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22.08.2017 - 15:40
Foto: [2008] JupiterImages Corporation

Familienaufstellung als Therapieform?

26.02.2009, 20:48
In den letzten Jahren wurde im Bereich der Psychotherapie eine neue, sehr umstrittene Therapieform immer populärer: die Familienaufstellung. Unter mehreren Varianten sorgt vor allem das Familienstellen nach Bert Hellinger für viele Diskussionen. Bei dieser Therapieform werden von einem Klienten beliebige, fremde Personen stellvertretend für Familienmitglieder räumlich so aufgestellt, dass dies seiner Wahrnehmung von der Familie entspricht. Dadurch sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Erstmals eingesetzt wurde eine Form der Familienaufstellung in den 1930er Jahren. Sie fand unter dem Begriff Familienskulptur ab 1960 Eingang in die systemische Therapie, und wurde schließlich von Bert Hellinger weiterentwickelt. Grundsätzlich ist die Idee der Familienaufstellung eine sinnvolle: Der Klient hilft dem Therapeuten und damit sich selbst dabei, Einblick in rein innere Empfindungen zu gewinnen. Der Klient weist Personen Stellvertreterrollen seiner Familie zu: Eltern, Geschwister, Großeltern,… . Danach platziert er diese rein intuitiv im Raum. So kann durch die Positionierung der Menschen im Raum verdeutlicht werden, wie der Klient seine Familie sieht.

Es wird klarer, wer in seinen Augen welche Rolle hat. Der Klient gibt klare Anweisungen, welche Figur wo stehen soll. Er beschreibt die einzunehmende Körperhaltung, beschreibt, ob die Person mit dem Rücken zum Raum stehen soll, oder in einer andern Form zu- bzw. abgewandt sein soll. Dadurch entsteht bei der Person, welche die Rolle des Familienmitglieds einnimmt, ein gewisses Gefühl für ihre Haltung und ihre Einstellung dem Klienten gegenüber – der Stellvertreter empfindet wie die von ihm repräsentierte Person und teilt seine Empfindungen dem Klienten auch mit. Und das ist der Schlüssel zur Konfliktbewältigung. Durch Fragestellungen können der Klient und der Therapeut eventuelle Konflikte näher beleuchten. Man geht davon aus, dass die Lösung zu den Konflikten in jedem Menschen bereits verborgen liegt und nur ins Bewusstsein befördert werden muss.

Das Risiko der Technik

Die Familienaufstellung ist sehr modern geworden. Das hat dazu geführt, dass eine Vielzahl an Anbietern auf dem Markt aufgetaucht ist – und die Qualität teilweise fraglich ist. Nicht selten hört man von Fällen, bei denen Patienten nach der Aufstellung nach Hellinger auf sich alleine gestellt waren, und ihre tiefen, emotionalen Erlebnisse alleine verarbeiten mussten. Das liegt unter anderem auch am umstrittenen Einsatz der Methode durch Hellinger selbst. Ihm wird ein teilweise unsensibles Verhalten im Umgang mit Patienten vorgeworfen, bei dem der Patient im Schnellverfahren behandelt und danach alleine gelassen wurde.

Da es keine einheitlichen Qualitätsstandards gibt, ist die Therapie mit Vorsicht zu genießen. Auch die Methode selbst wird teilweise kritisiert, da es keine fundierte Erklärung dafür gibt, wie die repräsentative Wahrnehmung, das Empfinden der aufgestellten Personen, zustande kommt. Fehlinterpretationen und Suggestion sind möglich. Eine Arbeitsgruppe des österreichischen Gesundheitsministeriums erarbeitete eine Broschüre mit Warnhinweisen zru Familienaufstellung. Dabei wird der Klient darauf aufmerksam gemacht, dass im Zuge der Aufstellung sehr intensive, teils traumatisierende oder kränkende Lebenserfahrungen erlebbar gemacht werden. Wenn daher ein hoher Leidensdruck vorherrscht, dann sollte diese Therapie nur mit einschlägig erfahrenen Psychotherapeuten durchgeführt werden. Denn bei unprofessioneller Anwendung können sogar Suizidgedanken aufkommen. Professionelle Aufsteller gewährleisten eine fundierte Nachsorge und verweisen an Psychotherapeuten, falls durch die Aufstellung tiefgreifende Erlebnisse bewirkt werden. Bestehen schon zu Beginn der Aufstellung psychische Probleme, dann sollte die Aufstellung nur im Rahmen einer professionellen Psychotherapie durchgeführt werden.

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