Fr, 25. Mai 2018

Riesiges Funkloch

16.09.2011 13:02

"WLAN-Opfer" flüchten in US-Spionage-Dorf

Green Bank im US-Bundesstaat West Virginia ist ein ruhiges Dorf. Das liegt vor allem an dort zuhauf vorhandenen, riesigen Radioteleskopen, die Teil des US-Spionagenetzwerks sind. Denn sie dürfen von keinem elektromagnetischem Feld, wie es Handys und WLAN erzeugen, gestört werden. Das wiederum zieht neue Bewohner an, die elektromagnetische Strahlung angeblich krank macht.

Wie die BBC berichtet, suchen viele dieser Menschen in der bergigen Gegend von Green Bank Schutz vor WLAN- und Handy-Strahlung, die sie ihrer Ansicht nach krank macht. Medizinisch erwiesen ist die Elektrosensibilität, die angeblich körperliche und geistige Beschwerden von Kopfschmerzen bis zu einem Brennen auf der Haut verursacht, nicht. Doch zahlreiche Personen - laut BBC ganze fünf Prozent der Amerikaner - sind davon überzeugt, unter diesen Symptomen zu leiden.

Nach Green Bank geflüchtet ist zum Beispiel Diane Schou, die laut BBC unter Tränen erzählt, wie sie früher in einer Art Faradayschem Käfig lebte, um sich vor den elektromagnetischen Wellen zu schützen. "Es ist eine furchtbare Sache, ein Gefangener zu sein. Du wirst zu einem technologischen Aussätzigen, weil du dich nicht mit Menschen umgeben kannst."

Handys und WLAN müssen draußen bleiben
Nachdem ihre Beschwerden ihrer Ansicht nach lebensbedrohliche Ausmaße annahmen, floh sie nach Green Bank. Das 143-Seelen-Dorf ist Teil der 33.000 Quadratkilometer großen "United States National Radio Quiet Zone", innerhalb derer der Großteil an Funkwellen verboten ist. Lediglich CB-Funk für Privatpersonen und Funkverbindungen für Polizei und Rettungskräfte sind erlaubt. Mobilfunk und WLAN-Verbindungen dagegen bleiben außen vor. Die relative Funkstille soll zahlreiche Radioteleskope schützen, die in der Gegend um Green Bank aufgestellt wurden.

Weltweite Spionage aus 143-Seelen-Dorf
Ein Teil davon hilft Astronomen bei der Weltraum-Beobachtung, doch der weitaus wichtigere gehört zu den essenziellen Quellen des Spionagenetzwerks der USA. Die Radioteleskope liefern etwa dem Echelon-System des US-Militärnachrichtendienstes NSA zahllose Informationen, überwacht werden Terrorismus, Drogenhandel, Wirtschaftsspionage und andere Staaten.

Paradies von erstem Handymasten bedroht
Dass die Einhaltung der Funkstille gesetzlich vorgeschrieben und dementsprechend gründlich ausgeschildert ist (siehe Foto), freut Menschen wie Diane Schou oder Nichols Fox. Die Siebzigjährige lebt ebenfalls in Green Bank, nachdem sie eigenen Angaben zufolge nach Jahren merkte, unter Elektrosensibilität zu leiden. "Am Ende meines normalen Lebens, als ich noch fernsehen konnte, konnte ich meine Schmerzen mit der Fernbedienung tatsächlich ein- und ausschalten", so Fox.

Doch das technologiefreie Paradies könnte bald ein Ende haben: In der Nähe von Green Bank könnte schon bald der erste Handymasten stehen, die Baugenehmigung dafür wurde bereits erteilt.

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