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07.12.2016 - 13:04
Foto: Menthal, thinkstockphotos.de, krone.at-Grafik

Gratis- App verrät: Sind Sie ein Handy- Junkie?

23.01.2014, 11:57
Informatiker und Psychologen der Universität Bonn haben eine Smartphone-App entwickelt, die vor Handy-Abhängigkeit warnt. Die App verrät Nutzern dazu, wie viel Zeit sie täglich mit dem Telefon verbringen und welche Anwendungen sie am häufigsten verwenden. Die wichtigsten Kerndaten werden anonymisiert an einen Server übermittelt, wo die Wissenschaftler sie auswerten. Eine ähnliche Technik nutzen die Forscher bereits bei der Früherkennung von Depressionen.

Die "Menthal" getaufte Smartphone- App ist Teil eines größeren Forschungsvorhabens zur Untersuchung des Handygebrauchs. Die meisten Studien würden sich dazu bislang auf Selbsteinschätzungen der Nutzer verlassen, doch diese Angaben seien unzuverlässig, wie Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik, in einer Mitteilung der Universität Bonn erklärt.

"'Menthal' liefert zum ersten Mal belastbare Daten. Die App kann uns detailliert zeigen, wie der durchschnittliche Mobiltelefonkonsum pro Tag ausfällt. Wenn Sie eine digitale Diät machen wollen, dann stellen wir Ihnen dazu die Waage zur Verfügung."

Durchschnittsnutzer aktiviert Smartphone alle zwölf Minuten

In einer bislang unveröffentlichten Studie untersuchten die Forscher mithilfe der App das Telefonverhalten von 50 Studenten über einen Zeitraum von sechs Wochen. "Die Ergebnisse waren zum Teil erschreckend", kommentiert Christian Montag, Privatdozent für Psychologie an der Bonner Universität.

So nutzte ein Viertel der Probanden sein Telefon mehr als zwei Stunden pro Tag. Im Schnitt aktivierten die Studienteilnehmer 80 Mal täglich ihr Telefon – tagsüber durchschnittlich alle zwölf Minuten. Bei einigen Probanden fielen diese Zahlen gar doppelt so hoch aus.

Der typische Nutzer telefonierte lediglich acht Minuten am Tag und schrieb 2,8 SMS. Der Hauptnutzen des Telefons lag dennoch in der Kommunikation: Mehr als die Hälfte der Zeit nutzten die Probanden Messenger oder tummelten sich in sozialen Netzwerken. Alleine WhatsApp schlug mit 15 Prozent zu Buche, Facebook mit neun Prozent. Spiele brachten es auf 13 Prozent, wobei einige Probanden mehrere Stunden am Tag spielten.

Wie viel Mobiltelefon- Konsum ist normal?

Das Hauptinteresse der Bonner Forscher gilt dem problematischen Handygebrauch. "Wir wollen wissen, wie viel Mobiltelefon- Konsum normal ist und ab wann von einem Zuviel zu sprechen ist", erläutert Montag. Das Nutzen eines Handys ähnle dem Umgang mit einem Glücksspielautomaten – deswegen werde das Telefon so oft angeschaltet. Bei dieser möglichen neuen Sucht handle es sich noch nicht um eine offiziell anerkannte Erkrankung.

"Dennoch wissen wir, dass der Umgang mit dem Mobiltelefon suchtähnliche Symptome hervorrufen kann", betont Montag. So könne ein übermäßiger Konsum zur Vernachlässigung von wichtigen täglichen Aufgaben oder des direkten sozialen Umfelds führen. "Bei Nichtnutzung kann es sogar zu regelrechten Entzugserscheinungen kommen."

App kostenlos für Android erhältlich

Die Anwendung erfordert Android 4.0 oder höher und kann kostenlos über Googles Play Store  oder über die Website menthal.org  heruntergeladen werden. Die Nutzung der App setzt eine Registrierung auf der Website des Forschungsprojekts voraus. Aufgrund des großen Interesses an der Anwendung kann es jedoch zu längeren Wartezeiten kommen. Das fünfköpfige Forscherteam räumte ein, von der Nachfrage überrascht worden zu sein. Die Server kämen mit den Registrierungen einfach nicht nach, weshalb man diese zeitweilig aussetzen müsse, hieß es am Donnerstag.

Handy als Depressions- Detektor

Die App entstand im Rahmen einer breiteren Initiative, Methoden der Informatik in die Psycho- Wissenschaften zu tragen – die Wissenschaftler sprechen auch vom neuen Forschungsfeld der Psycho- Informatik. In einer aktuellen Publikation in der Zeitschrift "Medical Hypothesis" erläutern sie, inwiefern Psychologie und Psychiatrie von den damit verbundenen Möglichkeiten profitieren könnten. "Es ist beispielsweise denkbar, Handydaten dazu zu nutzen, um Schwere und Verlauf einer Depression zu messen", erläutert Montag. Gemeinsam mit dem Bonner Universitätsklinikum führe man dazu gerade eine weitere Studie durch.

Depressionen äußern sich unter anderem in sozialem Rückzug und der Unfähigkeit, sich an Aktivitäten zu erfreuen. Die Krankheit verläuft oft episodisch. "Wir vermuten, dass sich während einer depressiven Phase die Handynutzung messbar ändert", erläutert Thomas Schläpfer von der Uni- Klink. "Der Kranke ruft dann beispielsweise weniger oft an und geht seltener vor die Tür – eine Verhaltensänderung, die Smartphones dank GPS ebenfalls registrieren können."

23.01.2014, 11:57
red
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