"Graf" verurteilt

Feine Gesellschaft geht Hochstapler auf den Leim

Wien
11.11.2009 10:22
"Er ist ein ausgezeichneter Schauspieler. Der gehört ins Burgtheater", sagte eine Zeugin. Sie meinte damit den schlaksigen Mann auf der Anklagebank. Der hätte sich bei der Künstlerin gerne in besserer Erinnerung gehalten: Als "Graf Dr. Andrássy", wie er sich ausgab, als letzter Nachkomme eines ungarischen Adelsgeschlechts. Doch in der "feinen Gesellschaft" ruinierte sich der Hochstapler mit Diebstählen den Ruf.

Vor Richterin Brigitte Zeilinger im Wiener Straflandesgericht erzählte der Mann von den Höhen und Tiefen seines abwechslungsreichen Lebens. Nimmt man alle Geschichten für bare Münze, handelt es sich bei dem 41-jährigen Angeklagten um einen verheirateten Priester, der nur deshalb nicht verstoßen wurde, weil ihn Papst Johannes Paul II. persönlich in Rom geweiht hat.

Sechsfach vorbestrafter Theologe
Der Magister der Theologie und Philosophie arbeitete angeblich auch als Lehrer. Das "angeblich" muss hier unter Berücksichtigung seiner sechs Vorstrafen wegen Diebstahls und Betrugs besonders betont werden. Im Sommer traf er jedenfalls in einem Wiener Café einen pensionierten Botschafter mit Hang zur Monarchie. Dem gegenüber offenbarte sich der Hochstapler als "Graf Andrássy" und wurde prompt in die "feine Gesellschaft" eingeführt.

Genauer gesagt war das ein Musiksalon einer Künstlerin in Wien, wo betuchte Damen ein und aus gingen. Denen vertraute er sein ach so schweres Schicksal an: Sein Sohn sei bei einem Unfall gestorben, erzählte er dort. Man habe gemeinsam geweint, berichtete eine Zeugin.

Doch die Trauer wich bald dem Zorn, als mehrere Frauen bemerkten, dass sie bestohlen worden waren. Das Urteil – zwei Jahre Haft – nahm der Angeklagte sofort an.

von Peter Grotter, Kronen Zeitung
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele