Di, 17. Juli 2018

Unverträglichkeiten

16.02.2018 09:00

Ballaststoffe - schlechter als ihr Ruf?

Fast könnte man meinen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten liegen im Trend. Kaum einem anderen Thema als gesunder Ernährung ist in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit geschenkt worden. Doch was für den einen gesund ist, gilt für viele andere nicht. Viele Menschen zeigen nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel körperliche Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Magenkrämpfe. In unserer neuen Serie (sehen Sie hier das Thema Gluten) widmen wir uns häufigen und selteneren Unverträglichkeiten. Diesmal: Was tun, wenn Ballaststoffe zu Beschwerden führen?

In welchen Lebensmitteln kommen Ballaststoffe vor?
Ballaststoffe gelten als wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung und sollen sogar so manch gesundheitliches Risiko minimieren. Sie werden in wasserlösliche (Pektin, Johannisbrotkernmehl) und wasserunlösliche Ballaststoffe eingeteilt, so Maximilian Ledochowskiy, Arzt und Autor von "Gesund leben trotz Nahrungsmittelintoleranzen". Dabei handelt es sich weitgehend um unverdauliche Nahrungsbestandteile, die vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse (Karfiol, Fenchel, Kohl, Sauerkraut, Karotten, ...), Obst (Datteln, Feigen, Äpfel, Bananen, Birnen, Heidelbeeren, Himbeeren, ...) und Hülsenfrüchten (Bohnen, Erbsen, Erdnüsse, Linsen ...) sowie Nüssen vorkommen. Aber auch in Getreide (Roggen, Vollkornbrot, Weizen ...) und Milchprodukten können diese enthalten sein. Der Ballaststoffgehalt von Lebensmitteln ist unterschiedlich hoch.

Ballaststoffe vergrößern allein durch ihr Vorhandensein das Volumen der Nahrung - ohne gleichzeitig den Energiegehalt zu steigern (Kleie, Leinsamen, Flohsamen). Da sie bis enorm viel Wasser binden können, ist eine gleichzeitige Aufnahme von Flüssigkeit unbedingt empfehlenswert.

Was sind Ballaststoffe?
Der Ernährungsmediziner: "Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die verschiedenen Arten von Ballaststoffen kaum unterschieden. Ob Holz, Vollkorn, künstlich hergestelltes Inulin - ein Mehrfachzucker aus Fruktose- Oligosaccharide wie Stachyose und Verbascose oder pflanzliche Gummis, all diese Substanzen tragen die Bezeichnung 'Ballaststoff'. (...) Verdickungs- und Geliermittel zählen ebenfalls zu den Ballaststoffen; sie werden in der modernen Lebensmittelverarbeitung besonders gerne verwendet, da sie zu einer angenehmen Konsistenz des Nahrungsmittels führen." Für Menschen, die keinen Milch- oder Fruchtzucker vertragen, stellen somit auch Milchprodukte bzw. Obst und Fruchtsäfte Ballaststoffe dar.

Wichtige Fakten zu Ballaststoffen:

    • Ballaststoffe sind vom Körper nicht resorbierte Substanzen, die von Darmbakterien verstoffwechselt werden können. Manche verursachen erhebliche Beschwerden.
    • Bei vielen Betroffenen wirken Fruktose, Laktose, Sorbit etc. als Ballaststoffe.
    • Ballaststoffe wie Inulin werden oft als Fettersatz in Light-Produkten verwendet.
    • Es gibt keine Ballaststoffe, die das Wachstum ausschließlich einer Bakterienart fördern - wie dies in der Werbung für präbiotische Produkte manchmal behauptet wird.
    • Synthetisch, moderne hergestellte Ballaststoffe sind oft geruchs- und geschmacksneutral und können Nahrungsmitteln zugesetzt sein, ohne das dies vom Konsumenten bemerkt wird.
    • Normale Nahrungsmittelbestandteile können durch gewissen Speisezubereitungsmethoden (Großküchen, Warmhalten) in einen Ballaststoff (resistente Stärke) umgewandelt werden, führt Ledochowski in seinem Buch auf.
    Kommt es über längere Zeit zu einer erhöhten Ballaststoffzufuhr führt dies "zur Verstärkung von Ungleichgewichten in der Damflora und schließlich zu Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall (oder auch Verstopfung!) und Fettstühlen, so Ledochowski. Symptome, die oft als "Reizdarmsyndrom" beschrieben und von vielen Medizinern dem psychosomatischen Formenkreis zugeordnet werden.

Was tun, wenn ich keine Ballaststoffe vertrage?
Der Ernährungsexperte: "Eine Unverträglichkeit von Ballaststoffen, insbesondere von Vollkornprodukten, kann auf Phytinsäure zurückgehen. Phytinsäure dient den Pflanzen (zum Beispiel Hülsenfrüchten, Getreide, Ölsamen, etc.) als Energie- und Phosphatspeicher (...) Wie viel Phytinsäure ein Getreideprodukt enthält, hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab. Durch Einweichen, Kochen und Keimen des Getreidekorns und durch eine Teigführung mit Natursauerteig (...) wird der Phytingehalt im Getreide deutlich reduziert (...) Wenn Weißbrot vertragen wird, Vollkornbrot und Vollkornprodukte aber zu Beschwerden führen, könnte es sich um eine Phytinsäureunverträglichkeit handeln. Andere diagnostische Möglichkeiten als der Selbsttest sind derzeit leider nicht möglich".

Welchen Arzt muss ich aufsuchen?
Wenn Sie vermuten, keine Ballaststoffe zu vertragen, sollten Sie in einem ersten Schritt Ihren Hausarzt oder einen Allgemeinarzt mit Zusatzdiplom Ernährungsmedizin aufsuchen. "Unter den Fachärzten sind Internisten, Fachärzte für Allgemeinmedizin sowie Gastroenterologen die besten Ansprechpartner, wenn man an eine Nahrungsmittelintoleranz denkt. Wird eine Nahrungsmittelallergie vermutet, sollten Sie einen Allergologen (meistens handelt es sich dabei um Haut-, Lungen- oder HNO-Fachärzte mit entsprechender Spezialisierung) aufsuchen...", empfiehlt Ledochowski.

Lesen Sie mehr
Dr. Maximilian Ledochowski, "Genussvoll leben trotz Nahrungsmittelintoleranzen", ISBN 978-3-442-17340-2, Verlagsgruppe Random House GmbH

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