Mi, 13. Dezember 2017

Über sieben Hügel

04.12.2017 09:00

Lissabon: Fahrt ins große Abenteuer

In Portugal, dem Land der Entdecker und Seefahrer, wird selbst eine Fahrt mit der Straßenbahn zum großen Abenteuer.

Schnell einsteigen - und schon geht sie los, die Fahrt mit der legendären Electrico 28. Nicht ohne Grund steht sie in jedem Reiseführer über die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Und dabei lässt sich wirklich etwas erleben. Oft sehr rasant geht es hügelauf und hügelab durch die teilweise extrem engen Gassen - manchmal sogar nur noch eingleisig.

Vorbei an mit wunderschönen Kacheln dekorierten Gebäuden, die so nah sind, dass man sie mit dem nicht einmal ganz ausgestreckten Arm erreichen könnte. Da kann es dann schon passieren, dass der Fahrer halb aus der Tür "hängt", um sicherzugehen, dass sich das auch mit den geparkten Autos ausgeht. Gelegentlich bleibt er mal zwischen zwei Stationen stehen, um einen älteren Herrn ein- und aussteigen zu lassen. Und dann verwundert es auch nicht mehr, als ein scheinbar guter Bekannter an einem heißen Tag eine Flasche Wasser durchs Fenster reicht bzw. ein kurzer Stopp bei einer Trafik eingelegt wird, um noch Wechselgeld zu besorgen. Besonders beeindruckt das hier niemanden - nur die Touristen.

Im Stadtteil BelÉm lässt sich ein wenig Seefahrerluft schnuppern. Das über 400 Jahre alte Hieronymuskloster - heute beherbergt es unter anderem das Marinemuseum und ist UNESCO Welterbe - sollte zu seiner Blütezeit das Erste sein, das vom Schiff aus zu sehen ist, wenn man über den Seeweg nach Lissabon gelangt. Orientalische Verzierungen prägen den Stil des imposanten 300 Meter langen Gebäudekomplexes, eine Mischung aus Gotik und Renaissance, die als Manuelinik (nach König Manuel I., 1495-1521) bezeichnet wird. Im Inneren beeindruckt der helle doppelstöckige Kreuzgang aus Sandstein mit filigranen Bögen und detailreichen Ornamenten. In der angeschlossenen Kirche hat einer der berühmtesten portugiesischen Seefahrer seine letzte Ruhestätte gefunden: in einem prunkvollen Sarkophag ruhen die sterblichen Überresten Vasco da Gamas.

Noch nicht annähernd so alt wie das Kloster, aber nicht minder sehenswert ist das Padrao dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen). Das weiße Denkmal erinnert an den Aufbruch der portugiesischen Entdecker in neue Welten und zeigt die Figuren von 33 Persönlichkeiten: Kapitäne, Astronomen, Kartografen, Schriftsteller, allen voran Prinz Heinrich mit dem Blick auf den Tejo gerichtet. Der Fluss gibt einem das Gefühl, schon direkt das Meer vor Augen zu haben, obwohl es hier noch ein kleines Stückchen entfernt ist.

Auch der Torre de Belém ist eng mit der Schifffahrtsgeschichte verbunden. Der Turm diente zur "Begrüßung" der ankommenden Handelsschiffe aus aller Welt. Und von der Aussichtsplattform im obersten Stock bietet sich noch heute ein weiter Blick über die Tejomündung und auf die andere Seite des Flusses, auf der eine Statue über Lissabon wacht, die einem nur allzu bekannt vorkommt. Eine 28 Meter hohe Christusstatue auf einem gigantischen Sockel breitet die Arme über der Stadt aus. Als der damalige Erzbischof Lissabons 1934 Rio de Janeiro besuchte, kam er mit der Idee zurück, hier diese Nachbildung aufstellen zu lassen, sollte Portugal vom Zweiten Weltkrieg verschont bleiben.

Weit schweift der Blick über das Dächermeer der Stadt, auch von der mittelalterlichen Burg, dem Castelo de São Jorge, aus. Die ehemalige königliche Residenz diente bis Anfang des 16. Jahrhunderts als Wohnsitz. Steile Treppen, verwinkelte Gässchen und Plätze liegen unterhalb der Festung, die beim verheerenden Erdbeben 1755 zu großen Teilen zerstört wurde. Von hier aus ist klar erkennbar, weshalb Lissabon die Stadt der sieben Hügel genannt wird, obwohl sie sich mit den Jahren immer weiter ausgebreitet und vergrößert hat und es mittlerweile weit mehr als sieben davon sind.

Wenn die Füße vom vielen Herumspazieren und ewigen Auf und Ab doch einmal eine Pause brauchen, einfach wieder in eine der Electricos reinhüpfen. Leider kommt dann die Erkenntnis: In Wien macht das Straßenbahnfahren bei weitem nicht so viel Spaß …

Elisabeth Salvador, Kronen Zeitung

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