"Er ist krank"

Sieben Jahre Haft und Einweisung für Pädophilen

Österreich
03.11.2009 14:28
"Sie wollte das" und "Ich hab' sie nie zu etwas gezwungen": Mit derartigen Aussagen ist ein 41 Jahre alter Wiener am Dienstag im Straflandesgericht den Vorwürfen begegnet, seine zehn Jahre alte Stieftochter über Wochen hinweg sexuell missbraucht, das Mädchen dabei fotografiert und die Bilder in einem Pädophilen-Forum im Internet verbreitet zu haben. Das Urteil: sieben Jahre Haft plus Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher.

Aus der Anstalt wird der Mann selbst nach Verbüßung seiner Strafe erst dann entlassen, wenn ihn ein psychiatrischer Sachverständiger für nicht mehr gefährlich hält. Derzeit geht laut einem Gutachten des Gerichtspsychiaters von dem Mann eine immense Gefahr aus. Seine pädophile Neigung sei in einem Ausmaß vorhanden, dass ohne therapeutische Behandlung in einer Sonderstrafanstalt neuerlich mit der Begehung von Straftaten mit schweren Folgen zu rechnen ist. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. "Ich nehme an", verzichtete der Angeklagte auf Rechtsmittel.

Erfolgreiche "Operation Geisterwald"
Auf den Mann waren die Sicherheitsbehörden im Zuge der "Operation Geisterwald" gestoßen, die federführend von der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main (Deutschland) betrieben wurde. Dabei konnte ein international tätiger Kinderporno-Ring zerschlagen werden. Weltweit wurden auf Basis der Erkenntnisse der Sonderermittler 160 Hausdurchsuchungen durchgeführt. 22 Männer wurden festgenommen. Fünf von ihnen stammten aus Österreich.

Videofilme und Bilder angefertigt
Auch der 41-jährige Wiener wanderte hinter Gitter. Der Mann, selbst Vater einer Achtjährigen und zweier jüngerer Söhne, hatte sich Zugang zu einem auf Pädophilie und Kindesmissbrauch ausgerichteten Internet-Forum verschafft. Dort brüstete er sich mit dem Missbrauch seiner Stieftochter, die seine Frau mit in die Ehe gebracht hatte. Wiederholt kündigte er anderen Usern an, er werde die Zehnjährige am Abend "wieder verwöhnen" bzw. "richtigen Spaß" haben.

Acht Videofilme und 540 Bilddateien von seinen abscheulichen Verbrechen fertigte er laut Anklage an. Zahlreiche Fotos veröffentlichte er. Einem User mit dem bezeichnenden Namen "Dirtyuncle" bot er um 1.000 Euro einen Film zum Kauf an.

"Er ist krank - so ist das zu sehen"
"Ich wollte ihr nie Schmerzen zufügen oder sonst was", gab der Angeklagte zu Protokoll, der sich formal zum Großteil der Anklage schuldig bekannte. Er leugnete lediglich, der Schülerin Alkohol eingeflößt zu haben, um sie wehrlos zu machen.

Den Alkohol habe die Zehnjährige selbst getrunken, "weil sie an Durscht bekommen hat", behauptete der Mann in breitem Wienerisch. "Er ist krank. Unter diesem Gesichtspunkt sind diese Dinge zu sehen", sagte sein Verteidiger, ehe die Öffentlichkeit zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Opfers von der Verhandlung ausgeschlossen wurde.

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