Untreue-Prozess

Sechs Jahre Haft für Ex-Immofinanz-Chef Petrikovics

Wirtschaft
12.04.2013 19:32
Persönliche Bereicherung der Konzern-Chefs mit einem Gesamtschaden von insgesamt 20 Millionen Euro - das war der Vorwurf im Immofinanz-Prozess, der nach drei Monaten Verhandlungsdauer am Freitag mit drei nicht rechtskräftigen Schuldsprüchen zu Ende gegangen ist. Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics (Bild) wurde zu sechs, Aufsichtsrat Helmut Schwager (Bild 2) zu viereinhalb und Prokurist Christian Thornton (Bild 3) zu einer bedingten Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Die Angeklagten hätten ihre Befugnisse, über fremdes Vermögen zu verfügen, wissentlich missbraucht, erklärte Richterin Claudia Moravec-Loidolt. "Man hat sich Begünstigungen auszahlen lassen in Höhe von 20 Millionen Euro, ohne dafür eine rechtliche Grundlage zu haben", führte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung aus. Moravec-Loidolt begründete die Strafe für Ex-Konzernchef Karl Petrikovics mit den Worten: "Petrikovics war der Mastermind", er sei der im Prozess zitierte "Sonnenkönig" gewesen.

"Man hat kein Kapital eingesetzt und hat sich die Gewinne auszahlen lassen. Oberste Prämisse war: Niemand sollte etwas erfahren." Es habe eine unrechtmäßige Bereicherung von Petrikovics und Schwager gegeben, erklärte Moravec-Loidolt. Es wurde "alles hin und her geschoben im Auftrag von Petrikovics", sagte sie. "Petrikovics hat die Bank und das Leintuch beherrscht". Mit "Leintuch" wurden die einzelnen Tochtergesellschaften bezeichnet - weil es so viele waren, dass sie nur auf einer Fläche so groß wie ein Leintuch dargestellt werden konnten.

Die am Prozess privatbeteiligten Unternehmen können sich über den Zuspruch von 11,2 Millionen Euro freuen. Diese Summe müssen Petrikovics und Schwager laut dem Urteil zahlen. Sieben Millionen Euro erhält die frühere Immoeast (sie ist 2010 in die Immofinanz hineinfusioniert worden), 4,2 Millionen Euro wurden der Aviso Zeta, der Bad Bank der Constantia Privatbank, zugesprochen.

Angeklagte kamen vor Urteil ein letztes Mal zu Wort
Die drei Angeklagten betonten am Freitag in ihren Schlussworten noch einmal ihre Unschuld. Petrikovics erklärte, er habe stets zum Wohl des Unternehmens gearbeitet. Schwager meinte, hätte er von Unrechtmäßigkeiten gewusst, hätte er sie sofort abgestellt. Lediglich Thornton ließ Reue anklingen, hätte er damals das gewusst, was er jetzt wisse, dann hätte er vieles nicht gemacht.

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