Gegen 17 Uhr beobachteten Nachbarn, wie der bisher unbescholtene Wiener sich dem Haus in Rohrbach näherte: Diese hätten sich allerdings nichts dabei gedacht, erklärte Alexander Schantl vom Landeskriminalamt Steiermark.
Bei Treppensturz verletzt
Da der Verdächtige keinen Schlüssel besitzt, warf er zwei Glastüren mit einem Ziegelstein ein. Dann legte er im Gästezimmer im ersten Stock des Gebäudes Feuer. Der 50-Jährige dürfte dann aber über die Treppe gestürzt sein; er blieb mit einem Bruch im Gesichtsbereich und einer Platzwunde am Hinterkopf im Erdgeschoß liegen. Gegen 22 Uhr bemerkten Anrainer Rauch und alarmierten die Einsatzkräfte (Bild Feuerwehr Lafnitz bei den Löscharbeiten). Die Ex-Frau des Wieners befand sich zum Tatzeitpunkt nicht in der Nähe. Die Mindestschadenssumme dürfte sich laut ersten Schätzungen auf rund 100.000 Euro belaufen.
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Am Sonntag fanden die Ermittler dann eine "Glock"-Pistole in der Asche: Diese werde noch untersucht, der Spurenlage nach gehe man aber davon aus, dass es sich um die Tatwaffe handle, sagte Gerhard Haimeder vom Landeskriminalamt Wien. Die Pistole war im Jahr 2003 von einem Waffenhändler als gestohlen gemeldet worden. Nach Ausforschung der Identität des Verletzten und aufgrund der sichergestellten Waffe stellten die Kriminalisten einen Zusammenhang mit dem Mordfall in der Spitals-Tiefgarage her. Schließlich gestand der Wiener die Tat auch "innerhalb kürzester Zeit", so Eberhart.
Auch in Wien Feuer gelegt
Der mutmaßliche Täter hatte bereits unmittelbar vor dem Mord in seinem Wohnhaus in Wien-Penzing Feuer gelegt, so die Polizei: Gegen 11.30 Uhr wurden im Reihenhaus, in dem der 50-Jährige gemeinsam mit seinem 25-jährigen Sohn lebt, mehrere Brandherde entdeckt, sagte Kurt Unger vom Landeskriminalamt Wien. Der Mann hatte Brandbeschleuniger verwendet, das Haus wurde schwer beschädigt. Der Sohn war zu dem Zeitpunkt beruflich unterwegs.
Opfer "zur falschen Zeit am falschen Ort"
Das Geschehene könne er sich selbst nicht erklären, gab der mutmaßliche Täter an. Er sei "heiß auf sich, auf alles" gewesen und hätte am Samstag auch dauernd Alkohol getrunken. Das Opfer habe sich "zur falschen Zeit am falschen Ort" befunden. Die Frau habe auf dem nächstgelegenen Parkplatz ihr Auto abgestellt, der sich in der Nähe jenes Stiegenabgangs befand, den der Verdächtige benutzte. Er sei zu ihr hingegangen und wollte den Wagen entwenden - als die rund 1,80 Meter große Frau mit einem Körpergewicht von mehr als 100 Kilogramm ihr Auto nicht hergeben wollte und sich wehrte, gab der Wiener den ersten Schuss ab. Die im Bauchbereich Getroffene stieß ihn daraufhin weg und versuchte zu flüchten - da gab der Mann den zweiten Schuss ab und traf sie in den Kopf. Die Frau sackte zusammen.
Versuche, das Fahrzeug des Opfers in Betrieb zu nehmen, misslangen, weil der Renault per Chipkarte zu starten ist, sagten die Kriminalisten. Der Mann suchte zuerst im Wageninneren nach einem Schlüssel, dann bei seinem im Sterben liegenden Opfer. Schließlich versuchte er erneut, das Auto zu starten und flüchtete dann. Einem zufällig vorbei kommenden Passanten erklärte er noch: "Da unten liegt eine sterbende Frau."
Ehepaar hatte nach Scheidung kaum Kontakt
Anstalten, ein anderes Auto zu stehlen, machte der gelernte Koch nicht. Er fuhr mit dem Bus zum Haus seiner Ex-Frau nach Rohrbach, das als Wochenendhaus genutzt wird. Das Gebäude, ein Erbstück der Familie der Frau, wurde seit Mitte der 1990er Jahre gemeinsam vom Paar renoviert, wie die Kriminalisten Schantl und Eberhart erklärten. Das Ehepaar hätte nach der Scheidung im Jahr 2005 kaum noch Kontakt gehabt.
Der Wiener berichtete laut Polizei von Details, die nur der Täter wissen konnte; er gab aber auch an, Erinnerungslücken zu haben. Ob der Verdächtige in psychiatrischer Behandlung gewesen ist oder Medikamente eingenommen hat, war vorerst noch nicht bekannt - ebenso nicht, wie viel Promille Alkohol der 50-Jährige tatsächlich im Blut hatte. Ein auslösendes Schlüsselerlebnis hat es offenbar nicht gegeben.
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