Pflegefall Privatheim

Gewinnstreben auf dem Rücken der Senioren

Steiermark
09.11.2009 16:29
Viele private Alten- und Pflegeheimbetreiber sollen zwar seit Jahren kräftig Geld von der öffentlichen Hand kassiert, gleichzeitig aber immer weniger Geld für die Pflege ausgegeben haben. Stefan Hoflehner vom österreichischen Städtebund spricht von einem Selbstbedienungssystem, die Grazer ÖVP kritisiert Preistreiberei, die zulasten der Senioren geht.

Das Problem dabei: Die Kosten für Pflegeheime explodieren. Hoflehner: "Auf längere Sicht ist das jetzige System schlicht und einfach nicht mehr finanzierbar." Im Visier des Städtebundvertreters stehen private Heimbetreiber: "Deren Gewinne werden privatisiert, für deren Verluste muss die öffentliche Hand geradestehen."

Nicht alle privaten Anbieter werden von der öffentlichen Hand subventioniert. Jene, die Geld vom Steuerzahler erhalten, neigen aber dazu, bei der Pflege zu sparen. Daher bläst auch der Sozialsprecher der Grazer ÖVP, Thomas Rajakovics, ins selbe Horn: "Was die privaten Betreiber hier tun, ist Preistreiberei zulasten der öffentlichen Hand und der Senioren. Es kann so nicht mehr weitergehen, dass die Privaten immer weniger Geld in die Pflege investieren!"

"Bessere Pflege im staatlichen Heim"
Massive Kritik kommt aber auch von der Grazer SP – Gemeinderätin Waltraud Haas-Wippel: "Das ist der Sündenfall der privaten Heimbetreiber. Hier wird auf dem Rücken der Senioren Gewinn gemacht! Die Privaten nutzen ihre starke Stellung schamlos aus. Es zeigt sich, dass die öffentliche Hand Heime besser betreibt. In diese Richtung müssen wir gehen!"

Für Städtebundvertreter Hoflehner ist klar, dass private Betreiber umdenken müssen: "Es gehört ein anderer Verteilungsschlüssel her, der die Pflege in den Vordergrund rückt. Die Betreiber müssen Kosten für die Administration senken."

Tagsätze explodieren
Von 2008 auf 2009 kassierten die Privaten von der öffentlichen Hand einen um 9,7 Prozent erhöhten Tagsatz für ihre Pfleglinge. Gefordert hatten die privaten Pflegeanbieter sogar eine Erhöhung um 15 Prozent. Der Städtebund fordert nun, dass es für 2010 keine neuerliche Erhöhung geben darf. Hoflehner: "Die Kostendeckung für die Heime ist gewährleistet, zudem gibt es Einsparungspotenzial!"

Daten & Fakten:

  • 215 Alten- und Pflegeheime gibt es in der Steiermark. 119 werden von Privaten betrieben, 43 von der öffentlichen Hand, 53 von gemeinnützigen Vereinen bzw. der Kirche.
  • Die Nettoaufwendungen der Stadt Graz für die Heime stiegen seit dem Jahr 2000 von 7,5 Millionen Euro auf 16,1 Millionen heuer. Dabei stieg die Zahl der Heimbewohner kaum (1.552 waren es 2003, 1.670 im Jahr 2008). Für 2015 sind Kosten von 34,7 Millionen Euro angepeilt (Quelle: Stadtrechnungshof).
  • Zwei Kostenblöcke in den privaten Heimen sind seit 2006 besonders gestiegen (KDZ-Studie), nämlich der Anteil der kalkulatorischen Mieten (von 16,3 auf 18,3 Prozent) sowie die Administrationskosten (von 9,5 auf 10,3 Prozent) – im gleichen Zeitraum sanken die Pflegekosten auf Basis der Pflegestufe 4 von 35,5 Prozent auf 32,3 Prozent.
  • 60 Prozent der Tagsätze zahlt das Land, 40 die Kommunen.

von Gerald Richter, "Steirerkrone"

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