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Alkoholabhängige Verschüttete wollen neuen "Stoff"

31.08.2010, 07:57
Alkoholabhängige Verschüttete wollen neuen "Stoff"
Die Rettungsaktion für sie hat zwar bereits begonnen, aber vielen der verschütteten Bergleute in Chile geht sie bei weitem nicht schnell genug. Ihnen macht allerdings weniger die Dunkelheit zu schaffen, sondern vielmehr das Fehlen ihres "besten Freundes". Denn eine Reihe der 33 Verschütteten ist offenbar alkoholabhängig. Sei leiden unter dem unfreiwilligen "kalten" Entzug in 700 Metern Tiefe.

Wie der chilenische Gesundheitsminister Jaime Manalich der spanischen Zeitung "El Pais" sagte, hatten mehrere Kumpel in der Vergangenheit zur Bekämpfung der Angst unter Tage regelmäßig Alkohol getrunken. "Einige von ihnen hatten sogar große Mengen zu sich genommen", sagte der Minister. "Zuweilen ist es nicht gut, wenn man eine Sucht auf einen Schlag mit einer Radikalkur unterbindet."

Die Bergleute hatten bei ihrer ersten Telefonverbindung mit Staatspräsident Sebastian Pinera um ein "Gläschen Wein" gebeten, angeblich um den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Chiles zu feiern. Bisher bleiben die Verantwortlichen der Bergungsoperation jedoch dabei, dass die Eingeschlossenen weder Tabak noch Alkohol bekommen. Wie die Madrider Zeitung am Montag berichtete, sind unter den Bergleuten sogar einige Drogenabhängige. Bisher habe der plötzliche Entzug jedoch keine Auswirkungen auf das Zusammenleben der 33 Bergleute in 700 Metern Tiefe.

Verschüttete müssen für Rettung selbst mit anpacken

Mit der Rettungsbohrung ist indes am Montagabend endlich begonnen worden. Der tonnenschwere Bohrer muss sich drei bis vier Monate lang durch das Gestein fressen, bevor er bei den 33 Bergarbeitern ankommt. Für die Kumpel unter Tage bedeutet sie wochenlange Schwerstarbeit: Die verschütteten Bergleute müssen nämlich zu ihrer eigenen Rettung beitragen.

Der Chefingenieur der Rettungsarbeiten, Andres Sougarret, erklärte am Sonntag, während der Bohrung des Rettungsschachts müssten die Männer in der Tiefe das hinabfallende Geröll zur Seite räumen. Sie müssten dazu in Schichten praktisch rund um die Uhr arbeiten, um die 3.000 bis 4.000 Tonnen Steine und Geröll, die bei der Bohrung anfallen werden, abzutransportieren.

In einigen Tagen soll dann außerdem eine zweite Bohrung beginnen, die auf einen 100 Meter höher gelegenen Punkt in dem weit verzweigten Stollensystem der Mine San Jose zielt. Die Retter hoffen, die Kumpel auf diesem Wege eventuell schon nach zwei Monaten an die Oberfläche holen zu können. Beide Schächte müssen aber breit genug werden, um die Männer einzeln an die Oberfläche zu holen. In Summe muss deswegen zweimal die komplette Länge entlang gebohrt werden, um einen Durchmesser von ca. 60 bis 70 Zentimetern zu erreichen. 

Nur Schaufeln und Schubkarren vorhanden

Sougarret sagte betreffend der Mithilfe der Verschütteten weiter, einfache Ausrüstungsgegenstände wie Schaufeln, Handschuhe und Schubkarren seien in der Tiefe vorhanden. Der neue Schacht werde mehrere hundert Meter vom Wohnbereich der Verschütteten enden, so dass genug Platz sei, um das hinabfallende Geröll zu beseitigen.

Allerdings war nicht klar, ob die Männer überhaupt in der körperlichen Verfassung sind, so schwere Arbeit zu leisten. Die 33 Männer sitzen seit einem Felssturz am 5. August in der Gold- und Kupfermine San Jose am Rand von Copiapo fest. Sie werden durch eine enge Versorgungsröhre mit Lebensmitteln, Getränken, Medikamenten und Nachrichten von ihren Angehörigen versorgt.

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