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04.12.2016 - 16:19
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER, APA/dpa/Monika Skolimowska

"Judenhass spielt für junge Muslime große Rolle"

16.10.2016, 18:55

Antisemitisch, homophob und mit Sympathien für den Dschihad - die Ergebnisse einer Wiener Jugendstudie sorgen gerade in Bezug auf junge Muslime für Aufsehen . Aber: "Die Zahlen haben uns leider nicht überrascht", erklärt nun Gabriele Langer, Geschäftsführerin der Wiener Jugendzentren, im Interview mit der "Krone".

"Krone": Frau Langer, die Studie überrascht Sie nicht?
Gabriele Langer: Abwertungen gegenüber Anderen erleben wir in der täglichen Arbeit. Ablehnung von Juden spielt bei muslimischen Jugendlichen eine große Rolle. Laut Verschwörungstheorien steuert Israel die Welt. Dazu gibt es viel Propaganda im Netz. Und die Abneigung gegenüber Homosexuellen ist überall dort groß, wo das Männlichkeitsbild ein sehr traditionelles ist. Hier gibt es Parallelen zum Rechtsextremismus.

"Krone": Wie werden Ihre Mitarbeiter geschult?
Langer: Sehr intensiv. 2015 nahmen alle Teams an Workshops teil, wo es zum einen um Wissensvermittlung geht: Wie ist die politische Lage, wo befinden sich extremistische Netzwerke usw. Zum anderen spielen wir verschiedene Szenarien in Rollenspielen durch.

Foto: APA/ROLAND SCHLAGER, APA/HERBERT NEUBAUER

"Krone": Haben sich die Herausforderungen in den vergangenen zwei Jahren verändert?
Langer: Die "Attraktion", in den Krieg zu ziehen, und das Interesse am Dschihad sind zurückgegangen. Jugendliche haben aber weiterhin das Bedürfnis, sich auszutauschen. Aufgrund der Studie konzentrieren wir uns verstärkt auf Burschenrunden - Formate, wo sie über ihre Gefühle sprechen. Wir müssen die Gefühlsebene erreichen. Wenn man die nicht erreicht, kann man niemanden beeinflussen.

"Krone": Jugendliche werden im Fitnessstudio, in Moscheen und im Netz angesprochen - was kann Jugendarbeit da tun?
Langer: Das Thema Onlinemedien spielt bei uns eine große Rolle. Wenn ein Jugendlicher mit einem Propaganda- Video auftaucht, darf er es nicht vorführen. Wir ziehen hier klare Grenzen, das lassen wir nicht zu. Gleichzeitig schließen wir die Person aber nicht aus, sondern erklären, warum das nicht in Ordnung ist, hinterfragen die Botschaften des Videos, analysieren die Machart.

IS-Kämpfer in Syrien
Foto: AP

"Krone": 27 Prozent der Befragten sind latent gefährdet. Was kann man machen, damit diese Gruppe nicht ins Extreme abrutscht?
Langer: Wichtig ist, von ihnen geht keine Gefahr aus. Auch die Studie hat gezeigt: bei den Befragten handelt es sich nicht um religiöse Extremisten oder radikale Dschihadisten. Das sind Jugendliche, die auf der Suche nach Halt und Zugehörigkeit sind.

Foto: APA/Hans Klaus Techt

16.10.2016, 18:55
Isabella Kubicek (Interview), Kronen Zeitung
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