Sa, 18. November 2017

Bombastische Action

12.11.2017 11:37

Weltkriegs-Spektakel: Neues „Call of Duty“ im Test

In der neuesten Ausgabe der immens erfolgreichen Shooter-Reihe "Call of Duty" geht es zurück zu den Wurzeln der Serie. Statt hypermoderner Weltraumkrieger stehen wieder die armen Teufel im Mittelpunkt, die auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs ihr Leben ließen. Dabei geht es ausgesprochen actionreich, bisweilen aber auch nachdenklich zu. Aber reicht das für einen Hit?

Die meisten Shooter-Fans dürften mittlerweile zu zählen aufgehört haben, wie oft sie die Normandie schon von deutschen Besatzern befreit haben. Aber ein Weltkriegs-Shooter ohne D-Day, das geht dann auch wieder nicht. Kein Wunder also, dass "Call of Duty: WWII" seine Kampagne mit genau dieser ikonischen Schlacht eröffnet und den Spieler gleich zu Beginn auf den blutgetränkten Sand Frankreichs wirft.

So vertraut wie das Schlachtfeld ist "Call of Duty: WWII" Kennern der Serie von Beginn an als Ganzes. Den Spieler erwarten bombastisch inszenierte Einsätze auf den Schlachtfeldern Europas, wobei Gegner eher durch Masse statt durch Klasse auffallen. Es gibt serientypisch Fahrzeugpassagen mit Panzern und Jeeps, zwischendurch schwingt man sich hinter MG und Flak - oder gibt seinen Kameraden als Scharfschütze Deckung.

Hollywood-Pathos ohne viel Tiefgang
Das ist alles toll inszeniert, weckt mit enorm actionreichen Zwischensequenzen Erinnerung an Hollywoodstreifen wie "Der Soldat James Ryan" oder die gut gemachte Weltkriegsserie "Band of Brothers". Sogar ein Hauch Antikriegsfilm ist enthalten - etwa, wenn der Protagonist vor einer entscheidenden Schlacht eine lebensverändernde Nachricht seiner Frau erhält, kurz innehält und den Sinn dieses Krieges hinterfragt - und dann doch ausrückt, um einen umkämpften Haufen Morast aus den Händen der Nazis zu befreien. Oder wenn sich Offiziere mit moralischen Fragen - Zivilisten retten oder nicht? - herumschlagen.

Restlos vom Hocker hat uns die Einzelspieler-Kampagne von "Call of Duty: WWII" dennoch nicht gehauen. Klar fesselt sie und erzeugt hervorragend jenes Mittendringefühl, das vor 14 Jahren den ersten Teil zum Hit gemacht hat. Sie schafft es aber nicht wirklich, den Spieler eine tiefergehende Beziehung zu seinem Kameraden aufbauen zu lassen, scheitert am Ende ein wenig an der Diskrepanz zwischen dem Versuch, eine bewegende und ernste Geschichte zu erzählen, und dem teilweise fast absurd actionreichen Drumherum mit dem klischeebeladenen US-Pathos platter Hollywoodstreifen. Mehr als ein Durchgang dürfte da wenige Spieler reizen.

Kurze Kampagne, Baustellen beim Gameplay
Da ist es doppelt schade, dass es nur die rund sechs Stunden kurze US-Kampagne gibt. Zum Vergleich: Im ersten "Call of Duty" spielte man aus Perspektive der Amerikaner, Briten und Sowjets. Womöglich wird hier manches noch mit DLCs nachgereicht, der Season Pass treibt den Preis des neuen "Call of Duty" dann aber auch gleich wieder auf stolze 100 Euro hoch.

