Mo, 10. Dezember 2018

Katias Kolumne

02.05.2018 12:15

Bitte, SPÖ: Selbstkritik & ehrliche Problemanalyse

Dienstag, pünktlich zur Mittagszeit war es dann soweit: Wiens Noch-Bürgermeister Michael Häupl verabschiedete sich im Rahmen der SPÖ-Festspiele zum Tag der Arbeit in seinen Ende Mai anstehenden, wohlverdienten Ruhestand. Nach fast einem Vierteljahrhundert im Amt übergibt der wortgewaltige Schmähkaiser Häupl das Zepter an Nachfolger Michael Ludwig, der vor fast 120.000 Besuchern auf der Rathausplatz-Bühne kämpferisch in Richtung türkis-blauer Bundesregierung tönt: „Lasst unser Wien in Ruhe!“

„Wir spüren alle: Die haben es auf Wien abgesehen. Aber wir lassen uns unser Wien nicht kaputtmachen!“, stellt der künftige Bürgermeister klar. Auch das übliche Mantra, dass Wien die lebenswerteste Stadt der Welt und eine einzigartige Erfolgsgeschichte unter Federführung der SPÖ und allen voran von Michael Häupl ist, darf an diesem Jubeltag nicht unerwähnt bleiben. Wien hat Flair, Wien soll Wien bleiben und Wien ist anders. Die Menge ist begeistert und applaudiert.

Brot und Spiele für das Wiener Volk
Bei heißen Würsteln, einem kalten Bier und stimmiger Trommelmusik sind Wien-bezogene Problem-Themen wie die stete Verschuldung der Stadt, das Millionengrab Krankenhaus Nord, die teuren Mieten, die regelmäßigen Verkehrsinfarkte oder die vielen Arbeitslosen und Mindestsicherungsbezieher schnell vergessen. Der traditionell rote 1. Mai steht vielmehr im Zeichen von „Passt eh alles“ statt „Gehen wir’s an“.

Denn obwohl Wien ohne Zweifel eine schöne Stadt ist - auch sie ist vor den Herausforderungen, vor denen die meisten europäischen Metropolen derzeit stehen, nicht gefeit. Hier ist Wien eben nicht anders: Die Themenkomplexe Migration, Sicherheit, Bildung, Arbeitsmarkt und Verkehr bedürfen in einer Millionenstadt wie Wien ernsthafter Überlegungen und mutiger Maßnahmen - und nicht einer selbstgerechten Nabelschau.

In dynamischen Zeiten und angesichts einer konstant wachsenden Bevölkerungszahl reicht es eben nicht, Wien passiv-museal zu verwalten, vielmehr wird es notwendig sein, die Stadt aktiv zukunftsfit zu machen. Ein kritisches Hinsehen muss möglich sein, ohne sich gleich den Vorwurf des „Wien-Bashings“ gefallen lassen zu müssen.

Das Comeback der SPÖ führt über Wien
Will die SPÖ irgendwann einmal den Bund wieder für sich zurückgewinnen, so wird sie in Wien, ihrer neben Kärnten und dem Burgenland letzten roten Bastion, beweisen müssen, dass sie gestalten will und umsetzen kann. Dazu gehört allerdings mehr, als von den 1.-Mai-Feierlichkeiten zum Donauinselfest und zu den Wiener Festwochen zu hüpfen. Es bedarf vielmehr einer ehrlichen, selbstkritischen Problemanalyse und eines konsequenten Umsetzungswillens.

Obwohl von den Vorhaben des zukünftigen Bürgermeisters Michael Ludwig noch nicht allzu viel bekannt ist, gilt er innerhalb der Partei mehr als Pragmatiker und weniger als Ideologe. Der erste kleine Schritt in Richtung pragmatischer Stadtführung war jedenfalls seine Initiative zum Alkoholverbot am Praterstern. Bis zum Lackmustest Wien-Wahl 2020 wird Ludwig unter Beweis stellen müssen, dass er auch in der Lage ist, die großen Themen anzugehen.

Katia Wagner, Kronen Zeitung

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