Täter gestoppt

Schwerverletzte Polizistin ist "Heldin von Fort Hood"

Ausland
07.11.2009 18:30
Die USA feiern die "Heldin von Fort Hood". Laut US-Medienberichten soll die 34-jährige Polizistin Kimberly Munley an ihrem freien Tag den Amokläufer mit einem gezielten Schuss gestoppt und somit noch mehr Tote verhindert haben. Sie selbst wurde dabei von drei Kugeln getroffen und sackte schwer verletzt zusammen.

Eigentlich wollte Sergeant Kimberly Munley an ihrem freien Tag gerade ihren Wagen in die Werkstatt bringen, als sie über Funk von dem Amoklauf auf der Militärbasis hörte. Ohne zu zögern kehrte sie um, fuhr nach Fort Hood und machte sich auf die Suche nach dem Schützen Nidal Malik Hasan.

Schuss in die Brust stoppte Täter
Angeblich jagte dieser gerade einem schwer verletzten Soldaten nach, als Munley auf ihn stieß. Als sie versuchte, Hasan zu stellen, eröffnete der Schütze auch auf sie das Feuer. Die Polizistin wurde in beide Oberschenkel und an der Hand getroffen, schaffte es aber noch, Hasan durch einen Schuss in die Brust zu stoppen. Dadurch verhinderte sie vermutlich ein weitaus schlimmeres Blutbad. In unmittelbarer Nähe des Tatorts fand gerade eine Graduiertenfeier mit rund 600 Teilnehmern statt. Hasan soll sich gerade auf dem Weg zu dem Gebäude befunden haben, als er von Munley gestoppt wurde.

Die Polizistin ist Mutter einer dreijährigen Tochter. Derzeit liegt die begeisterte Jägerin und Suferin im Krankenhaus. Präsident Obama würdigte sie in einer Fernsehaussprache ausdrücklich: "Die Tat in Fort Hood hat das Schlimmste, aber auch das Beste gezeigt, was Menschen zustande bringen können. Obwohl sie selbst verletzt war, hat sie den Schützen niedergeschossen." Ein Angestellter des Armeepostens lobte die Polizistin mit den Worten: "Sie ist eine wahre Heldin".

Besonders gefährliche Waffe eingesetzt
Wie jetzt bekannt wurde, benutzte der Amokläufer bei seiner Tat eine besonders gefährliche Waffe. Die Pistole FN 5.7 ist auch unter dem Namen "Cop Killer" bekannt, da sie Munition verschießen kann, die sogar Schutzwesten durchschlägt. Ob Hasan diese Projektile bei seiner Tat benutzte, ist derzeit noch nicht klar.

Unterdessen haben Hunderttausende Soldaten auf US-Militärstützpunkten weltweit der Opfer des Amoklaufs gedacht. Das Motiv des muslimischen Militär-Psychiaters gilt weiter als ungeklärt. Bei der Tat wurden 13 Menschen getötet, 30 wurden verletzt. Major Nidal Malik Hasan liegt derzeit im Koma, sein Zustand ist nach Spitalsangaben aber stabil.

Albträume wegen bevorstehender Entsendung?
US-Medien berichteten am Freitag, der 39-Jährige litt unter seiner bevorstehenden Entsendung nach Afghanistan und habe deswegen Albträume gehabt. "Er schämte sich dafür, entsendet zu werden", sagte sein Cousin Nadal der "New York Times". Hasan sollte als Mitglied einer Reserveeinheit, die Soldaten mit psychischen Störungen betreut, in Afghanistan stationiert werden, so eine Heeressprecherin. Er lehnte dies aber ab. Der gläubige Muslim palästinensischer Abstammung hatte sich öffentlich gegen die Kriege im Irak und Afghanistan geäußert.

Amokläufer trug Dischdascha
Ermittler durchsuchten indes die Wohnung des Todesschützen im texanischen Killeen in der Hoffnung, Hinweise auf die Hintergründe zu finden. Er habe unlängst begonnen, seine Möbel sowie anderes Hab und Gut wegzugeben, darunter auch einen Koran, meldete die Zeitung "Killeen Daily Herald". In den vergangenen Wochen habe Hasan zudem begonnen "arabische Kleidung" zu tragen, berichteten Nachbarn. Der US-Sender CNN zeigte kurz vor der Tat aufgenommene Bilder einer Überwachungskamera in Fort Hood, auf denen Hasan in einem knöchellangen, weißen Gewand, der vor allem im arabischen Raum traditionellen Dischdascha, zu sehen ist.

Zeugen berichteten außerdem, Hasan habe "Allahu Akhbar" (Gott ist groß) gerufen, als er das Feuer eröffnete. Der Todesschütze gilt als strenggläubiger Muslim. Eine Tante des 39-Jährigen, Noel Hasan, sagte der "Washington Post", er sei seit den verheerenden Terroranschlägen vom 11. September 2001 wegen seines Glaubens immer wieder schikaniert worden. Unter Kollegen galt er als Einzelgänger mit "ungewöhnlichem" Auftreten. Viele Kollegen hätten deshalb vermieden, ihm Patienten zu schicken, so ein Mitarbeiter.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele