So, 17. Dezember 2017

Der Neue kann was

29.09.2013 11:52

Peugeot 308: Fahren wie Golf in Frankreich

Peugeot gibt sich nicht mit Kleinvieh zufrieden, nein, es ist ein großes Halali auf den VW Golf, das die Franzosen mit dem brandneuen 308 ausrufen, keines auf die Horde der kompakten Herausforderer. Nach ersten Testfahrten von seiner Heimat Sochaux aus durch die Vogesen muss ich sagen: Ich verstehe die Ambitionen.

Ein mutiger Neubeginn in Sachen Bedienung, ein ebenso komfortables wie präzises Fahrwerk, ein echt frisches Design, dazu sparsame Motoren und sogar ein Rekordspardiesel in petto, nicht zu vergessen der Preis: Wenn der ausschließlich als Fünftürer angebotene Peugeot 308 am 17. Oktober in Österreich Markteinführung feiert, ist er mit 16.900 Euro (Dreizylinder-Benziner mit 82 PS) im Basisvergleich 2.400 Euro billiger. Jedoch ist es nicht primär der Preis, mit dem die Sochaliens den Wolfsburger attackieren, vielmehr wollen sie ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen - und mit französischer Finesse noch eins draufsetzen.

Deutsche Wertarbeit, made in France
Die Verarbeitungsqualität ist auch im Detail als solche zu bezeichnen, das frische Design ist also kein Blendwerk. Dafür ist ein besonderer Lichtblick, dass der 308 als erster Kompakter (ab Ausstattung Allure) mit Voll-LED-Scheinwerfern antritt. Und auch sonst geht Peugeot einen echten Schritt in Richtung Höherwertigkeit. Vorbei die Zeiten des Bedienelements im DIN-Schacht. Jetzt gibt es einen sensiblen 9,7"-Touchscreen, über den alles läuft und der eine sehr schlichte, elegante Konsole ermöglicht. Gerade mal fünf Knöpfe sind geblieben, dazu ein CD-Schlitz mit einem edlen Lautstärkeregler. An die Bedienung gewöhnt man sich schnell, jedoch hätte man zumindest die Bedienung für die Heizung/Lüftung separat lassen sollen.

Kopf hoch!
Das Kombiinstrument mit Tacho und Drehzahlmesser befindet sich jetzt über dem Lenkrad. Das kennt man aus dem Peugeot 208, allerdings ist die Anordnung im 308 tatsächlich voll gelungen. Ich unterstelle jedem, der damit nicht klarkommt, Engstirnigkeit oder Böswilligkeit. Ob einem die Anordnung gefällt oder nicht, ist eine andere Frage, auf jeden Fall ist sie sehr praktisch, weil man den Blick nicht weit von der Fahrbahn senken muss, um die Instrumente abzulesen. Ein echter Sicherheitsgewinn. Dass der Zeiger des Drehzahlmessers linksherum läuft, muss man wohl als französische Verspieltheit akzeptieren.

Ganz und gar ernst zu nehmen ist hingegen das Fahrwerk: Der Fahreindruck ist mit einem Wort hervorragend. Der Peugeot 308 bügelt auch üble Holperpisten familientauglich glatt, lässt sich aber auch von ungestümer Halbstarkenfahrt nicht aus der Reserve locken und bietet eine Präzision, die manch anderer Hersteller mit Härte erkauft. Ebenso gelungen ist die elektrische Servolenkung, die ein richtig gutes Gefühl fürs Fahren vermittelt, auch wenn sie für meinen Geschmack eine Spur weniger leichtgängig sein dürfte. In den schnellen Kurven, die sich mir in den Vogesen geboten haben, war ich geradezu begeistert, wie schnell und doch sanft und mit welch spielerischer Leichtigkeit sich der 308 scheuchen lässt. Das kleine, griffige Lederlenkrad trägt seinen Teil zum Spaß bei.

Von Ruhe und Kraft
Der außerordentliche Komfort kommt aber nicht nur vom Fahrwerk. Vor allem fällt auf, wie leise es im Innenraum ist, die Akustik liegt auf Premiumniveau. Sogar der 115-PS-Diesel, den ich testen konnte, hält sich komplett im Hintergrund, ohne Nageln, ohne Vibrationen. Dafür mit einer souveränen Kraftentfaltung und einem günstigen Normverbrauch von 3,7 l/100 km (95 g CO2).

Weniger gute Manieren, aber Rekord-Qualitäten in Sachen Effizienz hat der Superspardiesel namens 1,6 BlueHDi (kommt im Frühjahr 2014). Das 120-PS-Aggregat soll mit nur 3,1 l/100 km auskommen und schlägt damit den Golf BlueMotion (110 PS) um ein Zehntel.

