So, 21. Oktober 2018

Staatsakt in Hofburg

12.03.2018 13:57

Österreich gedachte des „Anschlusses“ 1938

Vor 80 Jahren, am 12. März 1938, verschwand Österreich mit dem Einmarsch deutscher Truppen und dem daraus resultierenden „Anschluss“ an Nazideutschland von den Landkarten. Dieses dramatischen und folgenschweren Ereignisses gedachte das offizielle Österreich am Montag mit einem Staatsakt in der Wiener Hofburg, wo die heimische Politprominenz praktisch vollzählig vertreten war. Die Begrüßungsrede hielt Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der sich gegen „jegliches Vergessen und für die Stärkung der Demokratie“ aussprach. Kanzler Sebastian Kurz verurteilte „Antisemitismus, egal, ob schon vorhanden oder importiert“.

Der 12. März 1938 stelle einen „Kulminationspunkt einer katastrophalen Entwicklung dar“, resümierte der Bundespräsident die Ereignisse. Der in gewissen Kreisen populären „Opferthese“ widersprach Van der Bellen dabei unmissverständlich: „Österreich hat Mitverantwortung für die Gräueltaten des Nationalsozialismus.“ Der richtige Zeitpunkt, sich der eigenen Geschichte zu stellen sei „gestern, heute und morgen“.

Die Lehren, die das Staatsoberhaupt aus den Ereignissen zieht, sind etwa, „dass Diskriminierung ein erster Schritt zu Entmenschlichung ist“ und „dass Rassismus und Antisemitismus nicht einfach verschwinden, sondern auch heute im Kleinen wie im Großen weiter existieren“. Es könne nicht nur darum gehen, Werte einer offenen, demokratischen Gesellschaft zu verteidigen, sondern diese vielmehr auszubauen und zu stärken.

Kurz: „‘Anschluss‘ Auftakt zu einem nie da gewesenen Verbrechen“
Auf seine eigenen Erfahrungen mit Berichten von Holocaust-Überlebenden ging Kurz ein. Für ihn ist der „Anschluss“ der „Auftakt zu einem nie da gewesenen Verbrechen: der Schoah“. Nicht nur für die eigene jüdische Bevölkerung trage Österreich Verantwortung, meinte der Bundeskanzler, denn „die österreichische Verpflichtung endet nicht an unseren Grenzen“. Auch in Israel müssten Juden in Freiheit und Sicherheit leben können.

Auch Kurz erwähnte, dass sich Österreich eine Zeit lang gerne als „Opfer“ des Nationalsozialismus betrachtet hat, was sicher für jene gelte, die Widerstand geleistet haben. Viele Menschen hätten aber auch das System unterstützt. Kurz: „Jeder Mensch trägt nicht nur Verantwortung dafür, was er tut, sondern vor allem dafür, was er nicht tut.“ Heute gelte es daher, „gegen jede Art von Intoleranz und Extremismus“ anzukämpfen.

„Österreicher in den vordersten Reihen der Nazis“
Die Gedenkrede beim Festakt in der Hofburg hielt André Heller, der sich an das Schicksal seines eigenen Vaters nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erinnerte. Auch er erinnerte daran, dass sich in den vordersten Reihen der Nazis nicht wenige Österreicher befanden, nicht nur Adolf Hitler selbst. Und auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs habe es „in den Köpfen der Menschen weiter gegärt“ und hätten „Splitter und Balken“ in der Gesellschaft weiter existiert.

Als Österreich zur Ostmark wurde
Der Einmarsch deutscher Truppen am 12. März 1938 markierte das Ende der Ersten Republik, der junge Staat Österreich wurde zur Ostmark. Schon am Vorabend hatte Bundespräsident Wilhelm Miklas den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart zum Bundeskanzler gemacht, nachdem Kurt Schuschnigg unter deutschem Druck abgetreten war.

Klanginstallation am Heldenplatz
Eingeweiht wurde unmittelbar nach dem Staatsakt auch eine Klanginstallation am Heldenplatz, wo Adolf Hitler drei Tage nach dem Einmarsch den „Anschluss“ verkündet hatte. Die schottische Klangkünstlerin Susan Philipsz breitete vor der Hofburg einen Klangteppich aus Geräuschen tönenden Glases aus.

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