Urteil gegen Korps

US-Armee muss für Katrina-Flut zahlen ++ Klagswelle droht

Ausland
19.11.2009 21:10
Der US-Armee droht eine Massenklage wegen der Flutkatastrophe nach dem Hurrikan "Katrina" im Sommer 2005. Ein Gericht in New Orleans hat am Mittwoch fünf Klägern und einem am Präzedenzverfahren beteiligten Unternehmen Entschädigungszahlungen von insgesamt 720.000 Dollar zugesprochen. Im Urteil heißt es, dass das Ingenieurkorps der Armee bei der Wartung eines wichtigen Schiffahrts-Kanals Fehler gemacht hat, die das Ausmaß der Katastrophe erheblich vergrößerten.

Laut Richter Stanwood Duval führte die mangelhafte Wartung des Kanals, der auch als Abfluss die Einmündung des Mississippi in den Golf reguliert, zur Flutung der Bezirke Lower Nith Ward und St. Bernard Parish. Zuständig für die Regulierung ist das Army Corps of Engineers bzw. die US-Regierung, die für die Armee haftet.

Kanal wurde zu "Autobahn für Katrina"
In dem 156-seitigen Urteil wird der zuvor bereits von Wasserexperten geäußerte Verdacht bestätigt, der in den 1960ern als Schiffahrts-Abkürzung und Abfluss geschaffene Kanal habe die Katastrophe verstärkt. Das Armeekorps sei zwar nicht für die Konstruktion des Kanals verantwortlich gewesen, wohl aber für die Wartung und Entlastung des Schiffahrtsweges, die sie nicht ausreichend hergestellt habe. Erst durch diese Mängel habe die Flutwelle, die mehrere Bezirke New Orleans' komplett zerstörte, auf die dreifache Breite des Kanals anschwellen können.

Laut Duval war sich die Armee der Gefahr bewusst und habe auch über Abhilfe nachgedacht, die Ideen dann aber aus Kostengründen verworfen. Das Ingenieurskorps hätte dafür sorgen müssen, dass der Kanal keine Gefahr für Mensch und Umwelt sei, heißt es im Urteil. Dagegen erklärten Vertreter des Korps vor Gericht, die Dämme der Stadt seien das Problem gewesen. Sie hätten der Gewalt von "Katrina" nicht standhalten können. Nach Ansicht der Sachverständigen der Anklage verbreiterte sich der Kanal infolge von Erosion sowie fehlender Wartung und sei wie eine "Autobahn" für "Katrina" gewesen. Auch der Richter sagte, bei dem Hochwasser nach dem Wirbelsturm habe der Kanal wie ein "Trichter" gewirkt.

Bis zu 100.000 Betroffene könnten klagen
Die fünf Opfer bejubelten das Urteil. Es sei das allererste Mal überhaupt, dass das Ingenieurskorps für "seine monumentale Fahrlässigkeit" zur Verantwortung gezogen werde, sagte ihr Verteidiger Pierce O'Donnell. "Jetzt werden die Menschen hier entschädigt werden", meinte sein Kollege Joe Bruno.

Das Urteil könnte nun einen sprichwörtlichen Dammbruch auslösen und zu Klagen von mehr als 100.000 Menschen führen, die von den Überflutungen im Sommer 2005 betroffen waren. Die Anwälte forderten die US-Regierung zur Einrichtung eines Fonds auf, um die Entschädigungszahlungen zu beschleunigen. Die US-Regierung will das Urteil zunächst analysieren. Es wird aber erwartet, dass Washington den Gerichtsentscheid anficht.

"Katrina": Zerstörerischster Sturm der Geschichte
"Katrina" wütete im August 2005 in den US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama und tötete mehr als 1.800 Menschen. Etwa 1,3 Millionen Bewohner entlang der US-Golfküste verloren ihre Existenz. Mit 125 Milliarden Dollar (84,1 Milliarden Euro) Gesamtschaden ist "Katrina" der bisher zerstörerischste Sturm. Die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush war nach der Naturkatastrophe unter starken Druck geraten. Weil die Lage zunächst völlig unterschätzt wurde, dauerte es Tage, bis umfassende Bundeshilfe anrollte.

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