Die dritte Motorisierung, die zum Test bereit stand, ist der 156-PS-Vierzylinder aus der Kooperation mit BMW. Der Turbobenziner schickt bereits ab 1.400/min. volle 240 Nm an sein exakt zu schaltendes Sechsganggetriebe und geht entsprechend kraftvoll zur Sache. Nur nach dem Raufschalten holt der Turbo kurz Luft, sodass ein sauberer Übergang nicht immer gelingt. Außer man bewegt sich generell in hohen Drehzahlen.

Außerdem im Angebot sind ein 1,6-Liter-Benziner mit 125 PS und ein Dreizylinder-Saugbenziner (Einstiegsmotor) mit 82 PS. Weitere Motoren, darunter ein Dreizylinder-Turbobenziner sowie zwei stärkere Diesel, aber auch ein 200 PS starker 308 GTi folgen nächstes Jahr. Hoffnungen gibt es auch auf die R-Version mit 270 PS, die auf der IAA als Concept Car vorgestellt wurde.

Lebe lieber leichter
Das spielerische Handling ist ebenso wie die guten Verbrauchswerte teilweise auf das relativ geringe Gewicht des Peugeot zurückzuführen. Konsequenter Leichtbau beschert dem neuen 308er bemerkenswerte 140 kg weniger als seinem Vorgänger (der leichteste wiegt 1.205 kg und damit so viel wie der zweitürige Golf). Das resultiert zur Hälfte aus der neuen modularen Plattform EMP2 (ähnlich wie VWs modularer Querbaukasten), der Rest wurde etwa an den Sitzen oder auch an der Heckklappe gespart, die jetzt aus Kunststoff besteht.

Erste Schritte im Hightech-Bereich
Erstmals bekommt der Peugeot 308 (je nach Ausstattung) radargestützte Hightech-Assistenten. So wird der Fahrer gewarnt, wenn er seinem Vordermann zu nahe kommt, erst verhalten optisch, dann auch akustisch und im letzten Moment bremst der Wagen selbsttätig, um eine Kollision zu vermeiden oder deren Heftigkeit zu verringern. An einem Assistenten für das Anhalten vor stehenden Hindernissen und Fußgängern wird noch gearbeitet. Auch ein adaptiver Tempomat ist im Paket dabei, allerdings ist der noch nicht ganz ausgereift und regelt das Tempo unangenehm unruhig. Und doch hat er anderen etwas voraus: Es lassen sich Geschwindigkeits-Presets anwählen, man kann also z.B. auf Knopfdruck zwischen Baustellen- und Normaltempo wechseln.

Ein Totwinkelassistent ist als Option zu haben, ein Parkassistent ist angekündigt.

Da ist Platz in der kleinen Hütte
Mit 4,25 Meter Länge gehört der Peugeot 308 zu den Kurzen seiner Gattung. Dennoch hat er einen der größten Kofferräume. 420 Liter sind es bis zur Hutablage, sogar 454 Liter, wenn man sie herausnimmt (der Golf zum Vergleich: 350/380 Liter), 1.228 Liter, wenn man die Rückbanklehne umlegt – allerdings verbleibt eine Stufe. Vorne ist das Raumgefühl opulent, die Sitze bequem, und für die Reise passt eine 1,5-Liter-PET-Flasche ins Türfach. Auf der Rückbank geht es ein wenig enger zu, aber der große Türausschnitt sorgt für sehr bequemes Einsteigen.

Schon in der Basis gut ausgestattet
Der günstige Basispreis wird nicht mit Nacktheit erkauft. Serienmäßig sind etwa Klimaanlage, Tempomat, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, CD-Radio mit vier Lautsprechern, elektrische Fensterheber vorne, Kühlung für das Handschuhfach, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, LED-Tagfahrlicht oder höhenverstellbare Vordersitze. Dennoch lohnt die Investition von 1.700 Euro in die Active-Ausstattung, bei der dann Touchscreen, Zweizonenklimaautomatik, Parksensoren oder auch die elektronische Parkbremse enthalten sind. Letztere ist zwar nichts für Heizer-Puristen, aber das ESP ist ohnehin nicht abschaltbar und sie ermöglicht ein zusätzliches Ablagefach für die Dinge des täglichen Lebens.

Peugeot ist da ein großer Wurf gelungen, mit einigen großen Gesten und Nadelstichen gegen den Klassenprimus. Selbstbewusst behält er diesmal auch seinen Namen statt weiterzuzählen. In Sachen Fahrassistenten kann der Franzose dem erklärten Vorbild jedoch noch nicht das Wasser reichen, ansonsten begegnen sich die beiden Konkurrenten durchaus auf Augenhöhe. Touché.

Warum?

  • Hervorragendes Fahrwerk
  • Sehr leise im Innenraum
  • Einzigartige Anordnung des Kombiinstruments

Warum nicht?

  • Unausgereifter Radartempomat (250 Euro im Paket mit Notbremssystem)
  • Fahrleistungen im Verhältnis zur Motorleistung etwas gering
  • Einzigartige Anordnung des Kombiinstruments

Oder vielleicht …

… einen anderen der unzähligen Kompakten? Der Peugeot 308 ist jedenfalls eine Überlegung wert.

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