Opel-Deal

General-Motors-Boss entschuldigt sich für Debakel

Ausland
10.11.2009 23:04
General-Motors-Chef Fritz Henderson hat sich in einem Fernsehinterview ausdrücklich dafür entschuldigt, welche Rolle GM in den vergangenen Wochen bei Opel gespielt hat. In einem Interview der ARD-Tagesthemen sagte Henderson am Dienstagabend: "Das bedauern wir sehr, wenn wir daran denken, wie der Prozess in den letzten paar Wochen abgelaufen ist." Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich am Dienstag noch einmal deutlich verstimmt über den abgesagten Deal.

"Es war nicht die Absicht, jemanden zu überraschen, obwohl wir wissen, dass wir das doch getan haben", setzte Henderson sein Statement fort. GM hatte den ursprünglich geplanten Verkauf Opels an den Zulieferer Magna und die russische Sberbank in der vergangenen Woche kurzfristig abgesagt. Die Vorgehensweise von GM hatte Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag scharf kritisiert.

"General Motors war über Monate hinweg nicht in der Lage, seiner Verantwortung als Mutterkonzern von Opel auch nur annähernd gerecht zu werden", sagte die Kanzlerin. Henderson betonte in dem Tagesthemen-Interview, dass GM "ungeheuer dankbar" für die Unterstützung sei, die der deutsche Staat seit Ende Mai mit der Bereitstellung eines Überbrückungskredits geleistet habe, "denn ansonsten wären wir heute nicht hier". GM will sich um weitere Hilfen auch in anderen europäischen Ländern mit Opel-Standorten bemühen und bis Ende November auch die noch verbliebenen 600 Millionen Euro aus dem Überbrückungskredit zurückzahlen. "Das Ziel ist jetzt nicht, Regierungen gegeneinander auszuspielen", sagte Henderson.

Drohung zurückgezogen
Der GM-Chef zog die Drohung des Konzerns von vergangener Woche zurück, dass Opel die Insolvenz bevorstehe, wenn die Beschäftigten nicht zu Zugeständnissen bereit seien. "Eine Insolvenz ist nicht notwendig und auch nicht wahrscheinlich", so Henderson in der ARD.

Ebenfalls am Dienstag hatte Merkel in ihrer Regierungserklärung  General Motors die kalte Schulter gezeigt. Der US-Konzern dürfe sich vorerst keine Hoffnung auf eine weitreichende Unterstützung der deutschen Regierung zur Sanierung von Opel machen. GM müsse zum Umbau seiner Europa-Tochter selbst tief in die Tasche greifen, sagte die Kanzlerin.

Forderungen an GM
"Gelingen kann diese Lösung nur, wenn General Motors den Hauptanteil der Restrukturierung mit eigenen Mitteln trägt", sagte Merkel in Berlin. Der Konzern müsse sich um seine europäischen Standorte ebenso kümmern wie um sein US-Geschäft.

Gleichzeitig stellte Merkel dem Autobauer Staatshilfen für Opel nicht ganz in Abrede. Bundes- und Landesregierungen würden alles Mögliche tun, um die insgesamt vier deutschen Opel-Standorte zu sichern.

GM will drei Milliarden Euro an Staatshilfen
GM will in ganz Europa rund drei Milliarden Euro an Staatshilfen beantragen, um die Sanierung von Opel unter dem eigenen Dach zu finanzieren. Bisher gibt es dafür keine verbindlichen Zusagen. Um die Wogen nach dem überraschenden Platzen des Opel-Verkaufs an Magna zu glätten, ist GM-Chef Fritz Henderson derzeit auf Versöhnungstour in Deutschland.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz gab sich nach einem Treffen mit Henderson am Dienstagvormittag zurückhaltend. Zunächst wolle er Einsicht in einen umfassenden Plan für Opel mit einem soliden Finanzkonzept bis 2014. Erst danach würden die Arbeitnehmervertreter entscheiden, ob es weitere Gespräche oder Verhandlungen über Zugeständnisse der Belegschaft zur Sanierung von Opel gebe.

Jeder fünfte Opel-Arbeitsplatz wird gestrichen
Zunächst hatten die Arbeitnehmer aus Protest gegen die überraschende Kehrtwende von GM die Auszahlung von bisher nicht bezahlten Löhnen gefordert. GM will bei Opel in Europa jeden fünften Arbeitsplatz streichen und voraussichtlich das Astra-Werk im belgischen Antwerpen schließen.

Nick Reilly neuer Opel-Chef
Die Kehrtwende von GM im Gerangel über die Zukunft des Rüsselsheimer Autobauers hatte auch das Opel-Management vor den Kopf gestoßen und zum Rücktritt von GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster geführt, der lange als designierter Opel-Europa-Chef galt. Nun wird vorübergehend der GM-Manager Nick Reilly das Europageschäft leiten, bis ein externer Nachfolger gefunden ist.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele