Die größte Neuerung an "Tekken 6" ist wohl, dass der Titel nach Jahren auf Sonys PlayStation erstmals auch auf Microsofts Xbox 360 zum Prügeln einlädt. Von diesem Novum einmal abgesehen, gibt es nur wenig Überraschendes zu erleben. Insgesamt 40 Charaktere, sechs davon bislang gänzlich unbekannt, geben sich diesmal auf die Hucke – sei es im sowohl on- als auch offline bestreitbaren Versus-Mode, im Team-Battle, dem Geistermodus oder im Kampf auf Leben und Tod, bis der eigene Energiebalken dahingerafft ist.
Auf Wunsch dürfen auch eigene Charaktere erstellt und bis ins kleinste Detail den eigenen Wünschen angepasst werden. Doch so unterschiedlich Frisuren, Outfits, Accessoires oder Tattoos auch sein mögen: Am Ende haut man sich eben doch nur auf die Fresse. Jeder Button steht dabei wie gehabt für ein Körperteil und erlaubt unter Zuhilfenahme des linken Analogsticks oder D-Pads das Ausführen hoher, mittlerer und tiefer Schläge sowie Tritte. Beides auszuführen ist nicht schwer, es zu meistern jedoch sehr, weshalb Button-Smasher schnell an ihre Grenzen stoßen dürften. Abhilfe leistet in diesem Fall ein Blick ins Tutorial.
So bekannt das Gameplay, so bekannt auch die Optik – die scheint sich seit dem Vorgänger nämlich nicht entscheidend verbessert zu haben und lässt sich – von den aufwändigen und gewohnt prunkvoll bis kitschig inszenierten Rendersequenzen abgesehen – am ehesten als altbacken und nicht mehr ganz State of the Art beschreiben. Während die Prügelknaben und –damen gewohnt flüssig über den Bildschirm prügeln, schwankt insbesondere die grafische Qualität der an sich abwechslungsreich gestalteten und teils mit zerstörbaren Elementen ausgestatteten Umgebungen stark.
Besonders unschön anzusehen ist "Tekken 6" jedoch im Kampagnen-Modus, der im Prinzip ein eigenes Spiel im Spiel darstellt und mit der bisherigen Prügelei nicht viel gemein hat. Während man normalerweise auf seine Arena beschränkt ist, schlägt man sich hier relativ frei in der 3rd-Person-Perspektive durch die Welt, sammelt Items und schaltet jede Menge neuer Objekte frei. Das klingt spaßig, sieht aber vergleichsweise hässlich aus und spielt sich dank unzureichender Zielerfassung eher krampfig. Die Hintergrundgeschichte, die der Kampagnenmodus zu erzählen versucht, dürften ohnehin nur eingesessene Fans interessant finden, geschweige denn überhaupt verstehen.
Nicht verstehen dürften auch nur die Wenigsten die Dialoge der tapferen Recken, die zumeist in Japanisch, aber auch in Chinesisch oder Englisch vorgetragen werden. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht, was durchaus auch sein Gutes hat. Wer allerdings verstehen möchte, was gesagt wird, muss mit Untertiteln vorlieb nehmen. Nicht sonderlich erwähnenswert ist schließlich die bis auf einen skurrilen Jodel-Soundtrack aus Dance- und Rock-Klängen zusammengesetzte musikalische Untermalung.
Fazit: "Tekken 6" bestätigt einmal mehr das Gefühl, dass sich das Genre des Beat'em Ups allmählich tot geprügelt hat. Zahlreiche gleich von Beginn an frei spielbare und zum Teil neue Charaktere sowie der durchaus unterhaltsame Online-Part können eben nicht darüber hinweg täuschen, dass das Spielprinzip seit Jahren keine Neuerung erfahren hat. Den Fan kümmert das freilich wenig, zumal die Steuerung nach wie vor perfekt funktioniert, und erfreut sich an Langeweile auf hohem Niveau. Der Gelegenheits-Schläger kann sich sein Geld jedoch getrost sparen und auch weiterhin mit einem der Vorgänger-Titel seinen Spaß haben.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Namco Bandai
krone.at-Wertung: 7/10
von Sebastian Räuchle









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