Trotz Grippe-Chaos

Putin will der Ukraine den Gashahn zudrehen

Ausland
02.11.2009 20:37
Wladimir Putin bleibt unberechenbar - und gnadenlos. Unverhohlen droht der russische Ministerpräsident damit, der Ukraine den Gashahn zuzudrehen. Diesmal würde der Lieferstopp das Land ungleich härter treffen als noch im vergangenen Winter. Denn derzeit tobt in der Ukraine die Neue Grippe. 190.000 Menschen sind bereits infiziert. Für sie würde ein Ende der Gaslieferungen einer Katastrophe gleichkommen.

Die Situation ist absurd. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko fleht die internationale Staatengemeinschaft um Hilfe im Kampf gegen die Neue Grippe an - und fast zeitgleich droht Wladimir Putin damit, dem Land den Gashahn zuzudrehen. Der Grund sind wieder einmal Streitereien um die Zahlung der Lieferungen.

190.000 Menschen sind in der Ukraine derzeit mit der Neuen Grippe infiziert, und die Zahl der Erkrankten steigt sprunghaft an. Allein seit dem Wochenende hat sie sich mehr als verdoppelt. 60 Tote sind bereits zu beklagen (siehe Infobox).

Putin warnt auch EU vor ausbleibenden Lieferungen
Wladimir Putin scheint das egal zu sein. Denn angeblich hat die Ukraine Schwierigkeiten, die offenen Gas-Rechnungen zu bezahlen. Das zumindest behauptet der Staatskonzern Gazprom. Wie russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf den Pressedienst des Ministerpräsidenten berichteten, sprach Putin in einem Telefonat mit dem amtierenden EU-Ratsvorsitzenden und schwedischen Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt eine entsprechende Warnung aus.

Dabei habe Putin darauf aufmerksam gemacht, dass er klare Hinweise auf einen bevorstehenden Zahlungsausfall habe. In der Folge könne es Probleme bei der Lieferung des Erdgases über die Ukraine für die Verbraucher in Westeuropa geben. Die EU-Kommission hatte Russlands Regierungschef erst am Samstag vor "Angstmacherei" in der Frage der russischen Gaslieferungen nach Europa gewarnt.

Immer wieder Lieferprobleme
In den vergangenen Jahren hatte es mehrfach Probleme gegeben, weil die Ukraine ihre Gasrechnungen in Russland nicht rechtzeitig begleichen konnte und die russischen Konzerne daraufhin die Transitlieferungen Richtung Westeuropa abzubrechen drohten oder sogar blockierten. Dies war zuletzt im Jänner der Fall, als die Lieferungen tatsächlich für 13 Tage eingestellt wurden. Ob Putin mit seiner Drohung gegen die derzeit arg gebeutelte Ukraine wirklich ernst macht, ist noch nicht abzuschätzen. Viele Beobachter trauen ihm die harte Gangart jedoch zu.

Österreich litt bei der Blockade im vergangenen Jahr dank großer Vorratslager nicht unter dem Ausbleiben des Brennstoffs, doch andere Staaten, vornehmlich auf dem Balkan, mussten frieren. In unserem Land gibt es drei große, unterirdische Speicher, in denen derzeit etwa 2,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas lagern. Das entspricht einem Füllstand von etwa 95 Prozent.

Wie lange hält Österreich ohne Russland durch?
Wie lange diese Menge im Falle eines Lieferstopps ausreicht, ist nur schwer abzuschätzen, da der Gasverbrauch natürlich stark vom Wetter abhängt. Klar ist: Österreich benötigt pro Jahr etwas mehr als acht Milliarden Kubikmeter - im Winter liegt der Verbrauch deutlich höher als im Sommer. Russland liefert 54 Prozent des Brennstoffs. Inoffizielle Schätzungen gehen davon aus, dass sich Österreich bei einem Ausbleiben von Putins Lieferungen etwa drei Monate in vollem Umfang über seine Speicher versorgen könnte. Anschließend wird es jedoch eng. Es müsste auf die 14 Prozent Erdgas aus Eigenproduktion zurückgegriffen werden. Auch ein "Anpumpen" von Nachbarstaaten wäre denkbar - sofern diese im Falle einer Sperre überhaupt selbst noch über Erdgas verfügen und bereit sind, es zu teilen.

Ukraines Kampf gegen die Neue Grippe
Die Ukraine verfügt hingegen kaum über Speicheranlagen. Deswegen würde sie ein Lieferstopp augenblicklich treffen. Trotz des Gegenwinds aus Russland: Immerhin beim Kampf gegen die Neue Grippe kann sich das Land jetzt über erste Unterstützer freuen, vor allem aus Polen und der Slowakei. So habe die Slowakei laut ukrainischem Außenministerium 200.000 Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt. Regierungsangaben zufolge bestellte die Ukraine in der Schweiz zudem 16 Tonnen des Grippemedikaments Tamiflu, der Vorrat solle für einen Monat reichen. Am Freitag hatte Regierungschefin Julia Timoschenko wegen der Neuen Grippe die Schließung aller Schulen für mindestens drei Wochen angeordnet.

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