich zu stellen und mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Die Staatschefin steht unter großem Druck, nachdem die Ermittler ein Mitglied ihrer Regierungskoalition zu einem der Hauptverdächtigen erklärten.
Demnach führte der Bürgermeister der Stadt Datu Unsay die Todesschwadrone an. Er heißt Andal Ampatuan und ist der Sohn des gleichnamigen Provinzgouverneurs, wie die Polizei mitteilte. Ampatuan Senior strebt für seinen Sohn die Nachfolge als Provinzgouverneur an. Die am Montag massakrierten Menschen waren dagegen Anhänger und Familienmitglieder von Ismael Mangudadatu, dem Vizebürgermeister der Ortschaft Buluan und Mitglied des mit den Ampatuans rivalisierenden Mangudadatu-Clans. Mangudadatu möchste selbst Provinzgouverneur werden.
Von Regierung ausgestattete Milizen werden jetzt entwaffnet
In Maguindanao würden zwei von der Regierung ausgestattete zivile Milizen entwaffnet, teilten die Streitkräfte am Mittwoch mit. Die rund 200 Männer müssten Waffen, Munition und weitere Ausrüstung abgeben. Außerdem wurden in den Provinzen Maguindanao und Sultan Kudarat ihre Genehmigungen für Feuerwaffen zurückgezogen.
Bei der attackierten Gruppe handelte es sich um Politiker, deren Angehörige, Sympathisanten und sie begleitende Journalisten. Sie waren unterwegs, um die Bewerbung Mangudadatus für die Wahlen im Mai einzureichen. Die Polizei erklärte, sie gehe Berichten nach, wonach der Konvoi von Dutzenden Bewaffneten gestoppt wurde, darunter Polizisten, vier Polizeichefs, der Regierung nahestehende Milizionäre und Angehörige des Ampatuan-Clans.
Verdächtiger Clan steht Regierung nahe
Der Amputuan-Clan unterstützte bei der Wahl 2004 die Regierung Arroyos. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zeigte sich daher am Mittwoch besorgt darüber, dass diese Verbindungen unvoreingenommene Ermittlungen behindern könnten. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die Tat als "abscheuliches Verbrechen". Er sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus.
Die Polizei hatte die verscharrten Leichen rund 930 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila entdeckt. Alle Opfer hätten zahlreiche Schusswunden aufgewiesen.
Immer wieder politische Fehden
Politische Familienfehden sind in Maguindanao keine Seltenheit. Clans kämpfen oft mit Waffengewalt um die Vormachtstellung in der Provinz. Am 10. Mai 2010 finden auf den Philippinen Präsidentschafts-, Parlaments- und Lokalwahlen statt. Seit vergangener Woche können die Kandidaten für insgesamt über 17.800 Posten ihre Kandidatur einreichen.



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