Sa, 16. Dezember 2017

Terrakotta-Armee

27.07.2013 17:00

Zu Besuch in Xi'an: Anfang und Ende der Seidenstraße

Wie im Flug vergingen die wenigen Stunden vom Einchecken in Helsinki bis zum ersten Schritt auf chinesischem Boden. "Ni hao!" "Hallo!" Enthusiastisch begrüßten uns auf dem Airport in Xi'an die Festgäste – und eine Schar Reporter. Aufgeregt richteten sie ihre Kameras auf die Gangway, hielten beinahe jedem Passagier keck ein Mikrofon unter die Nase.

"Wie war der Jungfernflug auf der schnellsten Route zwischen Europa und Asien?", lautete die am häufigsten gestellte Frage. "Kurzweilig und angenehm", die häufigste Antwort. "Wir machen uns die Erdkrümmung zunutze. Denn der kürzeste Weg von Europa nach Asien führt über den Norden, und unsere Flieger sind nur 7,5 Stunden in der Luft", erklärt Arja Suominen, Vizepräsidentin von Finnair.

Xi'an – Acht-Millionen-Metropole mitten in China
China – das Reich der Mitte, und ein Reich der Superlative. Große Vergangenheit, heute explodierende Bevölkerungszahlen, pulsierende Wirtschaft mit allen Licht- und Schattenseiten. Auf der Fahrt vom Flughafen in die Acht-Millionen-Einwohner-Metropole Xi'an offenbart sich aber ein etwas unerwartetes Bild. Kein chaotisches Verkehrsgewirr, keine Staus.

Stattdessen erinnert das urbane Szenario eher an europäische Verhältnisse, wären da nicht die unverständlichen Schriftzeichen auf riesigen Werbewänden sowie Straßen und Häuser im XL-Format – vielspurige Autobahnen, 30-stöckige Wohnblöcke. "Xi'an wächst und wächst", streut unsere Begleiterin Ivy Yang Wen ein. Schon auf dem Zenit seiner mehr als tausend Jahre währenden Geschichte als kaiserlicher Hauptsitz des chinesischen Reiches tummelte sich dort eine Million Bewohner.

Früher bedeutender Umschlagplatz und Kaiserstadt
Hier war Anfang und Ende der berühmten Seidenstraße. Entlang des weitverzweigten Netzes an Karawanenpfaden führten Händler aus Ost und West kostbare Waren wie Gewürze, Glas, Porzellan und eben Seide mit sich. Vom historischen Glanz Xi'ans als bedeutender Umschlagplatz zeugt bis heute die mächtige Mauer, die das Zentrum auf einer Länge von fast 14 Kilometern rechteckig umschließt – zwölf Meter hoch, bis zu 18 Meter dick, erbaut in der Ming-Dynastie ab 1370.

"Dahinter könnt ihr euch sicher fühlen", sagt Ivy. Ein Scherz, denn bedrohlich wirkt das fremde Land ganz und gar nicht. Freundlich und offenherzig begegnen die Einheimischen den Touristen. Quirlig und bunt präsentiert sich das Leben auf den Straßen: Mitten auf dem Gehsteig vor unserem Hotel gibt eine sangesfreudige Verkäuferin zu knisternder Musik aus einem Transistorradio Opernarien zum Besten.

Vollbepackt mit 20 Käfigen knattert ein Vogelhändler mit seinem klapprigen Roller an ihr vorbei, vertieft in ihr Blatt, geben sich Männerrunden dem Kartenspiel hin. Nur ein Mechaniker hockt in der Einfahrt seiner Werkstatt und geht konzentriert seiner Arbeit nach. Spätestens jetzt sind Neulinge in der fernöstlichen Lebensweise angekommen.

Die Terrakotta-Armee wacht über des Kaisers Grab
Wer Xi'an besucht, kommt nicht umhin, die größte archäologische Entdeckung des 20. Jahrhunderts und UNESCO-Welterbe zu bestaunen – das Mausoleum des ersten Kaisers von China, Qín Shi Huángdì (259–210 vor Christus) samt jener sagenhaften Terrakotta-Armee, die sein Grabmal bewacht.

Viele Geheimnisse ranken sich um die Ausgrabungsstätte, knapp eine Stunde Busfahrt von Xi'an entfernt. Hinter einem Pult gleich beim Museumseingang sitzt, nahezu unbemerkt, Yáng Xin Man. Er ist einer jener Bauern, die hier 1974 beim Brunnenbau auf die ersten sensationellen Fundstücke stießen. Ein kleines Trinkgeld genügt, und er beginnt zu erzählen. "Für uns war das damals wie ein Lottogewinn", lächelt der alte Mann zufrieden und signiert den Ausstellungskatalog.

Kultur und kulinarische Köstlichkeiten
Zurück in Xi'an, darf bei einer Besichtigungstour die Große Wildganspagode nicht fehlen. Ursprünglich ein Tempel aus der Mitte des 7. Jahrhunderts, in dem später ein Mönch buddhistische Schriften, die über die Seidenstraße von Indien nach China gelangt waren, übersetzte, ist der siebenstöckige Prachtbau auch heute ein weithin sichtbares Symbol dieser Religion und Wahrzeichen der Stadt.

Von der Hochkultur zu Kitsch und Gaumenfreuden: Bei Einbruch der Dämmerung verschlägt es uns auf den orientalischen Nachtmarkt im muslimischen Viertel. Zwischen Verkaufsständen mit allerlei farbenfrohen Souvenirs dampft es aus Töpfen mit einer reichen Auswahl an fein gewürzten Suppen- und Fleischgerichten – der verführerische Duft verspricht nicht zu viel. Guten Appetit!

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