Di, 22. Mai 2018

Laut UNHCR:

12.12.2016 15:48

Facebook für Schlepper wichtigstes Werbeinstrument

Facebook hat sich seit der Flüchtlingskrise im Vorjahr zum wichtigsten Werbeinstrument der Schlepper entwickelt. Mit verschiedensten Verkaufstricks lockten sie über das soziale Netzwerk Fluchtwillige aus Syrien und Afghanistan nach Europa, sagten Experten des Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Montag vor Journalisten in Wien.

Die Menschenschmuggler greifen nach Angaben der Flüchtlingsexperten auf teils haarsträubend falsche Behauptungen zurück, um Menschen zur Flucht zu bewegen. "100-prozentige Anerkennungsquote in Österreich", heißt es etwa im Posting eines Schleppers, das in den vergangenen Monaten über das soziale Netzwerk verbreitet wurde.

UNHCR-Mitarbeiter unter der Leitung der Österreicherin Melita Sunjic durchsuchten in den vergangenen Monaten Hunderte Facebook- und YouTube-Seiten in arabischer Sprache und den afghanischen Idiomen Paschtu und Dari, um das Handeln von Geflüchteten und Fluchtwilligen besser zu verstehen. Dabei stießen sie auf zahllose Angebote von Schleppern, die dort mehr oder weniger ungeniert Passagen in die europäischen Zielländer anbieten.

Rezensionen zufriedener "Kunden"
Die Schlepper greifen den Angaben nach auf Versprechen wie in der Werbeindustrie zurück. "25 Jahre Erfahrung" heiße es etwa auf einer Seite, das Vorgehen sei "100 Prozent legal und leistbar". Einige Schlepper zeigten auf ihrer Seite auch Rezensionen von zufriedenen "Kunden", wie das auf Websites von Restaurants üblich ist.

Das Umfeld für Flüchtlinge hat sich indes stark geändert. Seit Schließung der Westbalkanroute und dem Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei seien auch die auf Facebook ausgeschriebenen Preise der Schlepper stark angestiegen, heißt es von den UNHCR-Mitarbeitern. Es koste die Flüchtlinge laut den heuer zwischen Jänner und August auf Facebook gefundenen Preisangaben bis zu 9000 Euro, um auf dem Landweg von der Türkei nach Deutschland oder Großbritannien zu gelangen.

Falsche Versprechungen
Die Menschen folgten dabei Versprechungen von Europa als einem "Kontinent des Wohlstandes", wie es den UNHCR-Angaben nach auf einer Schlepper-Seite heißt. Die Erwartungen vieler Geflüchteter auf ein besseres Leben seien vielfach bitter enttäuscht worden, sagte Sunjic. "Wir müssen den Narrativen der Schlepper etwas entgegensetzen", so die Expertin.

Im kommenden Jahr soll nun ein Projekt des Europäischen Asylunterstützungsbüros EASO damit beginnen, den Facebook-Aktivitäten von Flüchtenden zu folgen und falschen Behauptungen der Schlepper etwas entgegenzusetzen.

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