Wie schon bei der Demo am vergangenen Donnerstag, an der noch 2.000 bis 2.500 Studierende teilgenommen hatten, führte die Route über die Glacisstraße, den Jakominiplatz und die Herrengasse auf den Hauptplatz und dann über die Sporgasse und durch den Stadtpark zurück zur Uni. Abermals schwenkten die Studierenden ihre Transparente mit Slogans wie "Unsere Bildung ist eure Pension" oder "PolitikerInnen gehen, Probleme bleiben".
Auch Schüler, Gewerkschafter und Professoren zeigten sich solidarisch, wie etwa eine Historikerin erklärte: "Ich bin hier, weil ich meinen Studierenden noch ins Gesicht schauen können will."
Musik schallte durch Grazer Straßen
Der Demonstrationszug war begleitet von einem Transportwagen mit Boxen, aus denen Hip-Hop-, Disco- und Dancemusik durch die Straßen schallte und für Aufmerksamkeit sorgte. Passanten mussten den Massen weichen, nahmen Handzettel mit den Forderungen der Uni-Angehörigen an und ließen sich auch persönlich über die Beweggründe informieren. Andere wiederum zeigten sich genervt und wiesen die Flyer von sich. Ihr Ende fand die Demonstration in einer Schlusskundgebung vor der Universität.
Auch an den kommenden Tagen wollen die Studenten weiterhin die Vorklinik besetzen und Veranstaltungen abhalten: Am Freitag lädt die Arbeitsgemeinschaft Psychohygiene zum "gemütlichen Spaziergang auf den Rosenhain" und in der Nacht findet die "Valentins Youtube Mitternachts Musikstunde" statt. Am Samstag steht ein Konzert mit anschließender Party in der Vorklinik am Programm.
Brückenblockade schon zu Mittag
Mit mehreren Aktionen am Hauptplatz war der Aktionstag "Freie Bildung für alle" am Donnerstagmittag gestartet worden. Zu den auffallendsten Provokationen gehörte die zweiminütige Blockade der Erzherzog-Johann-Brücke durch Studierende der FH Joanneum: Rund 50 Personen verharrten auf Zupfiff zwei Minuten mit einem Buch in der Hand und sorgten damit für Irritation bei den Passanten."Wir wollen mit dieser Aktion auf auf die schlechte Ausstattung unserer Bibliothek aufmerksam machen", so eine (Brücken-)Aktivistin.
Ein Sarg als Flop
Weniger öffentliche Anteilnahme erreichte eine rund 20-köpfige Studentengruppe von "Unigraz gehört uns", die von der Fußgängerbrücke Edeggersteg einen Sarg in die Mur hinunterließ: "Wir könnten hier offenbar wirklich einen Menschen versenken, und niemanden würd's interessieren", wunderte sich einer der Studierenden. Am Hauptplatz selbst "bettelten" weitere Studierende für "neue Tafeltücher und -schwämme". Andere hatten verbundene Augen und Münder, trugen die Aufschrift "unmündig". Personen im Business-Look schleppten jeweils drei bis vier an Ketten gefesselte Studierende hinter sich her.
Kino als Ersatzhörsaal
Das Rektorat der Universität Graz hat indes aufgrund der aktuellen Besetzung der drei Hörsäle A, B und C mit insgesamt etwa 600 Sitzplätzen beschlossen, zusätzlich zu internen Hörsaal-Umschichtungen Ersatzräumlichkeiten anzumieten. Für die nächsten Wochen wird die Uni mit einem Teil der Lehrveranstaltungen in die UCI-Kinowelt Annenhof in der Annenstraße ausweichen. Bis zu 80 Lehrveranstaltungen pro Woche sind derzeit von den Protestmaßnahmen betroffen.
Das Rektorat respektiere die Meinungsfreiheit, zum anderen würden aber auch Studierende ihr Recht auf Besuch der Lehrveranstaltungen einfordern, hieß es am Donnerstag von der Uni.
"Verunglückte Gesetze aufheben"
Der Betriebsrat für das wissenschaftliche Universitätspersonal an der Karl-Franzens-Universität zeigte sich bereits am Mittwoch verständnisvoll und unterstütze einen Gutteil der Forderungen der Studierenden. Er wünschte sich dringend eine "international vergleichbare Ausstattung für das wissenschaftliche Universitätspersonal" und eine "umfassende Revision der verunglückten Universitätsgesetze seit 2002".








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