Auch spielerisch gibt es ein paar Baustellen. Manche Änderungen gegenüber früheren Teilen - etwa, dass sich die Gesundheit nicht mehr automatisch regeneriert, sobald man in Deckung geht, und wirklich spannende Schleich- und Infiltrationsmissionen an Bord sind - wissen zwar zu gefallen. Gleichzeitig haben wir uns im Test aber über die dümmliche KI der Deutschen geärgert - und über die eigenen Mitstreiter, die einem gern direkt vor die Flinte laufen. Auch bei der Balance der Waffen und der Steuerung der Fahrzeuge - wer den Gefechtsturm eines Panzers drehen will, muss selbst bei hoher Mausempfindlichkeit enorm lange Wege mit dem Nager zurücklegen - gäbe es Verbesserungsbedarf.

Hübsche Inszenierung, gelegentliche Ruckler
Dem gegenüber stehen optische Opulenz und bombastischer Sound. Die Geräuschkulisse der Schlachtfelder Frankreichs und Deutschlands haben die Entwickler ziemlich gut eingefangen und auch an der Grafik - scharfe Texturen, realistische Mimik, schöne Lichteffekte, detaillierte Schlachtfelder - kann man wenig aussetzen.

Schade ist allerdings, dass dieses Niveau selbst auf starken Systemen nicht flüssig gehalten werden kann. Wir haben auf einem durchaus zeitgemäßen Test-PC (Ryzen 5 1600X, 16 GB DDR4-RAM, Geforce GTX 960, 4 GB RAM) bei höchster Texturqualität immer wieder kleinere Einbrüche in der Bildrate beobachtet. Bisweilen "poppen" auch Gegenstände zu spät auf. Selbst in Zwischensequenzen gab es vereinzelt Ruckler.

Es bleibt zu hoffen, dass Activision diese kleinen Problemchen noch mit Updates in den Griff bekommt - zumal "Call of Duty: WWII" ansonsten ein recht dickes Paket geworden ist. Hat man die Kampagne erst einmal durch, gibt es immerhin noch zwei Spielmodi, die ebenfalls gut gemacht sind.

Flotter Multiplayer, gruseliger Zombie-Modus
Da wäre einerseits der Mehrspielermodus, der sich diesmal doch merklich anders spielt als in den letzten Teilen. Das liegt freilich primär daran, dass sich wieder etwas mehr Realismus eingestellt hat: Da die letzten "Call of Duty"-Teile im Science-Fiction-Bereich angesiedelt waren und Exoskelette und Jetpacks boten, spielt sich das Soldatendasein in "WWII" gemächlicher und nachvollziehbarer.

Zudem gibt es nebst den serientypischen kompakten Karten nun einige größere, weitläufigere Maps, auf denen der Spieler mehr Platz zum Taktieren - böse Zungen würden sagen: campen - hat. Änderungen, die wohl nicht jeden "CoD"-Fan freuen werden, uns hat der Mehrspielermodus von "WWII" aber durchaus überzeugt - auch, wenn die Server hie und da nicht restlos stabil schienen.

Und dann wären da ja auch noch die Zombies: Der Serientradition folgend haben die Entwickler auch dem jüngsten Teil wieder einen Modus spendiert, in dem der Spieler - gerne auch im Koop-Modus - untote Horden dezimieren und kleinere Rätsel lösen muss. Die Nazi-Zombies sind ausgesprochen gruselig gemacht und sorgen schon für sich allein für ein beklemmendes Gefühl, ihnen mit Freunden standhalten zu müssen, macht aber noch einmal etwas mehr Spaß.

Fazit: Mit "Call of Duty: WW II" liefert Activision einen umfangreichen Weltkriegs-Shooter ab, der die Serie zurück zu ihren Ursprüngen führt. Er wird aber bei den meisten Spielern keinen so bleibenden Eindruck hinterlassen wie der erste Serienteil. Die Kampagne wirkt bemüht, trieft aber auch vor Klischees und Pathos. Spielerisch stellt sich jenes Schießbudengefühl ein, für das die Serie beliebt ist, Neuerungen sind aber Mangelware. Obwohl Zombie- und Multiplayer-Modus für manches entschädigen: Wir hätten uns im Zuge der Rückkehr in den Zweiten Weltkrieg mehr vom neuen "Call of Duty" erwartet - gerade von der Kampagne.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 7/10

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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