Afghanistan-Visite
Soldaten feiern Feschak Guttenberg wie einen Popstar
Die deutschen Soldaten in Afghanistan empfingen ihren neuen Verteidigungsminister wie einen berühmten Sänger: Hunderte Uniformierte drängten sich trotz der nächtlichen Kälte im Innenhof eines Flachbaus im Lager Mazar-i-Sharif, wo gewöhnlich Kaffee und Bier ausgeschenkt werden. Doch an diesem Abend hieß die einzige Attraktion Karl-Theodor zu Guttenberg.
Quiekende Soldatinnen bitten um ein gemeinsames Foto
Mit quiekender Stimme bitten Soldatinnen um ein gemeinsames Foto mit dem Minister, der auf seinem Weg durch die Menge von einem Blitzlichtgewitter verfolgt wird. Viele Soldaten schütteln ihrem neuen Minister einfach die Hand und wechseln ein paar Worte mit ihm. Die Truppe rechnet dem 37-Jährigen hoch an, dass er sich nach gerade einmal zwei Wochen im Amt schon an den Hindukusch aufgemacht hat. "Man hat das Gefühl: Das ist einer, der hat sich auf das Amt gefreut, der macht das mit Herzblut", fasst ein 29-jähriger Soldat seinen ersten Eindruck zusammen. "Mich motiviert das auf jeden Fall."
Ein Raunen geht durch die Reihen, als Guttenberg im Dunkeln eine kurze Ansprache vor den Soldaten hält. Kurz zuvor hat er sich das Ehrenmal für die gefallenen Soldaten im Norden Afghanistans zeigen lassen und sich dort im Respekt vor den Toten verneigt. Nun mahnt er nachdenklich, man dürfe nicht nur kühl dem Soldatentum nachgehen, sondern müsse auch Emotionen zulassen - indem man sich die Folgen klarmache, die der Dienst für die Soldaten haben könne.
"Jetzt hab ich Lust auf ein anständiges Bier"
Doch der neue Minister lobt die Truppe auch, und zwar mit Pathos. "Sie leisten hier Großartiges", sagt er. "Ich glaube, dass unser gemeinsames Vaterland stolz auf Sie sein kann. Ich bin das, sehr sogar." Dann verkündet er, nun Lust auf ein anständiges Bier zu haben - und dass er sich auf einen Abend freue, an dem er einmal nicht über Autos und Opel reden müsse.
"Die Rede wirkt, als wenn er mehr hinter uns steht. Er spricht aus, was die Soldaten bewegt", freut sich ein 34-Jähriger, der erst vor kurzem in Afghanistan angekommen ist. Doch die Truppe erwartet auch Gegenleistungen für all die Vorschusslorbeeren. Bisher hat Guttenberg zwar die Sympathien vieler Soldaten und eine Menge Hoffnungen ruhen auf ihm. Aber die Soldaten werden ihn letztendlich an seiner Leistung im neuen Amt messen. "Mal sehen, was die nächsten Jahre so bringen", spricht es einer aus.



Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.