So, 19. August 2018

Für Angehörige

31.01.2018 12:59

Ein Kompass durch das Pflege-Dickicht

Der Vater oder die Oma werden plötzlich zum Pflegefall – was nun? Häufig sind Familien unvorbereitet mit solchen Situationen konfrontiert, es fehlen Informationen und der Überblick über das Angebot. In drei steirischen Bezirken steht ab sofort eine zentrale Ansprechperson zur Verfügung, die berät und - wenn gewünscht - auch bei der Umsetzung der Ratschläge hilft.

Ein Blick in die Zukunft verdeutlicht die Dringlichkeit des Themas: Beziehen derzeit in der Steiermark etwa 80.500 Personen Pflegegeld, soll diese Zahl bis zum Jahr 2025 auf 93.000 Personen steigen. Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden derzeit zuhause im Familienverbund gepflegt. Knapp 17.000 Betroffene bekommen Besuch von mobilen Diensten, fast 13.000 Personen leben in Pflegeheimen. 

Die Herausforderungen sind also groß. „Unser Bezirk wächst, damit auch die Zahl der Pflegebedürftigen“, schildert auch der Weizer Bezirkshauptmann Rüdiger Taus. In seiner Behörde wurde jetzt eine „Pflegedrehscheibe“ installiert, an die sich Betroffene und ihre Angehörigen wenden können. Konkret ist das eine diplomierte Pflegerin mit Zusatzausbildungen, neudeutsch "Case- und Care-Managerin" genannt. Ziel der Beratungen ist es, die individuell beste Betreuung für jeden Fall zu finden. Manchmal kann eine 24-Stunden-Betreuung gar nicht notwendig sein, es reichen beispielsweise Besuche eines mobilen Dienstes. Taus: "Ich erwarte mir eine Kostensenkung oder zumindest eine gleichbleibende Kostenentwicklung." In den vergangenen Jahren sind die Kosten im Sozialbereich ja geradezu explodiert.

Drei Bezirke sollen nur der Anfang sein
In Graz läuft das Projekt, angesiedelt bei den Geriatrischen Gesundheitszentren, bereits seit zwei Jahren. Seit damals trafen auch 128 Anfragen aus anderen Bezirken dort ein. Ein Beleg, wie groß die Nachfrage nach unabhängigen Experteninformationen ist. Nun wurde das Angebot auf die drei Bezirke Deutschlandsberg, Weiz und Hartberg-Fürstenfeld (wo derzeit der steiermarkweit höchste Anteil an 24-Stunden-Betreuung besteht) ausgeweitet. Überall gibt es eine Ansprechperson. Die Kosten für das Pilotprojekt betragen 580.000 Euro. Ab Herbst 2019 soll evaluiert werden. Landesrat Christopher Drexler möchte das Angebot danach gerne auf die gesamte Steiermark ausrollen. Dann würde das ähnliche, seit Jahren bestehende System der an den Landeskrankenhäusern angedockten Gesundheitszentren (nicht zu verwechseln mit den gleichlautenden neuen Primärversorgungszentren in Mariazell, Eisenerz und Vorau) langsam auslaufen.

Drexler kündige bei der Präsentation am Mittwoch auch an, die mobilen Pflegedienste in der Steiermark attraktiver gestalten zu wollen. Die Tarifstruktur wird heuer geändert, für die Klienten soll es bis zu 25 Prozent günstiger werden.

Jakob Traby
Jakob Traby

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