Do, 23. November 2017

„Energie!“

31.05.2017 12:48

„Star Trek: Bridge Crew“: Büroalltag im Weltall

Der Weltraum, unendliche Weiten. Und ein bisschen Langeweile. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Aegis, das mit seiner vierköpfigen "Star Trek: Bridge Crew" unterwegs ist, um virtuelle Galaxien zu erforschen.

Einmal als Offizier der Sternenflotte oder besser noch Captain auf der Brücke eines Raumschiffs zu sein - davon hat nicht nur Wesley Crusher geträumt. Auch ich freue mich wie ein Kind, als ich mit Ubisofts "Star Trek: Bridge Crew" Weltraumluft schnuppern und an Bord der U.S.S. Aegis Platz nehmen darf. Relativ bald wird aber klar: Die (virtuelle) Realität ist weniger aufregend als erhofft.

Ins Schwitzen gerate ich zwar schon, das ist jedoch weniger der Action des Spiels geschuldet, sondern vielmehr dem Umstand, dass es bei den derzeit herrschenden Außentemperaturen unter einem VR-Headset sehr schnell sehr heiß wird. Immer wieder gilt es zwar klingonischen Jagdschiffen der Klasse Bird of Prey mit Phaser und Photonentorpedos zuzusetzen, doch die meiste Zeit über ähnelt "Star Trek: Bridge Crew" dann doch einem Bürojob.

Ähnlich verspannt fühlt sich meine Schulter nach den interstellaren Ausflügen auch an, beschränkt sich die Tätigkeit an Bord doch auf simples Knöpfchendrücken bzw. -verschieben. Je nach Position sind es zwar unterschiedliche Schalter und Hebel, die bedient werden wollen, aber spannend, im Sinne von herausfordernd und adrenalingeladen, ist das nicht.

Auch, weil Setting und Story weitgehend starr bzw. repetitiv sind. Der Ausflug in den sogenannten "Graben", um einen neuen Heimatplaneten für die Vulkanier zu finden, hält bis auf einige Anomalien, die üblichen Klingonen und verirrte Raumschiffe wenig erkundenswertes bereit. "Neues Leben und neue Zivilisationen" wie im Eingangstext der Fernsehserie? Fehlanzeige.

Hinzukommt, dass man als Spieler an die Brücke der Aegis bzw. der ebenfalls verfügbaren Original-Enterprise gebunden ist. Andere Räumlichkeiten gibt es leider nicht und so beschränkt sich das Geschehen auf das Schaltpult vor einem und die wenigen, nicht sonderlich aktiven Protagonisten um einen herum. Auch das eine oder andere Feuer an Bord der Brücke nach einem feindlichen Treffer oder die Außenkamera ändert leider nichts daran, dass man sich bald an dem starren Szenario sattgesehen hat.

Sonderlich detailliert ist die auf der Unity-Engine basierende Optik sowohl in der getesteten PS4- als auch Vive-Version ohnehin nicht. Das mag ganz im Sinne des Retro-Feelings gewollt sein, kann aber auch als altbacken bezeichnet werden. Apropos Vive: Da man während des gesamten Spiels immer nur auf seinem Sessel sitzt, bleiben die Möglichkeiten des HTC'schen VR-Systems, sich frei im virtuellen Raum zu bewegen, leider gänzlich ungenutzt.

"Star Trek: Bridge Crew" hat jedoch durchaus seine Qualitäten. Als eine Art Raumschiff-Simulator - Activisions "Bridge Commander" aus dem Jahr 2002 lässt grüßen - legt es den Fokus auf das Zusammenspiel der vier zur Auswahl stehenden Rollen: Steuermann, taktischer Offizier, Chefingenieur oder eben Captain. Als dieser befehligt man während der sechs Missionen umfassenden Kampagne oder den zufällig generierten Missionen der "Fortlaufenden Reise" wahlweise die KI-gesteuerten Offiziere oder übernimmt kurzerhand selbst deren Positionen, was durchaus stressig sein kann und ein gewisses Talent für Multitasking abverlangt.

Schilde hochfahren, Torpedos laden, Phaser feuern, Objekte scannen, Zivilisten an Bord beamen, Kurs setzen, Warp-Flug vorbereiten, Reparaturarbeiten veranlassen - die Liste der zu bewältigenden Aufgaben ist lang. Und bis man als Einzelspieler erst einmal herausgefunden hat, wer für welche Aufgabe eigentlich zuständig ist, vergeht eine gewisse Zeit. Das protokollarische Abhaken, genauer Abklicken von Arbeitsschritten hat dann alleine allerdings doch keinen sonderlich hohen Unterhaltungswert.

"Star Trek: Bridge Crew" bietet deshalb VR-plattformübergreifend einen Koop-Modus, in dem die Koordination per Sprache erfolgt, was das Ganze doch erheblich erleichtert. Drei Mitstreiter vorausgesetzt, kann man sich dann gegenseitig Befehle zurufen/an den Kopf knallen und hoffen, dass die anderen Mitspieler auch wissen, was sie zu tun haben. Für den Notfall lassen sich per Tastendruck immerhin Beschriftungen über den Bordinstrumenten einblenden, sodass man seltener Gefahr läuft, das falsche Knöpfchen zu drücken.

Dass es dennoch immer wieder zu falschen Eingaben an den virtuellen Steuerkonsolen kommt, liegt zum einen an teils zu kleinen und nahe beieinander positionierten Schaltflächen (warum muss ausgerechnet neben dem "Grußfrequenzen öffnen"-Schalter der "Alarmstufe rot"-Knopf liegen?), zum anderen an mangelnder Präzision beim Tracking der Move- bzw. Vive-Controller.

Fazit: "Star Trek: Bridge Crew" bietet eine relativ nüchterne Sicht auf die Arbeit eines Offiziers bzw. Kapitäns der Sternenflotte. Die kreativen Möglichkeiten, die sowohl das "Star Trek"-Universum als auch Virtual Reality für eine spannende Erzählung im Weltall böten, bleiben leider ungenutzt. Wer sich Action und spielerische Abwechslung erhofft, wird also enttäuscht - das gilt für den Singleplayer- leider ebenso wie für den Multiplayer-Part. Letzterer bietet durch die Interaktion mit den menschlichen Mitspielern jedoch eindeutig den größeren Unterhaltungswert.

Plattform: PlayStation VR, HTC Vive, Oculus Rift
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 6/10

Sebastian Räuchle
Redakteur
Sebastian Räuchle
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